Leichte Zweifel kann Lorenz Schröfl an den Plänen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie von Bund und Ländern nicht verbergen. Ob der Leiter der Starnberger Gesundheitsbehörde es für richtig hält, dass die Landkreise künftig erst aktiv werden müssen, wenn die Zahl der Neuinfektionen höher als 50 pro 100 000 Einwohne liegt? "Eine solche Richtzahl für Neuinfektionen ist sicherlich sinnvoll", sagt er, ob aber die Zahl 50 "hier am zielführendsten ist, kann nur der weitere Verlauf der Pandemie beantworten".

Schröfl gehört zu den Medizinern in Deutschland, die das Coronavirus seit der ersten Stunde bekämpfen, nachdem es Ende Januar erstmals in Deutschland bei einem Mitarbeiter der Firma Webasto in Stockdorf nachgewiesen wurde. Wurden seither sämtliche Maßnahmen zentral gesteuert, haben Bund und Länder nun die Gesundheitsämter in die Pflicht genommen: Übersteigt die Zahl der Neuinfektionen den Richtwert, müssen die lokalen Behörden ein Konzept zur Eindämmung erarbeiten und dem Robert-Koch-Institut (RKI) vorlegen. Wenn sich der Ausbruch nicht auf eine Einrichtung begrenzen lässt, drohen regional wieder Beschränkungen des öffentlichen Lebens.
Ziel der neuen Strategie ist es, künftig alle Infektionsketten nachzuverfolgen, um diese rechtzeitig zu unterbrechen. Eine Aufgabe, der man im Starnberger Gesundheitsamt bereits seit Monaten nachkommt. "Wir hatten immer alle Indexpersonen und die entsprechenden Kontaktpersonen in unserer Überwachung, es gab hier zu keinem Zeitpunkt eine Lücke", so Schröfl. Insgesamt haben sich im Landkreis bislang 533 Personen angesteckt, 488 gelten inzwischen wieder als genesen.
Lediglich in den ersten beiden Aprilwochen, als die Fallzahlen rapide stiegen, sei es der Behörde nicht mehr möglich gewesen, alle Kontaktpersonen - zu diesem Zeitpunkt mehrere hundert - täglich telefonisch zu kontaktieren. "Sie wurden aber selbstverständlich von uns registriert, aufgeklärt und in regelmäßigen Abständen kontaktiert", so Schröfl.
An der "Bewältigung der Herkulesaufgabe Coronapandemie", wie er es formuliert, arbeiten aktuell elf Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, zudem gebe es sieben Teams mit jeweils fünf Personen in sogenannten Contact-Tracing-Teams, wie sie das RKI zur Nachverfolgung von Kontaktpersonen vorgibt. Diese seien auch schon entsprechend geschult. Schröfl sieht den Landkreis Starnberg gut gerüstet, "er besitzt eine große Anzahl an sehr leistungsstarken Krankenhausbetten und Beatmungsplätzen".