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Dießen:Parken am Ammersee kostet künftig

Wer an der Anlage in St. Alban parkt, muss künftig zahlen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Weil die Gemeinde keinen Eintritt mehr an den Stränden in St. Alban und Riederau nehmen kann, werden künftig Parkgebühren von bis zu drei Euro pro Tag fällig.

Wer künftig an den beiden vormaligen Strandbädern und nun als Erholungsgelände genutzten Anlagen in St. Alban und Riederau tagsüber länger parken will, wird zur Kasse gebeten. Der Beschluss, zur Kompensation der entgangenen Eintrittsgelder eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen, war bereits in nicht öffentlicher Sitzung gefasst worden. Nun hat der Gemeinderat am Montagabend mit denkbar knapper Mehrheit entschieden, im Zeitraum von 9 bis 18 Uhr bereits von der zweiten Stunde an Gebühren zu verlangen. Sie betragen für die zweite und dritte Stunde jeweils einen Euro; von der vierten Stunde an sind drei Euro fällig, die dann den ganzen Tag lang zum Parken berechtigen.

Die Rathausverwaltung hatte zuvor kalkuliert, dass für die Anschaffung von sieben Parkscheinautomaten in St. Alban und drei in Riederau zusammen 50 000 Euro nötig sind. Die Gesamtinvestition einschließlich Straßenschildern, Fahrbahnverbreiterungen und weiteren Umbauten soll 75000 Euro betragen. Bei einer Tagesgebühr von vier Euro wären jährlich Einnahmen von 50 000 Euro zu erwarten gewesen.

In St. Alban werden der bestehende Kiesplatz, eine bereits zum Parken genutzte Wiese an der Bahnhaltestelle und die etwa 900 Meter lange Strecke entlang des Seewegs Süd bis zum Bierdorfer Graben gebührenpflichtig. In Riederau, zwei Kilometer weiter nördlich, stehen zwei Kiesflächen an den Bahngleisen zur Verfügung. Insgesamt werden an die 320 Parkplätze bewirtschaftet. Ob dafür wirklich zehn Automaten gebraucht werden, wie der Hersteller empfiehlt, will die Verwaltung noch überprüfen. Bislang geht man von einem Apparat pro 150 Meter Distanz aus. Die Gebührenordnung soll Ende des Jahres erneut im Gemeinderat zur Debatte stehen, wenn Erfahrungen aus der ersten Saison vorliegen.

Kurioserweise kam der Beschluss erst zustande, nachdem zuvor in drei Abstimmungen über die Maximalgebühr keine Mehrheit gefunden werden konnte. Zunächst fanden sich für zwei Euro sieben Ja- und 17 Nein-Stimmen. Für drei Euro lautete das Resultat elf zu 13 und für vier Euro zwölf zu zwölf - bei Stimmengleichheit galt also auch dieser Antrag als abgelehnt. Aber immerhin war man sich weitgehend einig, noch in dieser Sitzung eine Entscheidung treffen zu wollen. Nur Marc Schlüpmann (Grüne) und Franz Kubat (Dießener Bürger) votierten dafür, das Thema zu vertagen. In einer erneuten Abstimmung über eine Tagesgebühr von drei Euro fand sich schließlich eine Mehrheit von 13 zu elf Stimmen.

Vorangegangen war eine für das Gremium ungewöhnlich zähe Debatte, bei der - wohl angesichts der anstehenden Kommunalwahl - nahezu jeder Gemeinderat seinen Standpunkt darlegte. Die Grünen wollten eine möglichst hohe Parkgebühr, um die motorisierten Anfahrten zu reduzieren: Schlüpmann fand, "bei zwei Euro wird der Autoverkehr eher unterstützt und eine Stunde frei parken ist ganz kontraproduktiv". Petra Sander schloss sich dem an und verwies darauf, dass im Uttinger Freizeitgelände für ein Tagesticket fünf Euro verlangt werden. Die Gemeinderäte aus den weiter vom See entfernten Ortsteilen machten sich hingegen für möglichst niedrige Parkgebühren stark: Michael Hofmann (Bayernpartei) aus Dettenschwang war zudem grundsätzlich gegen "Erziehungsmaßnahmen"; Marianne Scharr (DB) aus Dettenschwang meinte, eine Maximalgebühr von zwei Euro reiche aus, um die Kosten zu decken.

© SZ vom 22.01.2020

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