Die Welt ist aus den Fugen geraten. Pandemie, Kriege, Wirtschaftskrise - Spaß macht das alles nicht. Auch der Blick in die Zukunft hellt die Laune kaum auf: Der Klimawandel schreitet voran, Straßen, Schienen und Brücken bröckeln vor sich hin. Die Stimmung war also schon mal besser im Land. Das lässt sich messen. Mit Umfragen zum Beispiel. Oder mit Cabrios.
Bitte was? Cabrios? Aber ja doch: Das Kraftfahrtbundesamt hat kürzlich seine Statistik über neu zugelassene Autos mit aufklappbarem Dach herausgegeben. Darin zeigt sich: Während vor 15 Jahren noch etwas mehr als 100 000 Fahrzeuge neu zugelassen wurden, waren es im vergangenen Jahr gerade einmal etwas mehr als 40 000. Das Cabrio büßt also gehörig an Beliebtheit ein. Und das seit dem Bankencrash 2008/09. Krise ist gleich weniger Cabrios, da ist offenbar was dran.
Womit man wieder bei der Weltlage wäre. In den Konzernzentralen der Autobauer sucht man natürlich nach Erklärungen für diese Entwicklung. Und bei Volkswagen ist man jetzt unter anderem darauf gekommen, dass das Cabrio nicht mehr in die heutige Zeit passe. „Ein Cabriolet ist ja kein Auto, das irgendjemand braucht“, erklärt Dieter Landenberger, Leiter von Volkswagen Heritage. Es sei ein Luxus, der Freude mache. „Und das fühlt sich in Krisenzeiten, wo es vielen wirtschaftlich nicht so gut geht, für manche fehl am Platz an.“ Das ist wirklich nett von den Reichen: Aus Rücksicht auf die Verlierer der gegenwärtigen Krisen kaufen sie keine Cabrios mehr. Hoch die internationale Solidarität!
Nun gibt es aber Gott sei Dank noch Ecken, in denen die Welt noch in Ordnung ist und in denen man ohne Dach und ohne schlechtes Gewissen durch die Gegend brettern kann. Laudenberger nennt das die „Exklaven des Wohlstands“. Auf Sylt zum Beispiel ist das Cabrio nicht von den Straßen zu bekommen. Und der größte Anteil der insgesamt etwa 2,2 Millionen in Deutschland zugelassenen Cabrios ist laut Kraftfahrtbundesamt - wer hätte das gedacht - rund um den Starnberger See unterwegs.
Natürlich gibt es auch hier Probleme. Die Kommunen haben kein Geld, und längst nicht alle Bewohner der Region schweben gehaltstechnisch in Sphären, in denen so ein Gefährt drin wäre. Aber wenn man abseits aller wissenschaftlichen Standards die Cabrio-Dichte auf den hiesigen Straßen als Zufriedenheitsindikator nehmen würde, wäre die Welt hier verhältnismäßig in Ordnung. Und das ist doch schön.

