Diese Typen bleiben cool Helden des Winters

Autofahrer schieben gemeinsam einen Kleinwagen wieder auf die Straße. Ein Gautinger bietet seine Räumdienste an. Und in dem eingeschneiten Weiler Sonnau greifen die Nachbarn gemeinsam zu den Schaufeln.

Von Carolin Fries und Armin Greune

Der Schnee hat dem Fünfseenland haufenweise Arbeit beschert, der die Menschen von Ammersee bis Starnberger See mit einem großen Maß an nachbarschaftlicher Solidarität und spontaner Hilfsbereitschaft begegnet sind. Autos wurden gemeinsam in Parkbuchten freigeschaufelt oder spontan Kinder der berufstätigen Nachbarn betreut. Am Donnerstagvormittag hielten alle Autofahrer auf der B 2 bei Pöcking sofort an, als eine Frau mit ihrem Kleinwagen in den Graben gerutscht war. Mit vereinten Kräften schafften es acht Helfer, das Auto wieder auf die Straße zu schieben. Die Starnberger SZ stellt Menschen vor, die kräftig anpacken, ihr Ding durchziehen oder aber den Winter für die Menschen im Landkreis noch schöner machen.

Der Schülerlotse

Gewöhnlich steht Michael Werner morgens und mittags auf der Verkehrsinsel auf der Bahnhofstraße vor dem Gautinger Rathaus und begleitet als Schülerlotse Kinder über die Straße. Als der 46-Jährige am Mittwoch über den landkreisweiten Unterrichtsausfall informiert wurde, zögerte er nicht lange und bot den Gautingern quasi als ehrenamtlichen Ersatzdienst auf Facebook seine Hilfe als Schneeräumer an: Falls noch irgendwo eine fleißige Hand benötigt werde - "ich würd' sehr gerne helfen". Einziger Haken: Er habe keine Schaufel, "dafür zwei starke Arme!" Zuhause nämlich muss Michael Werner lediglich die Terrasse räumen, "da haben wir nur eine Kinder-Schneeschaufel". Er beschreibt sich als leidenschaftlichen Schneeräumer, es dürften also ruhig Anfragen kommen. Bis dato habe sich nämlich noch niemand auf sein Angebot gemeldet. Bis zum kommenden Wochenende hält der Sportjournalist dieses noch aufrecht - dann startet die Bundesliga aus der Winterpause, und er muss wieder mehr arbeiten. Anfragen sind per Email an mwerner73@hotmail.de möglich.

Schülerlotse Michael Werner trotzt dem Schnee.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Lehrerinnen

Noch vor den allgemeinen Schneeferien im Landkreis war am Dienstag in der Grundschule im Tutzinger Ortsteil Traubing der Unterricht ausgefallen, weil die Heizung streikte. Die vier Lehrerinnen Camilla von Fürstenberg, Dorith Hirschvogel, Andrea Hartmann und Michaela Walch kamen dennoch, denn für die vierte Klasse war ein Ausflug anberaumt gewesen. Auch am Freitag waren die Pädagoginnen an ihrem Arbeitsplatz - auch wenn letztlich kein Schüler zu betreuen war. "Wir konferieren, planen unseren Unterricht und bereiten unsere Lernentwicklungsgespräche vor", sagt Walch: Dieser Dialog mit den Schülern ersetzt das frühere Zwischenzeugnis. Außerdem seien viele Anfragen von Eltern am Telefon oder per E-Mail zu beantworten, ob auch am Montag die Schule ausfalle. Diese Entscheidung trifft das Landratsamt aber erst am Sonntagvormittag. Immerhin funktioniere die Heizung wieder, sagt Walch, doch die menschliche Wärme wolle sich im Schulhaus nicht einstellen: "Gerade hat eine Kollegin gemeint, es sei nicht schön, wenn es so ruhig ist".

Das Lehrerkollegium der Traubinger Grundschule.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Fahrrad-Pendler

Morgens um halb sieben macht sich Stefan Maier aus Stockdorf wie zahlreiche andere Pendler auf den Weg nach München. Bloß dass er nicht in die S-Bahn steigt, sondern auf sein Fahrrad. Davon konnte ihn auch der Schnee der vergangenen Tage nicht abhalten. Der 43-Jährige arbeitet als Konstrukteur in Obermenzing, für die elf Kilometer zu seinem Arbeitsplatz braucht er gewöhnlich 25 Minuten. "Ich bin mit dem Rad viel schneller als mit der Bahn", sagt er. Das Wetter ist ihm dabei ziemlich egal, "die knappe halbe Stunde schafft man schon irgendwie". Am Donnerstag allerdings sei es "schon extrem" gewesen. Die Straßen waren teilweise noch nicht geräumt, er brauchte fast 40 Minuten. "Ich war genauso schnell wie die Autos", erzählt er. Gefährliche Situationen habe er nicht erlebt, dafür reichlich Spaß gehabt: "So ein bisschen zu sliden ist mal was anderes, eine kleine fahrerische Herausforderung."

Radfahrer Stefan Maier.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Eingeschneiten

Die Sonnau, eine isolierte Streusiedlung einen Kilometer südlich von Perchting, war nach den Schneefällen eineinhalb Tage lang nicht mehr mit Fahrzeugen zu erreichen. Zumindest die letzten 100 Meter der Zufahrt werden als Privatstraße nicht regulär vom öffentlichen Räum- und Streudienst bedient, erzählt Wilef Papageorgiou. Deshalb hätten drei der vier Anlieger schließlich gemeinsam zu den Schneeschaufeln gegriffen, um den Fahrweg freizulegen: "Nach fünf, sechs Stunden waren wir noch nicht wirklich weit gekommen, es geht erst steil bergauf, dann wieder bergab und oben hatte sich zudem eine Schneewehe aufgetürmt." Schließlich sei doch noch der Winterdienst der Stadt Starnberg vorbeigekommen und habe die Zufahrt planiert. Ansonsten haben ihn seine Perchtinger Freunde Leo März und Roman Wöll schon öfter mit ihren Traktoren beim Schneeräumen unterstützt, sagt Papageorgiou.

Der Winterdienst

Um drei Uhr morgens aufstehen, um vier ins Räumfahrzeug steigen und dann acht bis neun Stunden die Straßen frei räumen: So sahen zuletzt die Tage von Michael F. aus Gauting aus. Der 47-Jährige arbeitet seit 23 Jahren am Gautinger Bauhof, den Winterdienst mag er trotz des frühen Aufstehens gern: "Die unberührte Winterlandschaft ist ein Traum!" Weniger schön seien die meckernden Leute, welche sich über ihre zugeräumten Einfahrten beklagen. Aber wegzaubern kann auch Michael F. die Schneemassen nicht, lediglich beiseite schieben. "Und die Straßen haben nun mal Priorität." Umso mehr hat sich das Bauhof-Team am Samstag über ein Blech Kuchen gefreit, das die Mitarbeiterin eines Geschäfts im Ort vorbeigebracht hat. Hätte Michael F. einen Wunsch frei, dann diesen: dass die Leute ihre Parkplätze selbst frei schaufeln und wieder benutzen, anstatt das Auto ein paar Meter weiter auf die geräumte Straße zu stellen.

Bauhof-Mitarbeiter Michael F.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Liftbetreiber

Robert Schmid erwartet für diesen Samstag bis zu 200 Skifahrer, Snowboarder und Rodler am Kreuzmöslberg in Aufkirchen. Von zehn Uhr an sitzt der 47Jahre alte Maler und Lackierer aus Berg dann im Lifthäuschen und knipst die Zehnerkarten der Gäste ab, darunter viele Kinder, die ihre ersten Versuche auf Brettern im Schnee wagen. Robert Schmid hilft ihnen geduldig beim Einhängen der Liftbügel, "das gehört dazu", sagt er. Für ihn gebe es nichts Schöneres, als "glückliche Menschen, die mich anlächeln". Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, hat deshalb am Samstag auch der Kiosk geöffnet. Ehefrau Manina wird belegte Semmeln, Würstl, Glühwein und Punsch bereit halten.

Der Busfahrer

Busfahrer Driton Lushtaku.

(Foto: Privat/oh)

"Es war brutal, ganz ehrlich", sagt Driton Lushtaku, Busfahrer der Firma Geldhauser. Er ist werktags von 6.30 Uhr an auf der Strecke zwischen Weßling, Inning und Herrsching unterwegs, in den vergangenen Tagen musste er dabei immer wieder tief durchatmen. Zum Beispiel als er hinter einem Bus einen Berg hinauffuhr und der Vordermann plötzlich ins Rutschen geriet. Regelrecht erleichtert war der 41 Jahre Herrschinger deshalb, dass der Unterricht an den vergangenen Tagen ausfiel und der MVV den Busbetrieb eingestellt hat. "Mit 40 bis 50 Kindern im Bus möchte ich keine kritischen Situationen erleben", sagt er.