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Coronavirus in Starnberg:Leergefegter Landkreis

Die Bürger halten sich am Wochenende an die verordnete Ausgangsbeschränkung. Die Zelte für den Drive-in-Test in Andechs sind aufgebaut. Die Zahl der Infizierten steigt auf 127.

Im Fünfseenland zeigen die Ausgangsbeschränkungen der Staatsregierung Wirkung. Am Freitag waren noch viele Menschen an den Seen und in den Ortschaften unterwegs, gingen spazieren, sonnten sich auf Stegen oder erledigten Einkäufe in Baumärkten und Blumenläden vor den angeordneten Ladenschließungen. Doch am Samstag und Sonntag waren nur noch sehr vereinzelt Leute zu Fuß oder mit dem Auto zu sehen. Dazu beigetragen hat sicher auch der Wetterumschwung Freitagnacht von frühlingshaftem Sonnenschein zu einem kleinen Wintereinbruch mit Temperatursturz. Die Zahl der Coronainfizierten, die am Freitag für den Landkreis Starnberg mit 100 angegeben worden war, stieg bis Sonntagnachmittag auf 127 Fälle.

Am Freitag musste die Polizei in Dießen eine Party in Utting beenden. Sie war gegen 18 Uhr verständigt worden, dass sich beim ortsbekannten "Sonnendachl" Jugendliche träfen. Die Streife stieß dort auf sechs junge Männer im Alter zwischen 20 und 26 Jahren. Sie hätten sich einsichtig gezeigt und sich zerstreut, so die Beamten. In Starnberg meldeten am Freitag auch noch zahlreiche Anrufer direkt bei der Polizeiinspektion sowohl über den Notruf als auch über die Dienststellennummer, wo sich größere Personengruppen aufhielten. "Insbesondere Jugendliche nahmen die schulfreie Zeit und das schöne Wetter zum Anlass, alle Warnungen vor dem Coronavirus zu ignorieren", heißt es von der Polizei. Streifenbeamte lösten Ansammlungen auf und appellierten an die Vernunft der Menschen.

Am Sonntag dann zeigte sich die Polizei zufrieden mit dem besonnenen Verhalten der Bürger am Wochenende. Die Inspektion Starnberg meldete "keine nennenswerten Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen im Dienstbereich". Sie kündigte aber auch an, dass weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der aktuell gültigen Bestimmungen gelegt werde. Bei beharrlichen und uneinsichtigen Zuwiderhandlungen werde die Polizei konsequent vorgehen. Ausdrücklich wird gebeten wegen Fragen zur Ausgangsbeschränkung sowie zu Veranstaltungsverboten und Betriebsuntersagungen nicht die Notrufnummer 110 oder die örtlichen Dienststellennummern zu blockieren. Nahezu alle Fragen beantworte die Online-Informationen der Staatsregierung unter https://www.corona-katastrophenschutz.bayern.de/faq/index.php.

In Andechs haben Helfer von BRK und Wasserwacht am Sonntag zwei Zelte für Drive-in-Tests auf dem Parkplatz des Klosters aufgebaut. Die neue zentrale Abstrichstelle des Landkreises für Corona-Tests soll diesen Mittwoch ihren Betrieb aufnehmen. Von Dienstag an werden Termine für den Test im Auto vergeben. Das Landratsamt verweist ausdrücklich darauf, dass nicht jeder dort vorbeischauen könne. Ausschließlich behandelnde Ärzte überweisen Verdachtsfälle an die Drive-in-Station. Die Personen werden einen speziellen Code erhalten. In Andechs sollen am geöffneten Autofenster täglich Abstriche von bis zu 90 Männer und Frauen genommen werden, die unter Corona-Verdacht stehen.

Landrat Karl Roth besichtigte am Sonntag die neu eingerichtete Container-Notaufnahme am Klinikum Starnberg für Covid-19-Patienten. Der Betrieb soll diesen Montag anlaufen. Das Klinik-Personal hofft, dass bis dahin eine nennenswerte Lieferung an Mundschutz und Schutzbekleidung eintrifft, zugeteilt von der Führungsgruppe Katastrophenschutz der Staatsregierung. "Langsam wird's eng", heißt es vom Landratsamt.

© SZ vom 23.03.2020
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