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Corona-Ausbruch:Starnbergs Landrat nimmt Caterer ins Visier

Coronavirus - Fälle im Landkreis Starnberg

Alle Mitarbeiter im Betrieb hätten sich an das Hygienekonzept mit Abstandsregelungen und Mundschutz gehalten, erklärt der Caterer Apetito.

(Foto: dpa)

Die Firma muss die Arbeitsbedingungen am Standort Gilching darlegen, nachdem fast jeder zweite Angestellte infiziert ist.

Von Astrid Becker

Das Landratsamt setzt seine Reihentests bei Bewohnern der fünf unter Quarantäne stehenden Gemeinschaftsunterkünfte fort. Am Donnerstag stand dabei vor allem die Anlage in Weßling im Fokus. Am Mittwochabend war bekannt geworden, dass sich dort zwei Männer mit dem Coronavirus angesteckt hatten: Einer davon hatte bei dem Gilchinger Caterer Apetito gearbeitet, der vergangenen Samstag geschlossen wurde, nachdem zehn seiner Beschäftigten, die in einer Unterkunft in Hechendorf leben, positiv auf Corona getestet worden waren. Das Unternehmen will Landrat Stefan Frey (CSU) nun ganz besonders unter die Lupe nehmen: "Wir werden die Umstände aufklären, die zur Ausbreitung des Virus bei mittlerweile nahe 50 Prozent der Mitarbeiter führten."

Diese Aufklärung gehöre zum Komplex der Kontaktpersonenermittlung, wie die Sprecherin des Landratsamts, Barbara Beck, am Donnerstag erläuterte. Deshalb würden in der Folge auch sämtliche Zulieferer, Reinigungsfirmen, Techniker, Kühlunternehmen und dergleichen, die mit dem Caterer gearbeitet hätten, genau ermittelt und befragt. In jedem einzelnen Fall werde geprüft, ob deren Mitarbeiter in den vergangenen 14 Tagen unmittelbaren Kontakt zu den Beschäftigten des Caterer gehabt hätten.

Bislang wurden 46 Mitarbeiter des Gilchinger Apetito-Standorts positiv auf das Coronavirus getestet. Im Landkreis Starnberg haben sich insgesamt 34 Menschen in den vergangenen Tagen angesteckt. Das entspricht laut Landratsamt einer Sieben-Tage-Inzidenz von 24, gerechnet auf 100 000 Einwohner. Ab einem Grenzwert von 50 drohen neue Beschränkungen. Unter den Erkrankten befinden sich 24 Asylbewerber aus den bereits unter Quarantäne stehenden Unterkünften Hechendorf, Herrsching, Seefeld, Pöcking und Weßling.

Getestet wurden bereits nicht nur sie, sondern auch alle anderen Bewohner der geschlossenen Unterkünfte. Besonderes Augenmerk wird Beck dabei auch darauf richten, ob Bewohner einer unter Quarantäne stehenden Einrichtung in einer Alten- und Pflegeeinrichtung arbeiten. Vorsorglich werden die örtlichen Pflegeeinrichtungen über jeden Fall unterrichtet.

Ebenfalls genau untersucht werden die Firma selbst, alle Beschäftigten dort und speziell auch die Frage, warum sich das Virus in dem Unternehmen so stark verbreiten konnte. Landrat Frey sagte dazu: "Die Firma muss darlegen, ob die Arbeitsbedingungen dem Hygienekonzept entsprochen haben."

Apetito hat sich dazu am Donnerstag erstmals öffentlich auf seiner Homepage geäußert. Sämtliche Mitarbeiter in dem Betrieb hätten "nach aktuellem Kenntnisstand" das bestehende Hygienekonzept mit Abstandsregelungen und Mundschutz eingehalten, heißt es dort. Gilching ist dabei nur einer von vielen Standorten des nach eigenen Angaben mit seinen insgesamt 9500 Beschäftigten größten Caterers Deutschlands aus Rheine in Nordrhein-Westfalen.

Zu seinen Kunden gehören Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und Unternehmen. Zudem bietet Apetito Essen auf Rädern an und beliefert den Handel mit Tiefkühlkost. Für alle Sparten und Standorte gelte dasselbe Hygienekonzept, zu dem neben erweiterten Hygienevorschriften, Abstandsregeln und Maskenpflicht es auch gehöre, den direkten Kontakt zwischen Mitarbeitern auf ein absolut notwendiges Minimum zu reduzieren. "Kein Fahrer oder Mitarbeiter von anderen Standorten hatte direkten Kontakt zu den Mitarbeitern in Gilching." Zudem sei von Gilching aus nur das LMU-Klinikum Großhadern sowie der Campus Innenstadt beliefert worden, "keine weiteren Kunden", heißt es auf der Website.

© SZ vom 03.07.2020
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