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Corona-Krise:Gedenkfeiern abgesagt

Stilles Gedenken: Unter dem Apfelbäumchen am Bahnhof Bernried können Blumen abgelegt werden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Plakate und Videos erinnern an Todesmarsch und Todeszug

Es wäre die 25. Gedenkfeier am Seeshaupter Mahnmal gewesen. Aber wegen der Corona-Krise fällt die Veranstaltung am 30. April aus. Louis Sneh und Max Mannheimer, die zwei mit Seeshaupt besonders verbundenen Häftlinge aus dem KZ-Zug, werden aber wenigstens als Bild am Mahnmal präsent sein und damit Teil der Plakataktion "Für eine Zeit Dachauer. . ." Die Großplakate, die zur Zeit in Dachau zu sehen sind, zeigen Porträts von Überlebenden des KZ Dachau oder eines seiner 169 Außenlager. Dazu gehörte auch das Lager Mühldorfer Hart, das für Sneh und den 2016 gestorbenen Mannheimer die letzte Station auf ihrem Leidensweg war. Schwester Elija Boßler vom Kloster Karmel Heilig Blut, die die Ausstellung mit dem Förderverein für internationale Jugendarbeit konzipierte, hat der Gemeinde Seeshaupt die Exemplare mit den Porträts von Sneh und Mannheimer zur Verfügung gestellt.

Auf der Internetseite der Gemeinde kann man vom 30. April an die Historie zur Befreiung der 2000 KZ-Häftlinge am Seeshaupter Bahnhof durch die US-Armee und zum 50 Jahre später aufgestelltn Mahnmal nachlesen. Die Doku des Regisseurs Walter Steffen, "Endstation Seeshaupt", läuft auf "Kino on Demand".

Der Gedenkzug im Würmtal zum Todesmarsch fällt zwar nicht aus, ist aber auf den Herbst dieses Jahres verschoben worden. Stattdessen legt unter anderem Bürgermeisterin Brigitte Kössinger am 2. Mai einen Kranz für die Holocaust-Opfer am Pilgrim-Mahnmal in Gauting nieder. Und ein Grußwortsoll als Memento auf Video aufgezeichnet und auf die Homepages von Gauting, Krailling, Planegg und Gräfelfing gestellt werden.

Die Evangelische Gemeinde Starnberg und Rainer Hange vom Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" haben sich zu einer ähnlichen Aktion entschlossen: Das Video einer Gedenkfeier in der Friedenskirche wird von 3. Mai an auf www.evangelisch-starnberg.de zu sehen sein. Die Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger aus Feldafing und Kantor Nikola David von der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom in München unterstützten Hange und Pfarrer Stefan Koch. Auch die Gedenkfeier am Bahnhof Bernried, mit der jedes Jahr an den Todeszug erinnert wird, ist abgesagt. Unter einem Apfelbäumchen können aber Blumen und Kerzen im Glas abgelegt werden.

Die Nazis hatten das KZ Dachau Ende April 1945 teilweise geräumt. Etwa 4000 Häftlinge wurden in Todeszüge gesteckt, zirka 7000 Menschen trieben SS-Schergen zu Fuß über Karlsfeld, Allach, das Würmtal und Starnberg in Richtung Bad Tölz, ehe amerikanische Truppen die Überlebenden befreien konnten.

© SZ vom 30.04.2020 / sz

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