Der Staatsminister für Kultur und Wissenschaft, Markus Blume (CSU), hat den Förderkreis Schacky-Park in dieser Woche (Di, 30.6.) in München mit der Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Die Anlage am südlichen Ortsausgang von Dießen ist das Vermächtnis von Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeld (1849 bis 1913), königlicher Kämmerer und Oberstleutnant a.D., und seiner Gattin Julia (1852 bis 1910), die anno 1903 die Landschaft entdeckten und einen imposanten Park schufen. Über die Auszeichnung, die Anfänge und die nächsten Projekte sprach die SZ mit der ehemals langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Christine Reichert, die dort inzwischen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
SZ: Frau Reichert, wer bekommt die Denkmalschutzmedaille eigentlich?
Christine Reichert: Sie bezieht sich auf die Leistungen der Ehrenamtlichen, die den Park in den vergangenen 20 Jahren wieder aufgebaut haben. Im Verbund mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege waren es zehn Großprojekte, die Wiederherstellung der Teiche und der Waldumbau im Süden des Parks. Die Anlage gilt in der Vollständigkeit des Ensembles zu einer der am besten ausgestatteten im Fünf-Seen-Land. Sie erinnert an die Zeit um 1900, als solche Anlagen als repräsentative Objekte des gehobenen Bürgertums in München, als Statussymbole, fungierten. Leider wissen wir nicht, wer der Gartenarchitekt war – oder die Gartenarchitektin, denn damals wurden die ersten Frauen in diesem Beruf tätig.

Die Anlage umfasst 18 Hektar, das muss viel Geld gekostet haben.
Wir wissen, dass der Freiherr für den Quadratmeter Grund zwischen zehn bis 58 Pfennige zahlte. Das wären etwa 90 000 Mark. Eine Mass Bier kostete damals 29 Pfennige. Die Familie war im Tuchhandel groß geworden, man kann also sinnbildlich von einer betuchten Familie sprechen. Die Ausstattung dieser Gartenanlage war aber sicher teurer als die Immobilie.
Womit haben Sie damals bei der Restaurierung angefangen?
Überall und alles zur gleichen Zeit. Jeder wollte alles machen. Bis 2006 war das Grundstück mit Stacheldraht eingezäunt, zur Öffnung herrschte Aufbruchstimmung. Es gab sofort Paten für einzelne Objekte. Dabei mussten wir erst Wege anlegen, um zum Teehaus zu kommen.
Denkmalschützer dürften die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben.
Ja, denen ging das zu schnell, wir mussten uns zügeln und lernen, mit den Fachleuten zusammenzuarbeiten. Aber es führte zu einem vertrauensvollen Schulterschluss, es ist bis heute ein gutes Miteinander, wir bekommen fachliche und finanzielle Unterstützung vom Landesamt für Denkmalpflege, das die Auszeichnung zusammen mit Heide Weißhaar-Kiem, der langjährigen Kreisheimatpflegerin, initiiert hat.
Die Arbeit ist nicht beendet, der Förderkreis wartet mit immer neuen Projekten auf.
Ja, vor Kurzem wurde in Augsburg im Keller des Klosters der Stiftung St. Vinzenz, der das Grundstück gehört, zufällig die Figur mit den beiden Putti für den Froschbrunnen entdeckt. Und wir können ein neues Kapitell auf die Mauerbank im Monopteros setzen, die der Steinrestaurator Joachim Hoppe in Kooperation mit dem Landesamt neu geschaffen hat.

Im Park sind also nicht nur restaurierte Objekte zu sehen?
Jedes neu geschaffenes Objekt muss als Teil des Originalzustandes dokumentiert sein, durch ein Foto, eine Zeichnung oder als organischer Nachweis wie zum Beispiel die vielen Scherben, die wir ausgegraben haben. Von den zwei Putti am Froschbrunnen existiert ein Foto, aber nur von der Vorderseite, es wäre also unklar, wie die kleinen Popos aussahen, und deshalb wäre eine neu gearbeitete Figur nicht aufgestellt worden.
Der Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Dießen und der Stiftung läuft in zehn Jahren aus und muss verlängert werden, sonst war alle Arbeit umsonst. Wie stehen die Chancen?
Wir würden uns wünschen, dass der Schacky-Park eine lange, lange Zukunft hat, und dass diese Zukunft gesichert wird.

