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Wochenmärkte am Ammersee:Darf's a bisserl mehr sein?

Dießen Markt

Zu den Fieranten zählt auch der Obst- und Gemüsestand von Andreas Bauer, vormals Bio-Blundell aus Penzing.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Corona-Krise hat den regionalen Erzeugern zusätzliche Kunden beschert - so mancher Verbraucher hat im Lockdown das Interesse am Kochen und an hochwertigen Lebensmitteln entdeckt. Am Ammersee sind auch neue Fieranten hinzugekommen.

Die Corona-Krise verschafft den Wochenmärkten im Fünfseenland mehr Zulauf. Zwar gingen nach dem Pandemieausbruch die Besucherzahlen teilweise erst zurück, doch inzwischen werden wesentlich höhere Umsätze erzielt. Dies gelte zumindest für die vier Erzeugermärkte am Westufer des Ammersees, sagt Peter Kaun junior, der in Dießen den "Viktualienmarkt" am Mittwochvormittag und den Schondorfer Wochenmarkt freitagnachmittags am Bahnhof betreibt. "In Dießen haben wir ganz viele neue Kunden dazugewonnen." Kaun führt das auch darauf zurück, dass viele im Shutdown die ganze Woche über täglich zwei oder drei Mahlzeiten auf den Tisch bringen mussten. Und mit dem Kochen sei auch die Wertschätzung für Lebensmittel aus regionaler und biologischer Produktion gestiegen.

"Außerdem werden seitens der Beschicker die Wochenmärkte nun als wertvoller Absatzmarkt erkannt", sagt Kaun. Seit neuestem ist die Biometzgerei der Genossenschaft "Tagwerk" an Kauns Standorten vertreten. Weitere Fieranten stünden in den Startlöchern: So werde Tagwerk von Juli an auch einen Ökobäcker stellen, ein Landsberger Bio-Landwirt wolle ab Herbst Eier, Honig und Wachs anbieten. Für Schondorf habe zudem ein Anbieter italienischer Feinkost Interesse angemeldet.

Dießen Markt

Seit 2011 hält Peter Kaun junior (hier in seiner Rotisserie) den Viktualienmarkt auf seinem Areal am Dießener Schilchergarten ab.

(Foto: Georgine Treybal)

"Dort war es anfangs nicht ganz einfach", untertreibt Kaun. Nicht einmal ein Jahr nach dem Start stand der Markt im vergangenen Sommer wieder vor dem Aus. Das habe an der Verkehrssituation gelegen: Im Gefolge der Busse, die den Schondorfer Bahnhof ansteuerten, hätten auch viele Autofahrer das Durchfahrverbot ignoriert. Nachdem jetzt die Bushaltestelle freitagnachmittags an die Hauptstraße verlegt ist, sei das Problem behoben, sagt Kaun. Außer seiner Marktrotisserie sind jetzt fünf Erzeuger vertreten, das Schondorfer Jugendzentrum beteiligt sich mit einem Café. In Dießen hatte der Gastronom und Partyausstatter noch höhere Hindernisse zu überwinden: 2014 war der Gemeinderat sogar entschlossen, den drei Jahre zuvor eröffneten Viktualienmarkt auf Kauns Grundstück als "Schwarzbau" zu beseitigen - obwohl selbst das Dießener Bauamt die Genehmigung empfahl.

Auch der längst etablierte und geschätzte samstägliche Erzeugermarkt am Bahnhof wurde 2005 von den Dießener Kommunalpolitikern nicht gerade mit offenen Händen empfangen: "Im Gemeinderat hat's geheißen, ihr macht es eh nicht länger als ein halbes Jahr", erinnert sich Markus Schnitzler, Mitinitiator und langjähriger Vorsitzender des Marktvereins. Der fungiert seit 2005 als Mieter der gemeindeeigenen Halle, die erst abgerissen werden sollte. Zu einem fairen Preis, denn die zehn Gründungsmitglieder nahmen den Ausbau in zwei Phasen komplett selbst in die Hand - bis hin zum Wasser- und Kanalanschluss.

Mehr als die Hälfte der Initiatoren sind auch heute noch samstags in der Markthalle anzutreffen. 13 regionale Selbsterzeuger und bis zu drei Gaststände auf Parkplätzen nehmen teil. Mit dem Pandemieausbruch seien viele Kunden erst ausgeblieben, sagt die aktuelle Marktvereinsvorsitzende Ulla Wasner. Die Besucher vermissten die Funktion als Begegnungsstätte. Mittlerweile hat sich das Geschäft stabilisiert, wenn nicht verbessert: "Der Markt lief eh gut, er gilt jetzt als Aushängeschild für die Lebensqualität in der Gemeinde", findet Wasner.

Den ältesten Wochenmarkt am Ammerseewestufer findet man seit 27 Jahren samstags in Utting - allerdings nur von Mai bis Oktober. Im 25. Sommer ist Annelies Weber dabei: "Wir sind eingefleischte Selbstvermarkter - von Anfang an", sagt die Landwirtin, die in Dettenschwang auch einen Hofladen hat. In Utting hat sie schon einiges angeboten: von Tomatenpflanzen über Käse und Brotaufstriche bis zu Basteleien, zuletzt auch Mundschutzmasken. Den Markt mit sieben festen Ständen bestückten vor allem "ältere Hausfrauen, wir organisieren uns selbst", sagt Weber.

Dießen Markt

Willi Hausfelder aus Weil in seinem Käsewagen.

(Foto: Georgine Treybal)

In Starnberg kann der Donnerstagsmarkt bereits auf eine mehr als 40-jährige Tradition zurückblicken. Der Stand der Familie Reeh aus Geretsried gehört zu den Fieranten der ersten Stunde auf dem Kirchplatz. Die Corona-Krise habe geringfügig höhere Umsätze gebracht, meint Juniorchef Benedikt Reeh. Das liege wohl auch am Sicherheitsgefühl der Kunden, weil auf dem Markt die Abstandsregeln leichter einzuhalten seien. Langfristig hofft Reeh, dass die neuen Marktbesucher Stammkunden werden: "Ich kann mir vorstellen, dass manche ihren Home-Office-Tag künftig auf den Markttag legen."

Die Regie über die drei Starnberger Märkte - Donnerstag und Samstag auf dem Kirchplatz, Freitag an der Ulrichskirche in Söcking - liegt in den Händen der Stadtverwaltung. Als Fieranten kämen "vorzugsweise Direktvermarkter aus der näheren Region" in Frage, sagt Standortförderin Christiane Pelz. Alle seien froh, dass die Wochenmärkte trotz der Pandemie ohne Unterbrechung fortgeführt werden konnten.

© SZ vom 24.06.2020

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