Wie verhält man sich, wenn ein Soldat vor einem salutiert und die Beine zusammenschlägt? Was sagen die Zeichen auf den Schulterklappen der Uniformen über den Rang aus? Und wie lassen sich die vier Dimensionen der Bundeswehr optisch auseinanderhalten? Spätestens wenn die aktuelle Legislaturperiode vorbei ist, will Carmen Wegge (SPD) das bei jeder Soldatin und jedem Soldaten, den sie trifft, richtig einordnen können. Die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Starnberg-Landsberg-Germering beschäftigt sich aktuell so intensiv mit der Bundeswehr wie noch nie. Und das liegt nicht am Krieg in der Ukraine, wie die 32-Jährige in der neuen Folge des Podcasts "Von Starnberg nach Berlin" berichtet.

Wegge hat in den vergangenen Monaten in ihrem neuen Job bereits mehrmals über Auslandseinsätze der Bundeswehr abstimmen müssen. Denn Deutschland hat als einziges Land auf der Welt eine Parlamentsarmee: Nur wenn der Bundestag zustimmt, darf die Bundeswehr in den Einsatz gehen. Wegge muss also mitentscheiden, ob sie Menschen in Kriegs- und Krisengebiete schickt und damit aktiv in Gefahr bringt. Sie, die bis vor wenigen Monaten noch so viel mit der Bundeswehr zu tun hatte "wie fast alle in meinem Alter und darunter: nicht viel". Nun muss sie abwägen, ob die Situation in Mali es rechtfertigt, dass sie ihre Hand hebt.
"Ich bin keine Pazifistin", sagt Wegge, die bislang immer zugestimmt hat. Doch leicht habe sie es sich nicht gemacht. So schwer und verantwortungsvoll sei jede Entscheidung, dass sie in den vergangenen Wochen mit Soldatinnen und Soldaten gesprochen und die vier Kasernen in ihrem Wahl- und in ihrem Betreuungskreis besucht hat: Mittenwald, Murnau, Landsberg und Pöcking. Jedes Mal habe sie dabei auf die eine oder andere Art ihre Komfortzone verlassen müssen.

So besichtigte sie unter anderem den 1945 fertig gestellten Atombunker in der Werdenfelser Kaserne mit Gedenkstätte, was nur in Begleitung der Feuerwehr möglich war - um im Falle eines Feuers den Ausgang finden zu können. Sie saß mit Kommandanten in Truppenküchen und erfuhr, dass bei der Bundeswehr jedes Ding eine Versorgungsnummer hat. Und, dass in der IT-Schule in der Pöckinger Kaserne jedes Jahr mehr als 11 000 Soldatinnen und Soldaten Lehrgänge absolvieren, und wie sich ein Server- und Kommunikationssystem, das den halben Bundestag im Kriegsfall in Betrieb halten könnte, fein säuberlich in Kisten packen lasst. Vor allem aber erfuhr sie von den Soldatinnen und Soldaten, was diese sich wünschen: bezahlbaren Wohnraum, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und einen öffentlichen Nahverkehr, der Fahrten zur Familie übers Wochenende problemlos möglich macht.
Alle Folgen "Von Starnberg nach Berlin" gibt es hier zum Nachhören.