Herbert Kirsch, langjähriger Bürgermeister von Dießen, gibt die Kommunalpolitik nun ganz auf. Zur nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Montag steht die Vereidigung seines Listennachfolgers Maximilian Knoller auf der Tagesordnung. Der 27-jährige Agrartechniker führt in dritter Generation den Seekuhhof gegenüber dem SOS-Kinderdorf. Er setzt auf die Direktvermarktung von Bio-Milch und -Eiern, seine Hühner dürfen im Schacky-Park grasen. Knoller war unter den Bewerbern der Dießener Bürger Kandidaten auf Platz fünf gelistet und hatte bei der Kommunalwahl 2020 die sechstmeisten Stimmen erhalten; nachdem Sandra Perzul in der Stichwahl zur Bürgermeisterin gekürt war, rückte der Landwirt auf den ersten Nachfolgerplatz vor.
Kirsch hatte seinerzeit nur den 24. und letzten Platz auf der DB-Kandidatenliste eingenommen - wurde aber bis auf Rang vier vorgehäufelt. Zuvor hatte er zwei Jahre lang das Dießener Standesamt und dann 24 Jahre lang die Rathausverwaltung geführt, seit 1996 hatte Kirsch bei den vier Bürgermeisterwahlen 71, 85, 75 und 81 Prozent der Stimmen erhalten. Bereits im August 2018 kündigte er an, auf eine erneute Kandidatur als Rathauschef zu verzichten, bewarb sich aber dennoch für die Gemeinderatswahl. Es sei jedoch absehbar gewesen, dass es sich um ein Engagement auf Zeit handelte: "Ich habe schon im Wahlkampf gesagt, dass ich keine ganze Legislaturperiode dabei bleiben werde, den Termin für den Rücktritt aber offengelassen", sagt der 62-Jährige. Es sei ihm vor allem um einen geregelten Übergang der Rathausgeschäfte gegangen. Mit Kirsch schieden innerhalb weniger Jahre auch Bauhofleiter Albert Schmelzer, Kämmerer Max Steigenberger und Geschäftsstellenleiter Erich Neugebauer aus ihren Ämtern - die beiden letztgenannten hatten ihre leitenden Funktionen bis dato jeweils drei Jahrzehnter lang inne. Im Gemeinderat wollte Kirsch zur Verfügung stehen, um die Hintergründe bei länger zurückliegenden Sachverhalten zu erläutern.
Nun aber werde er vor allem als Kuratoriumsvorsitzender der Carl-Orff-Stiftung gefordert: Demnächst stehe der Bauantrag für das neue Museum am Ziegelstadel im Gemeinderat zur Debatte. "Mit der Bauherrenaufgabe übernehme ich da schon eine gewisse Verantwortung", sagt Kirsch, nachdem der Stiftungsvorsitz bis jetzt eher ein "Steckenpferd" gewesen sei.
