bedeckt München

Corona:Licht aus

"Wir leben nicht allein vom Brot": die renommierte Künstlerin Manuela Hartel aus München.

(Foto: Georgine Treybal)

Landratsamt verbietet Videoinstallation der Künstlerin Manuela Hartel in Schondorf

Von Katja Sebald, Schondorf

Insbesondere Künstler müssen kreative neue Wege beschreiten, wenn sie in Zeiten der Pandemie irgendwie sichtbar bleiben wollen - und manchmal werden sie wie die Medienkünstlerin Manuela Hartel auch auf diesen neuen Wegen ausgebremst. Eine geplante Videoinstallation im Garten des Studio Rose in Schondorf wurde erst vom zuständigen Landratsamt in Landsberg genehmigt und dann zwei Tage vor der geplanten Eröffnung am vergangenen Freitag doch verboten.

Mit der Videoinstallation "We don't yet see things clearly" wollte Manuela Hartel den Garten rund um das Studio Rose bespielen. Die renommierte Münchner Künstlerin, die unter anderem 2017 auf der documenta in Athen und der Biennale in Venedig ausstellte, beschreibt die Arbeit als "eine mögliche Vorschau von Vielen auf das, was noch nicht ist". Sie verspricht "Elemente einer blühenden Fantasie mit Projektionen auf Busch, Bank und Bretterwand", die den "Objekten eine wesenhafte, irrlichternde Identität" verleihen.

Silvia Dobler, Kulturreferentin der Gemeinde Schondorf und Kuratorin für das Studio Rose, sah die geplante Installation im Außenbereich als Möglichkeit, Kunst "to go" anzubieten. Sie sagt: "Viele regelmäßige Besucher unserer Veranstaltungen vermissen Kunst und Kultur schmerzlich, sie haben sich sehr auf diese Ausstellung gefreut." Passanten hätten die Projektionen in den Abendstunden über den Zaun von der Bahnhofstraße und vom Roseweg, der an der Rückseite des Grundstücks vorbeiführt, betrachten können. Kein Besucher hätte das Grundstück betreten. "Es wäre sicher für viele ein Lichtblick in dieser schweren Zeit gewesen", sagt die Kulturreferentin.

Das Landratsamt Landsberg begründet die Absage damit, dass auch "zoologische und botanische Gärten und sämtliche Gärten, die unter den Bereich ,Kulturstätten' fallen", derzeit geschlossen bleiben müssen. Die "Besichtigung der Installation" stelle keinen triftigen Grund dar, das Haus zu verlassen, heißt es in dem Schreiben der Behörde. Und weiter: "Gerade durch die beabsichtigte Werbung wäre wohl auch kaum zu verhindern, dass durchaus unterschiedliche Haushalte in zu geringem Abstand aufeinandertreffen." Auch das Argument, dass im Münchner Kunstareal bereits seit Wochen und jetzt auch in Berlin Lichtinstallationen gezeigt werden, lässt das Landratsamt nicht gelten: "In den Großstädten sind es weitläufige Flächen, bei denen nicht davon auszugehen ist, dass es zu Stauungen und damit Nicht-Einhaltung des Mindestabstandes kommt." Dagegen argumentiert Dobler, dass es in Schondorf auch deutlich weniger Publikum gibt als in München, wo die Aktion für ein Millionenpublikum beworben wird. Sie sagt: "Und auf dem Wochenmarkt oder beim Bäcker begegnen sich die Menschen ja auch."

Manuela Hartel, die mehrere Tage Aufbauarbeit und eine lange Vorbereitungszeit in das Projekt gesteckt hatte, erläutert, man habe ja gerade versucht, im Rahmen der geltenden Bestimmungen Kunst zu zeigen. "Viele denken, wir Künstler beschweren uns jetzt, weil wir nicht arbeiten dürfen. Aber es geht doch um viel mehr, unsere ganze Zivilisation beruht auf Kultur. Immer so zu tun, als wäre die Kultur etwas nicht Lebensnotwendiges, ist irreführend. Wir leben nicht allein vom Brot und dieser Mangel an geistig-seelischer Nahrung führt auf lange Sicht zu nichts Gutem."

Während im Museum Starnberger See, in der Nachbargemeinde Utting und an vielen anderen Orten derzeit Kunst hinter Schaufenstern gezeigt wird, muss es in Schondorf vorerst dunkel bleiben. Noch im Dezember durften die Menschen sich dort wenigstens an einer Art Adventskalender in 24 beleuchteten Schaufenstern erfreuen, ohne dass das Ordnungsamt Bedenken angemeldet hätte. Auch das Studio Rose war nach Auskunft von Dobler an dieser Aktion beteiligt.

© SZ vom 06.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema