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Corona-Krise:Jobs verloren

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Viele Flüchtlinge, die als Spüler oder Hilfskräfte in Lokalen beschäftigt waren, haben ihre Arbeit verloren.

(Foto: Imago)

Viele Asylbewerber sind während des Lockdowns arbeitslos geworden, vor allem in der Gastronomie. In 1200 Firmen herrscht Kurzarbeit

Von Michael Berzl, Starnberg

Einfache Arbeiten in der Küche als Spüler oder Hilfskraft: Das sind Jobs, die viele Flüchtlinge noch am ehesten finden, wenn sie mit einem anerkannten Asylantrag in der Tasche versuchen, beruflich in Deutschland Fuß zu fassen. Wegen der Corona-Krise haben etliche junge Männer diese Stellen nun aber wieder verloren. Das schlägt sich deutlich in der Statistik der Agentur für Arbeit nieder. Die Zahlen hat Friedrich Büttner, der im Landratsamt den Fachbereich Sozialwesen leitet, im Sozialausschuss erläutert.

Auffallend ist demnach, wie sehr die Arbeitslosigkeit von Personen unter 25 Jahren angestiegen ist. Nach den Zahlen der Agentur für Arbeit waren es im Juni 231; das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Ursache für diese Entwicklung ist nach den Worten Büttners, dass häufig anerkannte Asylbewerber ihren Arbeitsplatz verloren haben; oft seien das einfachere Tätigkeiten in der Gastronomie gewesen. Auf Fragen aus dem Sozialausschuss, was der Kreis da unternehmen könne, meinte Büttner, die Asylbewerber seien "sehr bemüht", möglichst rasch wieder eine neue Arbeit zu finden. Insofern kommt es in hohem Maße auch den Flüchtlingen zugute, wenn nun auch im Bereich des Gaststättengewerbes wieder ein Stück mehr Normalität zurückkehrt.

Dieser besonders drastische Anstieg der Arbeitslosigkeit in einem bestimmten Sektor ist nur eine von mehreren Folgen der Pandemie. Zahlreiche Firmen mussten außerdem im April wegen der Krise Kurzarbeit anmelden, wie die Agentur für Arbeit berichtete. Betroffen sind davon mehr als 1200 Betriebe mit etwa 13 000 Beschäftigten. Gegenüber dem Vormonat hat sich die Zahl damit versechsfacht.

Der Behindertenbeauftragte Maximilian Mayer berichtete wiederum von Auswirkungen der Pandemie auf Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, die vielen wohl gar nicht bewusst sind. Für Blinde zum Beispiel, die in manchen Situationen darauf angewiesen sind, an die Hand genommen und geführt zu werden. In einer Zeit, in der es geboten ist, Abstand zu halten und Kontakte zu vermeiden, kann das ein Problem sein. Die Teilnahme an Videokonferenzen, die sich in vielen Bereichen als Alternative zu direkten Zusammenkünften bewährt haben, kann schwierig sein für Menschen, die schlecht hören. Die IWL-Werkstätten in Machtlfing hätten berichtet, sie befürchteten, dass Arbeitsplätze außerhalb wegfallen. Der sozialpsychiatrische Dienst stelle einen gestiegenen Beratungsbedarf fest. Mayer nannte es eine "stille Exklusion", was da teilweise passiere, "die Menschen bleiben zu Hause und warten auf einen Impfstoff".

© SZ vom 11.07.2020

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