Dritter Landrat Weidner Wie ein Starnberger Politiker im Urlaub einen Delfin rettete

Tim Weidner und seine Lebensgefährtin entdecken das Tier am Strand. Die Aktion dauert vier Stunden - und der Delfin scheint sich zu bedanken.

Von Sabine Bader

Wer diese Geschichte hört, denkt unweigerlich: Was für ein gelungener Start ins neue Jahr! Sie beginnt damit, dass Tim Weidner, Dritter Landrat und SPD-Stadtrat in Starnberg, mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Christine Keller Weihnachtsurlaub auf der Kapverdischen Insel Boa Vista macht. Am Neujahrsmorgen beschließen die beiden, einen ausgedehnten Strandspaziergang zu unternehmen.

Die Strände auf Boa Vista, auf Deutsch: "Schöner Ausblick", gelten als großartig und weit. Das Meer ist an diesem Vormittag sehr bewegt mit hohen Wellen. Als sie gut eineinhalb Stunden vom Hotel entfernt sind, entdecken sie einen fast zwei Meter langen Tierkörper im Sand. Er wirkt leblos. Die ersten Vögel sind schon da und picken an ihm. Es ist ein gestrandeter Delfin. Und er atmete noch und bewegte die Flossen leicht, wie es Weidner nach seiner Rückkehr erzählt.

Tim Weidner (hinten im Bild) und seine Freundin holen mit Kanistern Wasser und graben eine Rinne, um den mehr als zwei Zentner schweren Delfin zurück ins Wasser bugsieren zu können.

(Foto: Christine Keller)

Der erste Versuch der beiden, den Meeressäuger in Richtung Wasser zu ziehen, scheitert kläglich. "Wir konnten ihn keinen einzigen Zentimeter bewegen. Er war viel zu schwer - hatte bestimmt mehr als 100 Kilo. Außerdem hat er mit seiner Schwanzflosse vor Angst wild um sich geschlagen", sagt der 52-Jährige. "Er hat uns regelrecht umgehauen."

Sie schnappen sich Kanister und benetzen den Delfin

Ihm und seiner Freundin war trotzdem klar, dass sie schnell etwas unternehmen müssen. Denn der Delfin, so vermuten sie, ist mit der vorherigen Flut angespült worden. Das heißt, der Meeressäuger liegt womöglich bereits seit Stunden in der prallen Sonne. Aber was tun? Das Paar findet schließlich zwei weggeworfene Plastikkanister. Sie schnappen sich die Kanister, rennen zum Meer, holen Wasser und übergießen das Tier. Immer, wenn sie über dem seitlich liegenden Delfin stehen und ihm so Schatten spenden, öffnet er ein Auge und schaut sie an. Und das ist oft. Denn mit Schöpfen, Gießen, Schöpfen, Gießen ist das Paar eine ganze Weile beschäftigt.

Langsam merken die zwei, dass es ihrem Patienten besser geht. Wenn sie bei ihm stehen, gibt er die typischen Schnatterlaute der Delfine von sich, so als wolle er etwas mitteilen. "Mein Delfinisch ist leider echt mies", scherzt Weidner heute. Aber schon damals wusste er: Das Tier fasst Vertrauen. "Wir haben gemerkt, er weiß, dass wir ihm nichts tun wollen." Während sie die Zeit bis zur nächsten Flut mit Schöpfen überbrücken, kommt ihnen die Idee, mit Händen und Füßen eine Rinne zum Meer zu graben.

Für den Dritten Landrat und SPD-Stadtrat in Starnberg, Tim Weidner, bleibt das Erlebnis mit dem Delfin auf der Insel Boa Vista ein unvergessliches.

(Foto: Georgine Treybal)

Nach insgesamt vier Stunden ist sie fertig, und auch das Wasser steigt langsam an. Zentimeter für Zentimeter ziehen Weidner und Keller den Delfin jetzt in die Rinne und bugsieren ihn so langsam in Richtung Meer und dort angekommen ins tiefere Wasser. Das Tier wehrt sich nicht mehr, während sie an ihm zerren und schieben. "Seine Haut fühlt sich an wie weiches Leber", erzählt Weidner. Als dann eine große Welle kommt, nimmt diese den Delfin mit ins offene Wasser, und das Paar macht sich langsam auf den Rückweg zum Hotel.

Der Delfin begleitet sie zurück zum Hotel

Natürlich denken sie: "Wir sehen den Delfin nie mehr wieder." Doch dann entdecken sie, dass er auf gleicher Höhe mit ihnen parallel zur Küste schwimmt. "Er begleitete uns richtig zum Hotel, und immer wenn eine besonders hohe Welle kam, hob er den Kopf und schaute in unsere Richtung." Kurz vor dem Hotel dreht er schließlich ab in Richtung offenes Meer. Es ist inzwischen 16 Uhr nachmittags. Erst jetzt bemerkt die 49-jährige Christine Keller, dass die Schwanzflosse des Tieres Spuren hinterlassen hat: Keller hat etliche blaue Flecken.

Am 6. Januar sind Weidner und seine Freundin zurück nach München geflogen. Vergessen haben sie die Geschichte natürlich nicht. "Wir reden sehr oft davon", erzählt er. "Am meisten hat mich berührt, als der Delfin uns am Strand angeschaut hat." Das Ganze und die Kraftanstrengung "steckte uns noch einige Tage in den Knochen". Dennoch: Es ist ein besonderes Erlebnis. Eines, das bleibt.

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