Corona-Krise:Sattelberger will beruhigen in der Krise

Am Dienstag um 11.30 Uhr, es ist sein vierter Tag in Quarantäne, erzählt Sattelberger ausführlich, wie es ihm geht. Am Telefon, persönlicher Kontakt ist nicht angeraten. In der Nacht hat er schlecht geschlafen, immer wieder weckten ihn Schweißausbrüche. Dennoch klingt er beinahe aufgekratzt. "Sie erleben mich vital und voller Tatendrang", lacht er in den Hörer.

Ab und zu müsse er zwar husten, sagt er. Fieber habe er aber nur mäßig. "Ich gehe davon aus, dass die Krankheit bei mir mild verläuft." Medikamente, sagt er, brauche er derzeit nicht. Das gelte übrigens für die meisten Infizierten. "Ach, das schreibe ich mir auf für mein Video nachher, das muss ich den Leuten sagen." Und dann sagt Sattelberger einen bemerkenswerten Satz: "Selbst wenn es für mich mit der Krankheit schlimmer werden sollte, muss ich rational damit umgehen."

Es geht Sattelberger nicht nur um seine eigene Erkrankung, um seine Probleme mit dem Gesundheitsamt. Er will beruhigen, ganz allgemein, in diesen Tagen der Krise. Und erklären, warum die Menschen angesichts der Pandemie seiner Meinung nach keine Panik bekommen müssen. Obwohl, das ist ziemlich sicher, weitere Menschen an Covid-19 sterben werden. Aber: "Die überwiegende Mehrzahl wird es schaffen." Er sagt das im Ton eines Großvaters, der seinem Enkel die Angst vor Albträumen nehmen will. Es wird schon gut gehen, das ist seine Botschaft. Wenn die Leute jetzt zusammenhalten, wenn die Behörden ihre Arbeit erledigen, wenn Deutschland mehr Betten für Intensivpatienten herrichtet. Egal wie.

Sorgen macht sich Sattelberger gerade vor allem um seinen Partner, die beiden leben zusammen. Sie waren in der vergangenen Woche auch gemeinsam in Berlin. Während Sattelberger das erzählt, lässt sich sein Lebenspartner in München auf eine Infektion testen. Vorsichtshalber hat er sich schon freiwillig in Quarantäne begeben, der Arztbesuch ist eine Ausnahme. Obwohl sie zu zweit sind, ist die Isolation für Sattelberger das Schlimmste. Er und sein Partner gehen nur noch nacheinander in die Küche, zum Essen setzen sie sich an die Kopfenden des Tisches. "Es ist nicht angenehm, dem eigenen Partner im eigenen Haus aus dem Weg zu gehen", sagt Sattelberger.

Immerhin, er hat einen Garten, der oberbayerische Frühlingsbeginn entgeht ihm nicht völlig. Ein paar Quadratmeter Freiheit für einen, der sein ganzes Leben ruhelos war. Jahrzehntelang war Sattelberger Top-Manager, arbeitete bei Daimler, Lufthansa, Continental, Telekom. Nach seinem Ausstieg 2012 schrieb er, statt das Leben als Ruheständler zu genießen, eine Autobiografie. Titel: "Ich halte nicht die Klappe." 2017 schließlich zog er für die FDP in den Bundestag ein, mit 68.

Da verwundert es nicht, dass es Sattelberger auch in der Corona-Quarantäne nicht langweilig wird. Trotz der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. Ab acht Uhr morgens schreibt er Mails, twittert über seine Erkrankung und das deutsche Gesundheitswesen, bereitet sein abendliches Video vor. Außerdem muss auch sein Podcast mit dem 19 Jahre alten Youtuber Fabian Grischkat weitergehen. Die jüngste Ausgabe erschien am Samstag, als Sattelberger von seiner Infektion erfuhr. Die Folge war lange vorher aufgezeichnet. In dieser Woche soll es wohl, wie könnte es anders sein, um Corona gehen.

Sattelberger würde sich gern noch mehr Zeit nehmen für seine Coronavirus-Updates. Die Podcast-Folgen dauern immerhin 20 bis 30 Minuten, seine Tagebuch-Videos nur viereinhalb. "Ich will meine Reichweite nutzen, um die Panik aus den Köpfen und aus der öffentlichen Diskussion zu nehmen", sagt Sattelberger. Das geht, im Notfall, auch von zu Hause.

© SZ vom 18.03.2020/vewo
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