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Sir Shackleton:Zwei Masten und ein Fragezeichen

Die Bergung der gesunkenen "Sir Shackleton" war aufwendig, doch nach wie vor ist ungewiss, ob und wann das Schiff wieder auslaufen kann.

(Foto: Arlet Ulfers)

Noch ist unklar, was aus dem nach der Havarie auf dem Ammersee geborgenen Segelschiff wird. Die Inneneinrichtung ist schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Von Astrid Becker

Es war ein spektakulärer Untergang - und eine ebenso spektakuläre Bergung: Die Rede ist von der "Sir Shackleton", einem mindestens 70 Jahre alten Zweimaster aus Holz, der auf dem Ammersee vor allem als Seminarschiff unterwegs war. Noch am Sonntag, 16. August, hatte einer der beiden Eigentümer, Klaus Gattinger, einen Segeltörn mit dem robusten Schiff unternommen, wenig später sank die "Sir" an ihrem Bojenplatz vor Riederau acht Meter tief auf den Grund des Ammersees. Nach ihrer Bergung eine Woche später war die Ursache für ihren Untergang gefunden: ein technischer Defekt am Seeventil, vereinfacht gesagt. Mittlerweile ist fast ein Monat verstrichen, doch noch zeichnet sich nicht ab, ob und wann das Schiff wieder auslaufen kann.

Seit seiner Bergung, die fast einen ganzen Tag in Anspruch nahm und nur mit Hilfe von österreichischen Spezialtauchern vonstatten gehen konnte, liegt das knapp zehn Tonnen schwere und etwa elf Meter lange Segelschiff in der Steinlechner-Werft in Utting. Dort wurde es ausgeräumt, gereinigt und von einem Gutachter, Gregor Franke von "Marine Consulting" in Inning, genau untersucht. Mittlerweile ist die "Sir" in der Werkshalle der Werft gelandet und trocknet noch immer aus. "Die Inneneinrichtung ist schon schwer in Mitleidenschaft gezogen worden", sagt Klaus Gattinger auf Anfrage der SZ.

Das Schiff zu reparieren, werde wohl viele Stunden in Anspruch nehmen, meint er. Wie hoch der finanzielle Schaden ist, mit dem er und sein Geschäftspartner Christian Seelos rechnen müssen, steht offenbar noch nicht definitiv fest. Gutachter Franke hatte von fünfstelligen Summen gesprochen - jeweils für die Bergung und dann für die Wiederinstandsetzung. Wie viel davon die Versicherung übernimmt und wie viel die Eigentümer von dieser Summe dann wiederum versteuern müssen, ist laut Gattinger noch offen: "Gutachter wie unser Ansprechpartner bei der Versicherung sind derzeit noch in Urlaub."

Die Zeit spielt allerdings gegen Gattinger, Seelos und die Sir Shackleton. Im Herbst müssen alle Boote aus dem Ammersee und werden über den Winter überholt. "Dann ist die Werft voll", sagt Gattinger. Deshalb soll das Schiff nun, wenn es trocken ist, erst einmal winterfertig "eingemottet" werden. Bis dahin hoffen Gattinger und Seelos zu wissen, was an finanzieller Belastung auf sie zukommt. Erst dann könne man entscheiden, wie und ob es weitergeht: "Wir haben ja nach dem Kauf 2011 schon einmal viel Geld in das Schiff investiert, und wir müssen uns nun überlegen, ob wir das noch einmal tun oder wie man das Ganze finanziert", so Gattinger.

Zu diesen Überlegungen gehört offenbar auch ein neues Konzept für das Schiff. "Klar denken wir darüber nach, was wir anders oder besser machen könnten." Doch noch sei alles offen - bis auf eines: Repariert werden kann das Schiff frühestens im Frühjahr nächsten Jahres: "Dann sehen wir weiter."

© SZ vom 17.09.2020
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