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Dießen:Kälte stoppt Zugvögel

Rund um den Ammersee ist ein seltenes Phänomen zu beobachten: Hunderte Drosseln, Kiebitze und Buchfinken hat das Winterwetter zur Zwischenlandung auf ihrem Flug nach Norden gezwungen.

Feldlerche

Feldlerche Die Feldlerche (Undatiertes Archivbild) , eine der volkstümlichsten Singvogelarten, ist vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum 'Vogel des Jahres 1998' ausgerufen worden. Noch gibt es, wie der Nabu ermittelte, in Deutschland bis zu 3,6 Millionen Feldlerchen-Brutpaare, doch der Bestand ist in den letzten 20 Jahren je nach Gegend in Deutschland zwischen 20 und 50 Prozent geschrumpft. dpa (Zu dpa lhe Korr.Ber. am 5.3.1998)

(Foto: picture-alliance)

Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, nicht nur für Vogelfreunde sondern auch für Spaziergänger. Scharenweise bevölkern Buchfinken und Feldlerchen, Kiebitze und Drosseln die Wiesen und Gärten rund um den Ammersee. Das Schauspiel dauert nach Beobachtungen des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) schon mehr als zehn Tagen an. Was vor den Augen der Spaziergänger stattfindet, ist aber reiner Überlebenskampf. Denn für die Zugvögel, die eigentlich in Richtung Norden unterwegs sind, ist der Ammersee mit seinem milderen Klima die letzte Chance, um überhaupt Nahrung zu finden und nicht zu verhungern. Das kalte Wetter mit seinen anhaltenden Minustemperaturen und Schnee selbst bis in tiefere Lagen ist für sie zur Falle geworden.

Der "Zugstau", wie Ornithologen den erzwungenen Stopp auf einem begrenzten Raum nennen, ist auch Horst Guckelsberger aus Weßling aufgefallen. Der LBV-Kreisvorsitzende spricht von "unglaublich vielen Singvögeln", die derzeit am Ammersee zu finden sind. "Die Kälte und der starke Nordwind lässt sie nicht weiterfliegen", berichtet er. Mehr als 200 Kiebitze warten auf besseres und vor allem wärmeres Wetter. Dazu kommen noch 600 Buchfinken, 500 Feldlerchen und 500 Drosseln. Das haben Zählungen ergeben. Selbst die ganz im Norden brütenden Arten wie der äußerst seltene Goldregenpfeifer oder die Seidenschwänze sind noch hier und auf Nahrungssuche. Diese ist selbst am doch milderen Ammersee schwer. Der Hungertod droht. Deshalb hofft Guckelsberger, dass die Gartenbesitzer weiter füttern und auch auf dem gefrorenen Boden Sonnenblumenkerne ausstreuen. Die Tiere seien entkräftet. Gärten und Wiesen, deren Laub noch vorhanden ist, sollten möglichst nicht besenrein gemacht werden, da unter den Blättern möglicherweise Insekten wie kleine Spinnen sind. "Die Vögel drehen jedes Blatt um."

Nicht nur für die Singvögel sind es schwere Zeiten. Auch Greifvögel wie Bussarde haben Probleme. Die Kälte und die Hochnebeldecke verhindern die notwendige Thermik, die die Vögel dringend bräuchten, um in höhere Luftschichten zu kommen, damit sie weiterfliegen können. Aber nichts geht in diesen Tagen. Für die Vogelschützer allerdings eine gute Gelegenheit, um über einen längeren Zeitraum auch die seltenen Arten wie etwa Hausrotschwänze oder den Zilpzalp zu beobachten. "Es ist eine einmalige Gelegenheit für uns", sagt Guckelsberger. Normalerweise bleiben Zugvögel nur ein bis zwei Tage am Ammersee und fliegen dann weiter Richtung Norden. Nun hat es sie im wahrsten Sinn des Wortes kalt erwischt.

Betroffen vom großen Zugstau der Vögel ist nicht nur der westliche Landkreis Starnberg. Auch in den südlichen Isarauen hinter der Landeshauptstadt München tummeln sich ganze Vogelscharen, vor allem auf jenen Uferseiten, bei denen der Schnee geschmolzen ist und die Möglichkeit auf Sonneneinstrahlung besteht. Sonne soll es ja in den vergangenen Tagen zwischendurch gegeben haben. Am Ostermontag zum Beispiel verzeichnete man am Ammersee durchaus schönes Wetter.

Auch wenn es in den kommenden Wochen wärmer werden wird, bleibt ein Problem: Es gibt noch wenig Mücken. Damit wird das Nahrungsangebot für die Rauch- und Seeschwalben, die Anfang Mai eintreffen und schon jetzt am Bodensee gesichtet wurden, begrenzt bleiben. Auch für Fledermäuse, glaubt Guckelsberger, wird es schwierig bleiben.

Er unterstützt daher die Landkreis-Initiative des Landkreises "Blühender Landkreis". Diese sieht vor, Straßenränder, kommunale Grundstücke und auch private Gärten mit wild wachsenden Pflanzen zu begrünen. Für den Vogelschützer und Vogelfreund Guckelsberger die beste Möglichkeit, um für ein großes Nahrungsangebot herzustellen, das auch das Auge erfreuen wird.