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Corona-Krise:Starnberg hofft auf Hilfe aus Taiwan

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz im LRA

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz in ihrer Einsatzzentrale im Landratsamt Starnberg: (v. li.) Karin Wölfl (S2), Georg Rötzer (S1), Landrat Karl Roth, Helmut Schweickart (Öel), Dieter Hofer (Leiter des Stabs) und Philip Hennen (S3).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Landkreis verhandelt mit Partnern über die Lieferung von Schutzausrüstung und nutzt dafür auch freundschaftliche Beziehungen ins Ausland.

Die Atemmaske ist zum Symbol der Corona-Krise geworden. Während in vielen Haushalten im Landkreis Starnberg die Nähmaschinen rattern, um diesen Schutz in Heimproduktion herzustellen, suchen Einkäufer im Landratsamt weltweit nach Lieferanten. "Jeder kämpft für sich selbst", berichtete am Mittwoch der Feuerwehrmann Helmut Schweikert, der örtlicher Einsatzleiter in der Führungsgruppe Katastrophenschutz ist. Den Starnbergern könnten nun die Kontakte nach Taiwan helfen; mit der Region Taipeh und dem Landkreis Hualien im Süden pflegt der Landkreis Freundschaften. Nun bestehen Chancen, von dort Schutzausrüstung zu bekommen. "Es sieht gut aus", sagte Landratsamtssprecherin Barbara Beck kurz vor dem täglichen Treffen des Krisenstabs im großen Sitzungssaal.

Jeden Tag um 16 Uhr kommt dort die Führungsgruppe zusammen, um den Kampf gegen die Pandemie zu koordinieren. Landrat Karl Roth und seine Mitarbeiter sind dabei, Vertreter von Bundeswehr, Polizei und Technischem Hilfswerk (THW) sowie von Rettungsdiensten wie Feuerwehr und Rotem Kreuz. Anfragen von Ärzten und Krankenhäusern sind zu bearbeiten, Anweisungen von der Regierung von Oberbayern kommen herein. Der kleine Sitzungssaal ist zum Arbeitszimmer des Krisenstabs umfunktioniert. Zehn Bildschirme stehen auf den Tischen, an einer Mag-netwand hängt eine Landkarte vom Landkreis, auf der die Standorte von Krankenhäusern markiert sind. Auf einem großen Bildschirm läuft ein Nachrichtensender. Jeder trägt Gesichtsmasken, es wird gemessen, ob einer der Teilnehmer Fieber hat.

Und stets ist auch dort eine zentrale Frage, was noch an Schutzausrüstung vorrätig ist und wann Nachschub kommt. Die aktuellen Zahlen vom Mittwochnachmittag: 3904 Liter Desinfektionsmittel für die Hände, 104 400 Stück Handschuhe, 89 000 Stück einfacher Mundschutz, 110 Schutzanzüge und 160 Brillen, außerdem 17 720 FFP-2-Masken, die einen sehr hohen Schutz bieten. Weitere 50 000 Stück dieser professionellen Masken sollten noch an dem Tag eintreffen, berichtete Landrat Roth, als er den Stand der Vorräte bekannt gab, die in Räumen auf dem Gelände des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen gelagert sind. Ein Lastwagen des THW war da gerade zum Münchner Flughafen unterwegs, um die neue Lieferung abzuholen.

Das klingt nach großen Mengen, reicht aber nicht lange. "Mit Glück eine Woche", erklärte Georg Rötzer, der als weiterer Einsatzleiter für den Sanitätsbereich zuständig ist. Aber nur wenn nichts dazwischen kommt, etwa ein Pandemie-Ausbruch in einem Pflegeheim. Das hätte zur Folge, dass sehr viel mehr Material als üblich verbraucht würde. Für so einen "worst case", für den Fall, dass die Zahl der Infizierten doch noch rapide ansteigt, bereiten sich die Katstrophenschützer vor.

Dazu gehört auch, Plätze in Behelfskrankenhäusern bereitzustellen, in die Patienten verlegt werden könnten, die keine intensivmedizinische Versorgung brauchen, um in den Kliniken Platz zu schaffen für Covid-19-Kranke mit schlimmen Verläufen. Die Auslastung in den regulären Krankenhäusern sei vorsichtshalber auf die Hälfte der sonst üblichen Belegung heruntergefahren worden, berichtete Roth.

Zugleich hat der Landkreis eine ganze Reihe von Häusern organisiert, die als Ausweichkliniken dienen könnten. Dazu zählen das Hotel Vier Jahreszeiten in Starnberg, die Landwirtschaftsschule und die Beamtenfachhochschule in Herrsching, die alte Klinik in Feldafing und die Reha-Klinik in Höhenried. Insgesamt 350 Betten könnten so kurzfristig zur Verfügung stehen, berichtete Rötzer.

© SZ vom 16.04.2020
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