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Wohnungen statt Kaserne:Feldafing hofft wieder auf Abzug der Bundeswehr

Die Staatsregierung schaltet sich ein und bittet zum Gespräch über die Pläne. Der Bürgermeister will wenigstens einen Teil der Kaserne übernehmen.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

In Sachen Konversion des Bundeswehrgeländes in Feldafing hat Rathauschef Bernhard Sontheim wieder "ein kleines Fünkchen Hoffnung" geschöpft. Im Oktober hatte die Gemeinde Ministerpräsident Markus Söder (CSU) um Unterstützung gebeten. Nun kam ein Antwortschreiben der Staatskanzlei. Man habe die Bundeswehr um ein gemeinsames Gespräch gebeten, heißt es in dem Schreiben, das an den Bürgermeister und an das Landratsamt gerichtet ist.

Vor genau 20 Jahren hatte das Verteidigungsministerium bekanntgegeben, dass die Feldafinger Schule für Informationstechnik der Bundeswehr nach Pöcking verlagert wird. Daraufhin plante die Gemeinde 19 Jahre lang, wie das 31,7 Hektar große Areal genutzt werden könnte. 1,6 Millionen Euro gab allein die Kommune für die Planungen aus, Zuschüsse nicht mitgerechnet. Doch im vergangenen Jahr erhielt die Gemeinde die Hiobsbotschaft, dass die Bundeswehr das Gelände weiterhin benötigt, mindestens bis 2027. Seither hängt die Gemeinde in der Luft und die Pläne, wenigstens einen Teil des Geländes erwerben zu können, haben sich vorerst zerschlagen.

Doch damit wollte sich der Rathauschef nicht zufriedengeben, er bat den Ministerpräsidenten vergangenen Oktober um Hilfe. "Auch die Staatsregierung bedauert, dass es bislang nicht gelungen ist, Planungssicherheit zu erlangen", antwortete nun Staatskanzleichef Florian Herrmann. Da jedoch der Ausbildungsbedarf im Bereich IT bei der Bundeswehr stark gestiegen sei, müsse mit einem Verbleib der IT-Schule gerechnet werden. "Dem Vernehmen nach" lasse das Bundesverteidigungsministerium derzeit ein Nutzungskonzept erstellen, schreibt Herrmann weiter.

"Dabei ist der Staatsregierung daran gelegen, dass ein langfristig tragfähiges Nutzungskonzept realisiert wird, das Planungssicherheit schafft." Dafür werden nach Ansicht der Staatskanzlei nicht nur Investitionen des Bundes, sondern auch eine Verständigung mit der örtlichen Politik erforderlich sein. Daher habe man nach Abschluss der internen Vorbereitungen um ein Gespräch mit der Staatsregierung sowie der Gemeinde und dem Landratsamt gebeten, um die unterschiedlichen Interessen zusammenführen zu können.

Wenngleich dies für Sontheim "keine revolutionären Neuerungen" sind, beurteilt er es positiv, wenn sich die Staatskanzlei einschaltet und ein gemeinsames Gespräch führen will. "Das ist schon einmal eine Ansage", so der Bürgermeister. "Vielleicht kommen wir zu einer Lösung." Sontheim hat die Hoffnung nicht aufgegeben, vielleicht doch noch "ein bisschen was" von dem Areal kaufen zu können.

Nach den Vorstellungen der Gemeinde könnten dort bezahlbare Wohnungen gebaut und vielleicht auch eine Gedenkstätte in einem der denkmalgeschützten Sturmhäuser eingerichtet werden. Auf dem Kasernengelände befand sich in der NS-Zeit eine Reichsschule. Nach dem Krieg wurde ein DP-Camp, ein Auffanglager für Überlebende der Konzentra- tionslager, eingerichtet. Da sei nicht nur die Gemeinde, sondern auch der Bund in der Verantwortung, ist Sontheim überzeugt.

© SZ vom 28.01.2021
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