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Corona-Krise:Auch Einbrecher und Diebe bleiben daheim

Es gibt auch gute Nachrichten in der Corona-Krise: Weil die Kriminalitätsrate sinkt, können viele Polizisten Überstunden abbauen.

Von Christian Deussing

Weniger Unfälle, kaum Diebstähle und keine Einbrüche: Seit der Corona-Krise haben die Polizisten im Fünfseenland viel weniger zu tun und können somit endlich Überstunden abbauen. Es sei zumindest "ruhiger" geworden, sagen die Polizeichefs im Fünfseenland. Es gebe weniger Verkehr, und weil die Leute mehr zu Hause blieben, schrecke dies wohl auch Einbrecher ab, glaubt Gautings Polizeichef Ernst Wiedemann. Trotzdem sei den Ordnungshütern nicht langweilig. Das versichert der Starnberger Inspektionsleiter Bernd Matuschek. Denn nun müssten die Ausgangsbeschränkungen kontrolliert werden - für die Beamten ein völlig neues Terrain.

Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek

Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek und sein Kollege stellen fest, dass sich ihre Arbeit in Zeiten von Corona verändert hat. "Es ist für die Einsatzkräfte ruhiger geworden", sagen die beiden Beamten.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Zudem sei die Starnberger Region bei Ausflugswetter weiterhin ein "Hotspot", sagt Matuschek. Daher sei es für ihn ein "Spagat", einerseits ungewohnte Aufgaben bewältigen zu müssen und andererseits Überstunden abbauen zu sollen. Schließlich gebe es immer wieder Verstöße gegen die Verfügungen, berichtet der Starnberger Polizeichef. Und die Streifenbeamten, die nun auch Mundschutz tragen, wenn sie etwa wegen eines Ladendiebstahls in einem Geschäft ermitteln, müssten sich den jeweils neuen Regeln anpassen, sagt Matuschek. Er könne aber jetzt die Schichten seiner fast 50 Beamten zeitlich anders organisieren. "Doch Home-Office ist nicht möglich, ich brauche die Polizisten auf der Straße", betont er. Erleichtert ist Matuschek, dass die Beschränkungen und psychischen Belastungen bisher nicht zu mehr Einsätzen bei häuslicher Gewalt geführt hätten. Das habe er nämlich befürchtet.

Andreas Ruch ist Vize-Chef der Germeringer Polizei, die auch für den Gilchinger Raum zuständig ist. Er berichtet von einer gewissen Entlastung, überdies würden die Bürger kaum noch zur Wache kommen, sondern vermehrt online Anzeige erstatten. Auch wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz würden nicht mehr so viele Bürger anrufen. "Anfangs hatte das Telefon nicht still gestanden", so Ruch.

Andreas Ruch, Vize der Germeringer Polizei.

(Foto: Polizei)

Ruhiger geht es ebenso in der Dießener Inspektion zu: In deren Gebiet wurden schon in den ersten drei Monaten des Jahres 17 Prozent weniger Verkehrsunfälle registriert. Auffällig sei es aber, dass nun häufiger Fahrradunfälle passierten, berichtet der stellvertretende Inspektionsleiter Boris Netschajew. Auch in der Herrschinger Polizeiwache sind die neuen Zeiten spürbar. "Alles ist ruhiger", konstatiert Inspektionschef Erich Schilling. Die Arbeit konzentriere sich derzeit auf die Kontrollen der Kontaktregelungen, an denen sich die meisten halten würden. Es gebe natürlich "Ausreißer" wie am vergangenen Wochenende, als eine unerlaubte Party gefeiert worden war, so Schilling. Die Teilnehmer erhielten Bußgeldanzeigen von jeweils 150 Euro. Erleichtert ist der Erste Polizeihauptkommissar aber darüber, dass die häusliche Gewalt trotz des Ausnahmezustands nicht zugenommen habe.

Doch das müsse nichts heißen, sagt dazu Cordula Trapp von der Beratungsstelle Frauennotruf im Landkreis Starnberg. Denn derzeit hätten betroffene Frauen wegen der Beschränkungen wenig Chancen, unbemerkt frei zu sprechen, weil sie oft unter Beobachtung ihrer Männer stünden, erklärt die Beraterin. Erst bei weiteren Lockerungen würden sich daher die Frauen sicher melden.

"Da kommt noch eine Lawine auf uns", befürchtet Sophie von Wiedersperg, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis. Sie hoffe aber, dass Nachbarn jetzt wachsam sind und eskalierenden Streit und gewalttätige Konflikte melden.

© SZ vom 23.04.2020

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