Töpfermarkt in Dießen:Feuchter Auftakt

Die Schauspielerin Michaela May eröffnet bei Platzregen den Dießener Töpfermarkt. Das schlechte Wetter schreckt aber die Besucher nicht, und am Nachmittag scheint sogar die Sonne

Von Armin Greune, Dießen

Lange Gesichter zur Eröffnung, meist zufriedene Mienen am Nachmittag: Aussteller und Besucher waren am ersten Tag des Dießener Töpfermarkts wie so oft den Launen des Wetters ausgeliefert. Es begann mit Platzregen statt Platzkonzert: Kurz nach dem Glockengeläut zu Christi Himmelfahrt legte das Schaufelradschiff Dießen eben dort hupend an. Obwohl der Starkregen inzwischen zum Landregen abgeklungen war, ließ sich die wasserscheue Prominenz Zeit, bis sie sich auf dem Dampfersteg zum Pressefoto versammelte. Auf den vom Oberdeck des Schiffs aufgenommenen Bildern waren dann freilich nur Schirme zu sehen.

"Wasser auch von oben" habe man bislang bei der Eröffnung noch nicht erlebt, behauptete Bürgermeister Herbert Kirsch in seiner Begrüßung - 2007 hatte er wohl vergessen. Ein echtes Novum bei diesem 15. Markt in den Dießener Seeanlagen war, dass kein hochrangiger Politiker die viertägige Veranstaltung eröffnete. Stattdessen war es dem Team um Kirsch gelungen, einen prominenten Ehrengast zu gewinnen, der nicht nur zur Keramik, sondern auch zu Dießen einen nahen persönlichen Bezug hat. Die Schauspielerin Michaela May outete sich als "alte Ammerseerin", die einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in Riederau verbracht hat. Außerdem sei sie "im Ton aufgewachsen": Gertraud Elisabeth Berta Franziska Mittermayr, so ihr bürgerlicher Name, entstammt der Hafnerfamilie Mittermayr, die seit 1670 in München Kachelöfen gebaut hat. Der Ururgroßvater brannte für König Ludwig II. einen vier Meter hohen Ofen, der dem Märchenkönig aber "zu grün war", sagte May. Auch auf dem elterlichen Küchentisch sei oft Keramik bearbeitet worden, Mays Mutter Anneliese Mittermayr bemalte dort Kacheln. In Dießen stammen eine Nepomuk-Figur in einem Brückenmarterl und eine Madonna in der Riederauer Kirche von ihr. Die nunmehr 93-Jährige lebt im Dießener Augustinum und modelliere aber immer noch, erzählte May noch - bis ihre Mutter von der Seite ein "Jetza ist aber Ruah" raunte.

Die Schauspielerin schloss mit dem Wunsch, der Regen möge enden - doch der Begrüßungstanz der Trachtenkinder fiel ebenso ins Wasser, wie der traditionelle Rundgang der Ehrengäste mit Marktleiter Wolfgang Lösche. Am Nachmittag, als sich der Himmel heiter zeigte, drängten sich dann doch fast die gewohnten Besucherströme zwischen den 150 Ständen, während der Bauhof Rindenmulch auf den zum Teil schlammigen Wiesen verteilte. Ganz so voll, wie es sonst an durchwegs sonnigen Eröffnungstagen in den Dießener Seeanlagen mit bis zu 25 000 Besuchern ist, wurde es diesmal aber nicht.

So hatten die Keramiker Zeit, interessierten Kunden ihre Techniken zu erläutern - wie etwa der weltweit anerkannte Künstlers Eric Astoul, der nach acht Jahren Pause wieder aus La Borne nach Dießen gekommen ist. Er lässt sich von geologischen Formationen inspirieren und brennt seine zweckfreien Plastiken "vulkanisch", also tagelang bei 1300 Grad. Kiho Kang ist zum zweiten Mal am Ammersee: Im großen Zelt konnte er schon am Vormittag viele Freunde, Bekannte und Stammkunden begrüßen. Seine geometrisch strengen Gefäßformen faszinieren wegen des perfekten Zusammenspiels von Form und Struktur. Der 1980 in Korea geborene Künstler gehört zu den Shooting Stars der Töpferszene, er gewann unter anderem 2012 und 2014 den Bayerischen Staatspreis.

© SZ vom 15.05.2015
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