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Corona-Auszeit: Die Schauspielerin:"Ja, wir sind echte Jammerer"

Carin C. Tietze bei der Gartenarbeit

Deutlich mehr Zeit für ihren Garten hat die im Berger Ortsteil Assenhausen lebende Schauspielerin Carin C. Tietze momentan.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Fernseh-Schauspielerin Carin C. Tietze aus Berg vertreibt sich mit Gärtnern und Nähen die Zeit ohne Dreharbeiten. Sie glaubt, aus der Krise könne man durchaus lernen.

Die US-amerikanische Schauspielerin und Synchronsprecherin Carin C. Tietze, 55, liebt das bayerische Landleben seit ihrer Jugend. Sie ist in Starnberg zur Schule gegangen, hat dort Abitur gemacht und lebt mit ihrem Ehemann, dem Drehbuchautor und Regisseur Florian Richter, in Berg. Das Publikum kennt sie aus zahlreichen Fernsehproduktionen und Serien wie "Derrick", "Der Bergdoktor", "Tierarzt Dr. Engel", "Der Bulle von Tölz", "Der Alte", "Tatort" und, nicht zu vergessen, "Hubert und Staller", wo sie die Bäckereibesitzerin Sabrina Rattlinger spielt. Mit der SZ spricht sie über ihren Alltag in Zeiten der Coronakrise und rät allen dazu, einen Gang zurückzuschalten und vor allem weniger zu jammern.

SZ: Wie geht es Ihnen gerade?

Tietze: Eigentlich ganz passabel. Wenn man auf dem Land lebt, merkt man die momentanen Veränderungen weniger als in der Stadt. Wir sind immer viel zu Hause gewesen und in unserem Garten. Dort draußen bin ich der Hiwi meines Mannes. Er macht die schweren Arbeiten, und ich kümmere mich ums Rosenschneiden und so weiter. Zu Weihnachten hat er mir ein Hochbeet geschenkt, da kann ich dann Salat anbauen. Darauf freu' ich mich schon.

Das heißt, Sie haben gar keine fixen Termine momentan?

Meine Synchronprojekte durfte ich bis vergangenen Mittwoch nach wie vor machen. Denn da war man mit dem Cutter alleine im Aufnahmeraum. Regisseur und Tonmeister saßen in einem anderen Raum, sodass wir alle mindestens zwei Meter voneinander entfernt waren. Aber jetzt habe ich erfahren, dass sämtliche Synchronstudios präventiv schließen. Das heißt, jetzt habe ich noch mehr Freizeit.

Gehen Sie noch einkaufen?

Das schon, zumindest versuch' ich es. Vor ein paar Tagen war ich in einem Münchner Supermarkt, aber alle Regale waren leergeräubert. Da bin ich echt sauer geworden und dachte mir, dann halte ich es eben wie Charlie Chaplin im "Goldrausch" und ess' meinen Schuh!

Und, haben Sie ihn verspeist?

Nö, ich bin in ein Berger Geschäft gegangen, da gab es dann noch alles. Das war besser als der Schuh.

Sind Sie jetzt arg verunsichert? Was geht Ihnen gerade so durch den Kopf?

Wissen Sie, es tut uns Menschen mal gar nicht schlecht, zu merken, wie gut es uns sonst geht. Dabei wird normalerweise viel zu viel gejammert. Ja, wir sind echte Jammerer. Und jetzt haben wir wirklich eine ernste Situation. Es ist unbedingt nötig, alles zu tun, um gefährdete Menschen zu schützen. Die Maßnahmen sind absolut richtig, finde ich.

Was können wir aus der momentanen Situation lernen?

Zum Beispiel, dass nicht alles selbstverständlich ist.

Sind Sie eigentlich eine Optimistin?

Klar bin ich das.

Und haben Sie in den vergangenen Tagen auch etwas geschafft, was Sie schon lange mal in Angriff nehmen wollten, aber auf die lange Bank geschoben haben?

Ja, ich habe mir alle Kleidungsstücke, an denen etwas zu richten war - Reißverschlüsse einnähen und all so was - vorgeknöpft und mich an die Nähmaschine gesetzt. Und ich habe es sogar alles hingekriegt. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Als nächstes knöpfe ich mir dann die Autogrammpost vor. . .

Und wie sieht es momentan mit Drehterminen aus?

Alle Fernsehprojekte sind gerade in Warteposition.

Bis auf die Werbefilmchen für die Berger QUH und deren Bürgermeisterkandidaten Elke Link, die Sie gemeinsam mit Ihrem Höhenrainer Kollegen Jürgen Tonkel gemacht haben, oder?

Ja, das war echt lustig und noch so schön unbeschwert . . .

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn die Zeiten wieder einmal besser sind?

Am meisten freue ich mich natürlich darauf, meine Eltern, meine Geschwister und Freunde wieder zu treffen. Und auf gemeinsame Freizeitaktivitäten, also unbeschwert durch München zu schlendern und in einem Café zu sitzen. Und auf die Arbeit freue ich mich natürlich! Ein Schauspieler ohne Rolle ist wie ein Pianist ohne Klavier. . .

Vielen Dank Frau Tietze - und bleiben Sie gesund!

© SZ vom 24.03.2020
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