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Bundeswehr:"IT-Schule hört auf mein Kommando!"

Campus für Computer-Spezialisten unter neuer Führung. Auf Oberst Rainer Simon warten große Herausforderungen, allen voran der Umzug von Feldafing in die Maxhof-Kaserne bei Pöcking

Ein letztes "Grüß Gott, IT-Schule!", das Brigadegeneral Frank Schlösser über den Appellplatz rief. Ein letztes "Grüß Gott, Herr General!", mit dem die etwa 640 Soldaten antworteten. Dann war der Dienst für Schlösser als Kommandeur der Schule für Informationstechnik der Bundeswehr in Feldafing offiziell beendet. Am Donnerstagmittag wurde er mit einem feierlichen Übergabeappell in der Maxhof-Kaserne Pöcking verabschiedet. Oberst Rainer Simon übernahm die Führung. Ihn erwartet in den kommenden Jahren viel Arbeit: Die Schule soll demnächst vollständig von Feldafing nach Pöcking umziehen, zudem wird die Ausbildung der IT-Spezialisten umgestellt.

Rund drei Jahre lang leitete Frank Schlösser die Ausbildungseinrichtung, die von vielen Feldafingern noch immer Fernmeldeschule genannt wird. Sein Abschied von der Truppe fiel frostig aus - aber nur beim Blick auf das Thermometer, das auf dem weitläufigen Appellplatz Minusgrade anzeigte. Die Soldaten waren in Ehrenformation aufmarschiert, dazu spielte das Heeresmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen. Der Abschied falle ihm nicht leicht, sagte Schlösser vor den Soldaten und etwa 150 Gästen. "Ich verlasse auch eine Region, die für Jahre meine Heimat war. Das geht am Mensch Kommandeur nicht spurlos vorüber", sagte Schlösser, der gern weitergemacht hätte. Nun wird er einen knapp einjährigen Auslandseinsatz in Afghanistan antreten.

Kommandowechsel an der Schule für Informationstechnik; Kommandeurswechsel bei der Bundeswehr

Der Brigadegeneral Frank Schlösser wurde mit Pauken und Trompeten verabschiedet.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Schlössers Nachfolger hielt sich während der Verabschiedungszeremonie im Hintergrund, bis die Übergabe erfolgt war. Dann der erste Appell des 54-Jährigen: "IT-Schule hört auf mein Kommando!" Bei der Bundeswehr ist schließlich vieles strikt nach Protokoll gerichtet. Simon kam 1982 zur Bundeswehr, zunächst als Sanitäter. 1993 absolvierte er die Ausbildung in der Fernmeldetruppe in Murnau. Danach folgten Stationen etwa in Regensburg, Köln, Koblenz und bei der Nato in Brüssel. Von 2016 bis 2018 war Simon beim Bundesverteidigungsministerium in Berlin Leiter des Referats, das unter anderem für IT-Strategie zuständig ist. Er scheint also gut geeignet für seinen neuen Posten.

Was in Pöcking auf ihn zukommt, nennt er "große Herausforderungen". Schon der Umzug der IT-Schule von Feldafing in die Maxhof-Kaserne nach Pöcking verlief bisher stockend. Im August hatte die Bundeswehr angekündigt, das Areal nun doch nicht bis Ende dieses Jahres vollständig räumen zu wollen. Ein Teil des Geländes soll noch bis 2027 als Ausbildungsstätte dienen. Das sorgte in Feldafing für Irritationen - schließlich hatte die Gemeinde geplant, auf dem Bundeswehr-Areal bereits von 2021 an etwa 450 Wohnungen zu bauen. Durch die Planänderung fallen nach Einschätzung von Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim 50 bis 100 bezahlbare Wohneinheiten vorerst weg.

Kommandowechsel an der Schule für Informationstechnik; Kommandeurswechsel bei der Bundeswehr

Schlösser (rechts) leitete drei Jahre lang die IT-Schule. Generalmajor Michael Färber (Mitte) übergab die Führung an Oberst Rainer Simon.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

So wird der neue Schulkommandeur Rainer Simon sich wohl auch mit diesem Thema noch auseinandersetzen müssen. Immerhin: Das neue Lehrsaalgebäude in Pöcking sieht von außen schon beinahe fertig aus. Die ersten Büros seien bereits bezogen, sagte der Presseoffizier der Bundeswehrschule am Donnerstag. Bis April soll das Gebäude schließlich komplett fertiggestellt sein. Auf dem neuen Campus, der 50 Millionen Euro kostet, soll es dann 86 Hörsäle und 286 Diensträume geben.

Von Sommer an sollen alle künftigen Schüler einen neuen Basislehrgang durchlaufen, im Anschluss werden sie speziell zugeschnittene Spezialausbildungen absolvieren. Bis 2021 soll das Ausbildungskonzept komplett umgestellt sein, kündigte der neue Kommandeur Simon an.

Das ist aus seiner Sicht auch notwendig: Die Cybersicherheit werde eine immer wichtigere Aufgabe für die Bundeswehr, sagte Simon der SZ. Man müsse deshalb dafür sorgen, dass die Soldaten auf dem aktuellen Stand der IT-Technik mithalten können. "Die Kernaufgabe der Bundeswehr bleibt die Landesverteidigung, auch gegen neue Bedrohungen. Für mich ist es reizvoll, unsere Soldaten dafür adäquat auszubilden", sagte Simon.

© SZ vom 24.01.2020
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