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Das bringt 2021:Mehr Kinder - weniger Autos

Die Gemeinden Gilching und Andechs investieren in Betreuungseinrichtungen. Räume im alten Schulhausin Argelsried werden fertig, der Verkehr auf der Römerstraße soll reduziert werden

Gilching

Sparen, wo möglich und investieren, wo nötig: Nach dieser Maxime will die Gemeinde Gilching handeln. Man müsse "auf Sicht fahren" und wolle die Rücklage von etwa fünf Millionen Euro möglichst nicht antasten, um "handlungsflexibel" zu bleiben, sagt Bürgermeister Manfred Walter (SPD). Es sei nicht geplant, sich neu zu verschulden oder Steuern und Gebühren zu erhöhen. Es gelte, die Kinderbetreuungsplätze weiter auszubauen. So werde beispielsweise zum neuen Schuljahr 2021/2022 der Kindergarten mit Hort im umgebauten alten Schulhaus Argelsried bezugsfertig, wofür heuer noch 2,38 Millionen Euro investiert würden.

Die Gemeinde will außerdem die Römerstraße zwischen der Bahnunterführung und dem Drogeriemarkt Rossmann kurz vor Keltenstraße so umbauen, dass sich der Verkehr verlangsamt und sich die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer verbessere, erklärt der Bürgermeister. Zudem gelte es, den Lkw-Durchgangsverkehr in der Ortsmitte auszubremsen, auch mit dem Gebot von Tempo 30. Außerdem werden sich die Gemeinderäte in einem Workshop mit dem Umbau der Römerstraße befassen. Das ist nun möglich, weil sie nach dem Bau der Westumfahrung von einer Staatsstraße zu einer Gemeindestraße herabgestuft worden ist. Die Planungskosten betragen 250 000 Euro.

Fortgesetzt wird außerdem das Bebauungsplanverfahren für die sogenannte Gilchinger Glatze. Walter hofft, dass dazu die zweite Auslegung erfolgen kann, um das Wohnbauprojekt für mehr als 1500 Menschen voranzubringen.

In die erste Auslegung soll der Bebauungsplan für ein Gebiet an der Flurgrenzstraße gebracht werden. Dort sind der Bau von Wohnungen sowie eine Sport- und Boulderhalle, eine Skateranlage und ein Parkplatz geplant. Ursprünglich sollte auf dem Gelände auch das Katastrophenschutzzentrum des Bayerischen Roten Kreuzes für den Landkreis Starnberg entstehen, inzwischen ist aber der Gewerbepark Süd als Standort vorgesehen.

Der Verkehr in der Römerstraße in Gilching soll sich durch neue Planungen deutlich reduzieren.

(Foto: Arlet Ulfers)

Eine Baugenehmigung ist für das neue Feuerwehrgerätehaus auf dem ehemaligen Festplatz anvisiert, das für 16,5 Millionen Euro errichtet werden soll. Für die weitere Planung sind 500 000 Euro vorgesehen. Die Gemeinde will zudem den Ausbau der Fernwärme forcieren und den Bau einer Freiflächen-Photovoltaikanlage an der Lindauer Autobahn ermöglichen. Es sei das größte Solarzellenprojekt im Landkreis Starnberg, betont Walter.

Andechs

Die Gemeinde Andechs hatte in die Zukunft geplant und in Kindergartenplätze und Klassenräume investiert. Nun sind Kinderbetreuung und Schule ein "Arbeitsprojekt", wie Bürgermeister Georg Scheitz (CSU) sich ausdrückt. Denn Andechs hat jetzt zu viel Platz. Vorsorglich aufgestellte Schulcontainer werden derzeit nicht benötigt, die Carl-Orff-Grundschule ist immer noch zweizügig. Erst in zwei Jahren soll es voraussichtlich einen dritten Jahrgangszug geben, danach wieder wie bisher jeweils zwei Klassen für einen Jahrgang. Nun sollen die Container als Ausweichmöglichkeit für den Unterricht hergerichtet werden, wenn Klassen wegen Corona geteilt werden; ein Luxus, den sich nur wenige Gemeinden leisten können. Scheitz hofft zudem, dass die Schule bald mit schnellem Internet ausgestattet wird. Die Glasfaserkabel für Schule und Rathaus liegen seit eineinhalb Jahren, bisher habe es die Telekom aber nicht geschafft, die Anbindung herzustellen, klagt Scheitz.

Ein Herzensprojekt ist ihm die Überplanung des Innenbereichs zwischen Rathaus und Schule, Bücherei und heilpädagogischer Kindertagesstätte. Dort soll ein kleiner Park entstehen, mit Platz für Kinder und Senioren, beispielsweise einem Erholungsbereich mit Mehrgenerationenspielplatz, Bewegungsgeräten, Tischen und Bänken. Geplant ist auch, die Beleuchtung auf und um den Minigolfplatz zu verbessern.

Die Kommune will in diesem Jahr mit einigen schon lange geplanten Vorhaben vorankommen. So soll die Erweiterung des gemeindeeigenen Friedhofs in Erling endlich starten. Wie Scheitz sagt, lag der Bebauungsplan lange auf Halde. Das Problem sei gewesen, dass der Verdacht bestanden habe, die Fläche, die als Parkplatz vorgesehen war, könne Altlasten enthalten. Denn dort befand sich früher die Müllgrube der Gemeinde. "Die Messungen sind gut ausgefallen, so dass es nun weitergehen kann. Neu in der Planung ist, dass auf Wunsch der Bürger die Urnen in Stelen eingebaut und nicht wie zunächst vorgesehen, in eine Urnenwand eingelassen werden sollen", erklärt Scheitz.

Ein wichtiges Thema ist das Feuerwehrhaus in Frieding. Ein Neu- oder Anbau am jetzigen Standort in der Ortsmitte ist nicht möglich, darum soll am südlichen Ortsrand neu gebaut werden. Ein Grundstück ist ausgewiesen, der Bebauungsplan ist fertig. Auch mit dem Gewerbegebiet Frieding-Nord soll es nun ernst werden. Noch in der letzten Gemeinderatssitzung vor Weihnachten ist der städtebauliche Vertrag beraten worden. Bis spätestens Ende Januar sollen die Änderungen eingearbeitet sein und den Anliegern erneut vorgelegt werden.

Der Andechser Bürgermeister Georg Scheitz hofft, dass Rathaus und Schule endlich ans schnelle Internet angeschlossen werden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Noch im Februar soll über die Planung für das gemeindeeigene Grundstück hinter der Seniorenwohnanlage "Haus Erling" abgestimmt werden. Dort ist in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft "Maro" genossenschaftliches Wohnen mit einer Tagespflege vorgesehen. Noch in Arbeit ist die Überplanung des ehemaligen Max-Planck-Geländes mit dem Wieninger Schlössl auf der Erlinger Höhe. "Wir sind dauernd mit dem Eigentümer im Austausch und fast fertig mit Bebauungsplan und städtebaulichen Verträgen", berichtet Scheitz.

Was die Finanzen angeht, ist der Bürgermeister trotz allem optimistisch. Im vergangenen Jahr habe die Kommune sehr sparsam gewirtschaftet und den bereits beantragten Kredit nicht gebraucht. In diesem Jahr werde es aber wohl kaum ohne Kreditaufnahme gehen, meint er.

© SZ vom 08.01.2021 / deu Bla
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