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Corona im Landkreis Starnberg:Warum Bürger noch immer auf ihre Testergebnisse warten

Gilching: Corona Teststation

Drive-in-Stationen wie diese im bayerischen Gilching sollen eigentlich unkomplizierte und zügige Tests ermöglichen.

(Foto: Nila Thiel)

Das beauftragte Labor in Augsburg spricht von "Problemen bei den Schnittstellen".

Von Carolin Fries

Woran liegt es, dass die Testergebnisse des Gilchinger Corona-Drive-In nicht wie geplant über die Corona-App auf die Smartphones der Testpersonen übermittelt werden? Felix Stelter, Ärztlicher Leiter des vom Starnberger Landratsamts mit der Auswertung der Proben beauftragten Labors der MVZ GmbH in Augsburg, spricht von einer "Schnittstellen-Problematik". So würden die Befunde vom Labor einmal täglich in einen Datenpool der Telekom eingespeist. Der Telefonanbieter wiederum, der die Warn-App mitentwickelt hat, sei zuständig für die Übermittlung auf die Smartphones - "und da geht offenbar nicht alles zügig raus".

742 Personen aus dem Landkreis haben sich seit Inbetriebnahme der Station am vergangenen Dienstag in Gilching testen lassen, die meisten wissen nach wie vor nicht, ob sie sich infiziert haben oder nicht - obwohl die Ergebnisse der ersten Testtage bereits dem Landratsamt vorliegen. "Lediglich wer positiv auf das Coronavirus getestet wird, wird direkt von uns angerufen", so Stelter. Sämtliche 424 Befunde der ersten drei Testtage sind aber negativ, etliche Landkreisbürger warten deshalb vergeblich auf die erlösende Nachricht auf ihrem Handy - darunter auch Reiserückkehrer, die sich bis zur Vorlage eines negativen Testergebnisses häuslich isolieren müssen. Am Montag hat man im Landratsamt deshalb begonnen, die Betroffenen telefonisch zu informieren. Dabei will die Kreisbehörde bleiben, "bis die Übermittlung mittels Corona-Warn App sichergestellt ist", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Zusätzlich versende das Labor die Testergebnisse auf dem Postweg. "Wir verstehen es, dass die Bürger auf Kohlen sitzen, wenn sie ihr Testergebnis so lange nicht erhalten. Das darf nicht sein", so Landrat Stefan Frey.

Am Dienstag trafen in der Kreisbehörde die ersten 99 Ergebnisse der 159 Personen sein, die sich am Freitag haben testen lassen - bislang sind auch diese alle negativ. Für den Mittwoch werden die Ergebnisse der 159 Rachenabstriche vom Montag erwartet. "Wir sind mit Hochdruck daran, die Fristen zu verkürzen", sagt Stelter. Doch die Kapazitäten der Labore seien durch den Schulstart, die Reihentestung der Lehrkräfte und die vielen Reiserückkehrer aktuell am Limit - oder gar überschritten. Landesweit käme es immer wieder zu Engpässen bei den Testmaterialien. In der vergangenen Woche konnte deshalb die 48 Stunden-Frist vom Abstrich bis zum Ergebnis, wie sie das Landratsamt den Testpersonen angekündigt hatte, nicht eingehalten werden. "Wir gehen davon aus, dass sich die Lage zum Ende der Woche entspannen wird", so Landrat Frey. In der Kreisbehörde ist man froh, angesichts des gestiegenen Testaufkommens überhaupt ein Labor gefunden zu haben, das die Vorgaben der Staatsregierung für die Tests erfüllt. "Das war nicht leicht", sagt Landratsamtssprecherin Barbara Beck. Neben der freien Kapazitäten sei die Übermittlung der Daten, die im gesamten Prozess ausschließlich digital erfolgen soll, "ein Knackpunkt" gewesen.

Am Dienstag meldete das Landratsamt zwei Neuinfektionen. Eine Person aus Inning wurde nach ihrer Rückkehr aus Italien positiv getestet. Außerdem wurde ein Fall in Krailling bekannt, dessen Ursache unklar ist. Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie 725 Menschen im Landkreis mit dem Coronavirus infiziert, 676 gelten als genesen. In häuslicher Quarantäne befinden sich 183 Personen.

© SZ vom 09.09.2020

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