Süddeutsche Zeitung

Corona-Beschränkungen:Eine Ampel fürs Geschäft

Hans Greif will mit Rot-Grün-Anzeigen Ladenbetreibern die Kontrolle über den Kundenzustrom erleichtern. Zwei Prototypen stehen bereits in der Hauptstraße. Die Idee stammt von Sohn Benedikt Greif.

Von Manuela Warkocz

Die Erfindung ist recht simpel, aber sie kann Ladenbesitzern den Alltag in Corona-Zeiten erheblich erleichtern: die Corona-Ampel, die der Tutzinger Unternehmer Hans Greif jetzt anbietet. Sie zeigt am Ladeneingang "Grün", wenn ein Kunde den Laden betreten kann. Ist die erlaubte Anzahl an Personen im Inneren erreicht, springt die Ampel auf "Rot". An zwei Tutzinger Geschäften in der Hauptstraße - bei Intersport Thallmair und dem Haushaltswarenladen Müller - stehen bereits Prototypen dieser LED-Zugangsregler. Kommunikationsfachmann Greif will die Anlagen nun in größerem Umfang produzieren.

Vor allem für unübersichtliche Geschäfte - verwinkelt und mit vielen Regalen - kann die Corona-Ampel vorteilhaft sein. "Statt einen Mitarbeiter am Eingang zu postieren, der zählt, wie viele Leute rein- und rausgehen, übernimmt das Gerät diese Aufgabe", sagt der Chef der Firma A+N Nachrichtentechnik mit Sitz in Feldafing. Lichtschranken erfassten die Bewegungen von außen nach innen und umgekehrt. Bei Intersport Thallmair freut man sich über den neuen "Mitarbeiter". Im Laden mit 360 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen maximal 15 Menschen gleichzeitig sein. Da derzeit zwischen drei und vier Mitarbeiter tätig sind, wären also elf bis zwölf Kunden zulässig. Die Corona-Ampel funktioniere grundsätzlich gut, erfährt man dort. Das Gerät am Eingang wirke "sehr kompetent", Kunden hielten sich überwiegend daran und warteten bei Rot. "Hin und wieder spinnt das Ding aber auch und zählt nur einen, wenn zwei Leute gleichzeitig reinkommen", berichtet ein Mitarbeiter. Da muss wohl noch bei der Elektronik nachjustiert werden.

Eine einfachere Version steht im Haushaltswarenladen Müller nebenan. Dort bedienen Mitarbeiter an der Theke, von wo aus sie Eingang und Laden überschauen können, per Hand die LED-Anzeige - wie bei den Aufrufsystemen in Behörden, wenn der Nächste eintreten darf. "Das geht so einfach wie beim Lichtschalter", sagt Mitinhaber Thomas Lorenz. Drei Kunden dürfen gleichzeitig im Geschäft sein. Mit Ampel und Einbahnsystem - rein durch den Eingang an der Hauptstraße, raus durch den Hintereingang - kein Problem.

Ideengeber für die Corona-Ampel war Hans Greifs Sohn Benedikt, von Beruf Mediendesigner. Für eine Produktion in größerem Stil ist der 63-jährige Senior nun im Gespräch mit einem Tutzinger Schreiner für die Hardware des Geräts und mit der Segelfirma North Sails aus Garatshausen, die für den Foliendruck zuständig sein soll. In seinem angestammten Geschäft hat Greif mit fünf Mitarbeitern momentan Corona-bedingt eher wenig zu tun. Er projektiert, installiert und wartet Lichtanlagen für Notrufe in Krankenhäusern und Altenheimen in ganz Südbayern, unter anderem am Klinikum Starnberg.

Die Corona-Ampeln sind nicht gerade eine billige Lösung. 690 Euro netto verlangt Greif für die automatische Anlage mit Lichtschranken, Prozessor und Vektor; die günstigere Variante mit Handbetrieb kommt auf 280 Euro. Tutzinger Ladenbetreibern will Greif beim Preis entgegenkommen. Das Marketing soll in der Familie bleiben. Das übernimmt die 24-jährige Tochter und Marketingfachfrau Julia Greif.

Wer mehr wissen will: Hans Greif hat die Handynummer 0171/6296917.

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Quelle:
SZ vom 22.05.2020
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