Der Vergleich mit dem weltberühmten Kölner Rosenmontagszug mag ein bisschen gewagt sein – aber der Festzug, der für Sonntag, 2. August, am Ammersee geplant ist, kann durchaus auch beeindruckende Daten vorweisen. 1700 Teilnehmer, 92 Gruppen und mehr als 50 Schauwagen zur Ortsgeschichte werden aus Anlass der 700-Jahr-Feier der Markternennung in Dießen erwartet – damit ist immerhin ein Drittel der Wagenzahl beim diesjährigen Karnevalsumzug in der Millionenstadt erreicht.
Wie dort laufen auch in der Marktgemeinde die Vorbereitungen monatelang. „D’ Moosdapper“ – laut Selbstauskunft eine Gemeinschaft aus „Fischern, Jägern und anderen Lügnern“ – sind wieder mit dem 1976 zum Marktjubiläum gebauten Klosterschiff vertreten. Es lag danach 19 Jahre auf dem Grund des Ammersees, bis es geborgen und in 600 Arbeitsstunden restauriert wurde, um an der 675-Jahr-Feier teilzunehmen, erzählt Moosdapper-Anführer Simon Rauch. Der Heimat- und Trachtenverein „D’ Ammertaler“ gestaltet gleich drei Festwagen: einen nach dem historischen Vorbild des Prunkwagens, der 1835 vom Bezirksamt Landsberg zur Silberhochzeit von König Ludwig I. und Königin Therese von Bayern entsandt wurde; ein Gefährt, das ein Modell des Marienmünsters trägt; und einen Wagen, der mit vier Pestkreuzen an den Schwarzen Tod im Spätmittelalter erinnert.
Josef Kaindl, Vorsitzender der Trachtler, ist auch für die Organisation des Festzugs zuständig; er war damit bereits zum Marktjubiläum vor 25 Jahren befasst. Heuer kann er rund 350 Musiker aus zehn Kapellen sowie Spielmanns- und Trommlerzügen begrüßen, begleitet unter anderem von Ritter- und Reitertrupps, 90 Pferden und einigen Oldtimer-Traktoren. Kaindl freut sich besonders, dass sich unter den Schülern von Ammersee-Gymnasium und Carl-Orff-Volksschule „in der Vorbereitung immer mehr Begeisterung entwickelt hat, das ist ein tolles Signal in die Zukunft.“
An der Orff-Schule hat man im vergangenen Herbst mit Planung und Konzeption für die Teilnahme am Marktjubiläum begonnen. Die Grundschüler haben in Zusammenarbeit mit dem Carl-Orff-Museum eigens ein Singspiel entwickelt, das mehrmals erfolgreich aufgeführt wurde. Die Mittelschüler konstruieren zwei der historischen Festwagen: Einer illustriert das Thema Bahn und Fremdenverkehr, für den anderen wird ein Modell der mittelalterlichen Sconenburg der Grafen von Dießen gebaut. Dabei lasse sich der Umgang mit Akkuschrauber und Stichsäge üben: „Ganze Klassen haben Muttern aus Styropor ausgeschnitten“, sagt Franz-Josef Kisch, Fachlehrer für Werken. Außerdem wurden im Unterricht 80 Themen-Tafeln in Fischform und die Tischschilder für das Festzelt gefertigt.


Am Festsonntag werden zwei Fußgruppen die Wagen der Schule begleiten, obwohl dann ja schon die Ferien angebrochen sind. Bei der Arbeit, die Geschichte Dießens darzustellen, sei nicht nur „das Erlebnis, etwas gemeinsam zu gestalten, sondern auch Verantwortung für den Ort zu übernehmen“ im Vordergrund gestanden, betont Schulleiter Michael Kramer. Die Schüler des Ammersee-Gymnasiums widmen sich dem Thema „Tourismus im 19. Jahrhundert“: Der von ihnen gestaltete Festwagen stellt den Raddampfer „Diessen“ dar. Insgesamt rechnen die Veranstalter damit, dass etwa 300 Kinder und Jugendliche aus Schulen, Kindergärten und den Vereinen am Festzug aktiv mitwirken.
Die bunte historische Karawane mit 65 Bildern soll sich am 2. August um 14.30 Uhr an der Ecke Prinz-Ludwig-/Bahnhofstraße in Bewegung setzen. Ihr Weg führt zunächst durch Herren- und Schützenstraße in die Fischerei und von dort durch die Seeanlagen bis zum Festplatz, wo die Schauwagen noch einmal zur Besichtigung aufgereiht sind. Entlang der Strecke sind von 12.30 bis 17 Uhr Vollsperrungen erforderlich. Die Festtage zum Jubiläum „700 Jahre Erhebung zum Bannmarkt“ dauern vom 30. Juli bis 3. August: Zum Programm gehören unter anderem ein Fischerstechen, eine Oldtimerparade, ein Kabarettabend mit Luise Kinseher und die umstrittene Miss-Dießen-Wahl. Details finden sich im Internet unter www.700-diessen.de.

