Bürgerversammlung Tutzing Brücken, Brunnen, Breitband

Hochwasser tritt im Tutzinger Ortsteil Traubing – hier im Sommer 2010 – immer wieder auf. Was die Gemeinde gegen die Gefahr tue, wollte ein Feuerwehrmann in der Bürgerversammlung wissen.

(Foto: STA)

120 Besucher verfolgen ersten Auftritt dieser Art von Rathauschefin Marlene Greinwald

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Zuerst spürbar nervös, dann zunehmend souverän und locker im Dialog absolvierte Rathauschefin Marlene Greinwald (Freie Wähler) am Dienstag im Roncallihaus ihre erste Bürgerversammlung. Vor etwa 120 Zuhörern präsentierte die Tutzinger Bürgermeisterin, die seit Januar im Amt ist, was die Gemeinde dieses Jahr beschäftigt hat und welche Projekte anstehen. Was Greinwald wichtig ist: Der Dank an ihre Verwaltung, die ihr den Einstieg enorm erleichtert habe, und an die vielen Ehrenamtlichen und Vereine, die in der Seegemeinde tatsächlich nicht nur in Kultur und Sport auffallend rührig sind. Mit einem Haushalt von nur 27 Millionen Euro - davon knapp vier Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen und 5,7 Millionen Euro Kreisumlage als Hauptausgabe - liegt Tutzing am unteren Ende im Landkreis und hat nur geringen Spielraum. Doch die Finanzen sind ausgeglichen, wie Greinwald ausführte. Allerdings werde man mehr Personal brauchen. Das dürfte auch am Anspruchsdenken vieler Bürger liegen: "Jeder will Fragen möglichst schnell beantwortet wissen." Teilweise sei im Haushalt eingestelltes Geld nicht ausgegeben worden. Als Grund nannte die Bürgermeisterin schleppende Genehmigungsverfahren im Landratsamt, etwa für die Umwandlung der Tagespflege in der Hallberger Allee in einen Hort. Den aktuellen Sanierungsstopp in der Mittelschule begründete sie mit ergänzenden Plänen für eine Mensa, die eine europaweite Ausschreibung nötig machten. Gerade setze man alles daran, dass Mittagsbetreuung und Billardclub wieder in das seit einem Jahr gesperrte Alte Lehrerhaus zurückkehren könnten.

Längerfristige Vorhaben sind laut Greinwald die Sanierung der Hauptstraße in Tutzing, der Wohnungsbau des Verbands Wohnen Am Kallerbach, der Grundsatzbeschluss für eine Soziale Bodennutzung (SoBon), Brunnenbau, der Breitbandausbau und eine neue Kinderkrippe in Traubing. Aktuell machen kaputte Brücken an der Diemendorfer und Monatshauser Straße Probleme. Weil bei letzterer Absperrungen immer wieder ignoriert wurden, habe man sie jetzt komplett abgeriegelt, auch für Radler. Die Sanierung sei in Planung, könne aber dauern. In der Fragerunde meldeten sich gut ein Dutzend Tutzinger zu Wort.

Jugend

Als Vorsitzender des Kreisjugendrings monierte Claus Piesch, dass es nach wie vor keinen Offenen Jugendtreff am Ort gebe und keine kommunale Jugendpolitik. Greinwald zeigte sich offen für einen Jugendbeirat und eventuell einen Bauwagen als Angebot. Sie findet aber auch: "Grundsätzlich geht's Jugendlichen hier gut." Es gebe keine Brennpunkte.

Hochwasserschutz

Ein Feuerwehrmann mahnte den seit Jahren unzulänglichen Hochwasserschutz für Traubing an. Leider, so Greinwald, fördere das Wasserwirtschaftsamt den als Rückhaltebecken vorgesehenen Langer Weiher nur, wenn er mit riesigen Wällen für ein 1000-jähriges Hochwasser aufgerüstet werde. Jetzt müsse man auf eigene Kosten eine andere Lösung schaffen.

Gymnasium

Ob der Landkreis verpflichtet sei, das zu übernehmen, nachdem der Gemeinderat kürzlich die Aufnahme von Verhandlungen beschlossen habe, wollte ein Tutzinger wissen. Greinwald bejahte. Ein Anwalt habe das vor Jahren geprüft. Allerdings rechne sie "mit zähen Verhandlungen" und einer Dauer von zwei bis drei Jahren.

Betreutes Wohnen

Pfarrer Peter Brummer sieht dringenden Bedarf für eine weitere Einrichtung in drei bis vier Jahren. Bei der Ambulanten Krankenpflege stünden für Betreutes Wohnen in der Bräuhausstraße 22 Menschen auf der Warteliste. Dafür, so Greinwald, sei man schon im Gespräch.

Verkehr

Beunruhigt zeigte sich ein Traubinger über die gefährliche Situation für Fußgänger in der Starnberger Straße - ohne Beleuchtung, ohne Bürgersteig. Auch Greinwald war das bei einer Ortsbesichtigung aufgefallen: "Wir sind rumgehüpft wie die Hasen." Leider habe man bei der Staatsstraße keinen Einfluss, die Polizei stufe sie nicht als Unfallschwerpunkt ein.

Gehsteige

Wie in der letztjährigen Bürgerversammlung gab es zum Schluss ein Nachhaken, wie es im Verfahren um den umstrittenen, gesperrten Bürgersteig in der Oskar-Schüler-Straße stehe. Ohne dass der Name von Ex-Bürgermeister Stephan Wanner fiel, der seit Jahren mit der Gemeinde im Gehwegstreit liegt, verwies Greinwald auf den Gleichheitsgrundsatz. Für jeden gebe es 70 Euro pro Quadratmeter Straßengrund. "So oder gar nicht."