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Starnberg LRA, Stützpunkt für Verbraucherbildung

VHS ausgezeichnet: Klaus Tonte (Würmtal), Anke Rasmussen (Herrsching) und Gerhard Dix (Starnberg) erhalten von Rüdiger Detsch das Siegel.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Volkshochschulen Starnberger See, Herrsching und Würmtal klären Konsumenten in kostenlosen Kursen über Fallen im Internet auf. Sie gehören nun zu den Stützpunkten für Verbraucherbildung

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Vermeintlich güstige Produkte im Internet können einem teuer zu stehen kommen, wenn der Web-Shop nicht liefert oder der Kunde in die Abo-Falle tappt. Der Super-Gau aber ist das sogenannte Phishing: Ganoven fischen Daten mit gefälschten Mails ab, um sie für kriminelle Zwecke zu missbrauchen. In Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale sowie Kooperationspartnern bieten jetzt die Volkshochschulen (VHS) kostenlos Kurse rund um Konsumfragen im Alltag an. Die Volkshochschulen Starnberger See, Herrsching und Würmtal sind am Mittwoch vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit dem Qualitätssiegel "Stützpunkt Verbraucherbildung Bayern" ausgezeichnet worden. Ministerialdirektor Rüdiger Detsch überreichte den VHS-Vorsitzenden die Urkunden im Landratsamt.

Stützpunkte für Verbraucherbildung gibt es seit 2015. Die drei Volkshochschulen sind der 18. Stützpunkt in Bayern. Wie Detsch hervorhob, soll bis 2022 ein flächendeckendes Netz im Freistaat aufgebaut werden. Gerhard Dix, Vorsitzender der VHS Starnberger See, freute sich über die interkommunale Zusammenarbeit. Dadurch würden 13 Gemeinden im Landkreis abgedeckt, sagte er. Nach Angaben des Leiters "Stützpunkt für Verbraucherbildung in Bayern", Christian Hampl, könnten so 150 000 Bürger erreicht und von 40 Fachtrainern geschult werden. Am Beispiel Schufa führte er im Internet vor, wie schnell man in die Abo-Falle tappen kann, obwohl man nur eine kostenlose Auskunft über die eigene Kreditwürdigkeit haben wollte. "Kennen Sie die magische Zahl, ab wann Sie nicht mehr kreditwürdig sind?", fragte er, um gleich selbst die Antwort zu geben. Sinkt der Wert unter 80 Prozent, müsse man höhere Zinsen zahlen. Laut Hampl ist niemand zu 100 Prozent kreditwürdig. Aber ein guter Wert kann sich verschlechtern, etwa bei einem Umzug, obwohl sich nur die Adresse geändert hat.

Ihm zufolge tappen sogar Jugendliche, die sich mit dem World Wide Web allemal besser auskennen als Ältere, in die Fallen des Internets. Nach seinen Erfahrungen werden sie dann "abgemahnt bis zum Knast". Daher geht Hampl in die Berufsschulen, um sein Wissen weiterzugeben.

Trainerin Hanne Henke aus Memmingen gibt Tipps zu Kostenfallen im Internet oder erklärt, wie man beispielsweise schon zu Lebzeiten seinen Nachlass online regeln kann. Andere Referenten informieren zu Themen wie "Nie mehr Arger mit Handwerkern" oder über die aktuelle Kündigungswelle bei Geldanlagen. VHS-Hörer können sich einen Passwort-Manager einrichten oder sich als Mieter Tipps geben lassen bei Eigenbedarfskündigung. Der Internetdiebstahl - wenn Fake-Shops unter der eigenen Adresse nicht vorhandene Waren verkaufen - steht ebenso auf dem Programm wie Tipps zur Altersvorsorge oder über Wege durch den Versicherungsdschungel.

Das Thema Gesundheit nimmt nach Angaben von Klaus Tonte von der VHS Würmtal ebenfalls einen breiten Raum ein. "Da gibt es viele Heilsversprechen", sagte er. Es sei schon schwierig, eine kompetente Beratung im Kaufhaus zu finden, meinte Landrat Karl Roth, aber erst recht im Online-Bereich, wenn man dort locker einen Kredit über 50 000 Euro bekommen könne.

Das Angebot ist in diesem Semester angelaufen. Die Nachfrage ist laut Veronika Wagner von der VHS-Würmtal sehr gut. Der Grund dafür sei, dass die Kurse kostenlos sind, so würden auch Menschen angesprochen, die normalerweise nicht den Weg in die VHS finden, sagte ihre Herrschinger Kollegin Petra Hofstetter.

© SZ vom 11.10.2019

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