Süddeutsche Zeitung

Demenz-Treff in Gilching:Schöne Stunden im "Café Malta"

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Einmal in der Woche können sich Menschen mit beginnender Demenz und betreuende Angehörige auch im Pichlmayr-Seniorenzentrum treffen. Es ist bereits das sechste Café dieser Art, das die Malteser in der Region betreiben.

Von Patrizia Steipe, Gilching

Der Bedarf für dieses besondere Demenz-Café sei groß. Doch der schwierigste Schritt sei, dass Betroffene die Hemmschwelle überwinden: Dass sie zugeben, dass sie Demenz haben, und dass sie kommen, sagt Thomas Rapp, Malteser-Kreisgeschäftsführer. Gemeinsam mit anderen Beteiligten gab er den Startschuss für das neue "Café Malta" im Pichlmayr-Seniorenzentrum Gilching. Einmal in der Woche können hier Menschen mit beginnender Demenz und betreuende Angehörige "ein paar schöne Stunden verbringen", so Rapp. Es ist das sechste Café dieser Art, das die Malteser in der Region betreiben. Vor allem in den Anfangsjahren einer Demenzerkrankung würden die Betroffenen sehr leiden und sich oft von Freunden und Umwelt in die Isolation zurückziehen. "Damit wollen sie Fragen vermeiden, damit das Umfeld nichts von der Demenz bemerkt", sagt Rapp. Dem stimmte Gilchings Bürgermeister Manfred Walter zu. Betroffene hätten einen hohen Leidensdruck. "Das Café soll für sie eine Art Pause sein und für die Angehörigen eine Auszeit", hoffte Walter.

Initiator Michael Wolfschlag vom Gilchinger Seniorenbeirat hatte schon länger die Idee, einen Treffpunkt für Angehörige von Demenzkranken einzurichten. Vor sechs Jahren erkrankte ein guter Freund von ihm an Alzheimer. Es habe ihn sehr berührt zu erleben, wie sich der Freund im Lauf der Jahre veränderte und was dessen Ehefrau alles leisten musste. "Er kann nicht einkaufen, zum Arzt gehen und auch nicht allein zuhause sein". Schnell wurde Wolfschlag klar, dass eine Selbsthilfegruppe nur funktionieren könne, wenn parallel dazu auch die Erkrankten ein Angebot bekommen und versorgt werden. Nachdem er von der Eröffnung des Café Malta in Wolfratshausen gelesen hatte, reifte der Entschluss, so etwas und dazu auch die Selbsthilfegruppe, also quasi ein "Café Malta plus", als Leuchtturmprojekt im Landkreis Starnberg anzubieten. "Ich finde das Projekt super", stimmte Nicolai Niesel-Benning, Leiter des Pichlmayr-Seniorenzentrums zu. In seiner Einrichtung sei das Thema "Demenz" allgegenwärtig - sowohl bei Angehörigen als auch beim Pflegepersonal. Stets gebe es neue Aspekte der Krankheit, die es zu verstehen und zu berücksichtigen gelte. Demenz werde viel zu wenig thematisiert, kritisierte er.

Das "Café Malta" ist für Interessierte und Betroffene nach Anmeldung dienstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet

Was es bedeutet, einen dementiell erkrankten Familienangehörigen zu haben, berichtete auch die stellvertretende Landrätin Britta Hundesrügge am Beispiel ihrer Großmutter: "Ständig hat man ein schlechtes Gewissen, dass man sich zu wenig kümmert oder wenn ein Angehöriger ins Pflegeheim umziehen muss". Vom Café Malta erhofft sie sich "Freude und Lebensfreude" für Betroffene und für Angehörige die Erkenntnis: "Ja, auch ich darf ein eigenes Leben haben - auch mit einem an Demenz erkrankten Familienmitglied".

Das Café Malta im Pichlmayr-Senioren-Zentrum (Weßlinger Straße 11) ist seit 13. Dezember für interessierte Betroffene dienstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet (Anmeldung bei Carmen Sturz unter 089/858080-230). Es kostet 30 Euro und könnte sogar über einen Pflegegrad abgerechnet werden. Parallel dazu soll sich eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die an Demenz erkrankte Personen betreuen, etablieren. Dieses Angebot ist kostenlos. Neben dem geselligen Austausch sollen einmal im Monat bei einer geleiteten Gesprächsrunde mit Michael Wolfschlag auch inhaltliche Fragen besprochen werden.

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