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Buchheim-Museum:Singende Schaukeln und bemalte Kühe

Eine Jury wählt Installationen für das Projekt "Wunderwelt Bernried" aus, die eine Verbindung zwischen Dampfersteg und Ausstellung schaffen sollen. Die Beiträge überraschen und wirken manchmal schräg

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

Singende Schaukeln, klingende Brücken, Lichtbögen, die Sprache in Musik umwandeln: Das Kunst- und Designstudio "Daily Tous Les Jours" aus Montreal (Kanada) ist spezialisiert auf interaktive, öffentliche Kunstinstallationen, bei denen die Besucher beteiligt werden und gemeinsam Musik machen. Auf öffentlichen Plätzen stehen Schaukeln. Jede hat einen eigenen Klang. Sobald mehrere Menschen schaukeln, entwickeln sich Klangstrukturen. Die Schaukeln haben als temporäres Projekt die Besucher in Montreal begeistert. Andere der vorgeschlagenen Kunstinstallationen, die das Designstudio für die "Wunderwelt Bernried" eingereicht hatte, könnten nun erstmals auf dem Weg vom Dampferanlegesteg den See entlang bis zum Museum realisiert werden. Insgesamt 16 internationale und regional tätige Künstler sind zu diesem nichtöffentlichen Wettbewerb eingeladen worden. Eine zwölfköpfige Jury bewertet derzeit die Entwürfe und legt in den kommenden Monaten die Preisträger fest.

Bernried: Buchheim Museum -Wunderwelt Bernried -   mit einem Exponat von Daily Tous Les Jours aus Montreal

Die "Daily Tous Les Jours"-Schaukeln tönen.

(Foto: Nila Thiel)

Bei dem Projekt sollen nicht Schilder den Weg zum Museum weisen, sondern interaktive Kunstwerke, die zum Spielen einladen, zum Staunen oder dazu, Gemeinschaft zu erleben. Die Fußgänger sollen überrascht werden, wenn sie die Bernrieder Landschaft entdecken. Ebenso wie die Kanadier setzen auch der dänische Bildhauer Jeppe Hein, die Münsinger Fotografen Carola Vogt und Peter Boerboom oder die Lenggrieser Firma "Kristallturm" mit ihrem fantasievollen Klettergarten das Leitbild des Wegekonzepts um - der Verbindung von Kunst und Natur. Diese Idee ist nicht neu. Schon in der Renaissance wurden Kunstinstallationen in die Gartenlandschaft eingebettet, um ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Zum Museum der Phantasie passen auch die märchenhaften Pilz-Skulpturen von Verena Seibt (München), die kristallinen Aussichten durch ein Kaleidoskop von Olafur Eliasson (Dänemark) oder die Luftpumpen von Thomas Silberhorn (München), die im Wasser Sprudelkreise erzeugen. Die begehbaren Kästen von Artur Elmer aus Aalen, einem Freund Lothar-Günther Buchheims, bei denen man den Himmel betrachten kann, bieten ebenfalls Überraschendes.

Bernried: Buchheim Museum -Wunderwelt Bernried -   Exponat von Verena Seibt aus MUC

Pilz-Skulpturen zum Klettern und Verweilen im Park.

(Foto: Nila Thiel)

Die "One-Minute-Sculptures" aus übereinander gestapelten Autos des Wiener Künstlers Erwin Wurm sind wie gemacht, um neben dem Hubschrauber oder Buchheims BMW vor dem Museumseingang zu stehen. Ob ein variabler Steg auf einem Weiher von Res Ingold (Schweiz), eine Zuckerbäckertorte unter einer alten Eiche von Patricia Wich (München) oder die von dem Stuttgarter Architekturprofessor Achim Menges exakt berechneten Krümmungen, die einmal auf seiner Holzskulptur durch Austrocknung entstehen werden, sind laut Bürgermeister Georg Malterer ebenso "überraschend, schräg" und manchmal sogar skurril, wie die Regenwurm-Varianten aus Recycling-Material von Klaus Dietl und Stephanie Müller (München) oder ein überdimensionales Grammophon von Leonie Felle (München). Als einzige Teilnehmerin kam die Finnin Tea Mäkipää, die in Weimar lebt, persönlich nach Bernried.

Bernried: Buchheim Museum -Wunderwelt Bernried -  Direktor Daniel J. Schreiber

Museumsdirektor Daniel J. Schreiber zeigt den Auto-Entwurf von Erwin Wurm.

(Foto: Nila Thiel)

Als sie die Kühe von Altbürgermeister Josef Steigenberger auf der Weide gesehen habe, sei sie auf die Idee gekommen, die Tiere mit ungiftiger Farbe zu bemalen, die den Sommer über hält, erklärt der Direktor des Buchheim-Museums, Daniel J. Schreiber. Ebenso wie bei diesem Entwurf seien auch bei anderen Installationen die Wetterbeständigkeit, Realisierungsmöglichkeiten oder die praktische Umsetzung wichtige Kriterien für die Preisvergabe. Im Jahr 2017 stellten der damalige Bernrieder Bürgermeister Josef Steigenberger und Schreiber fest, dass es viel zu wenige Verbindungen zwischen dem nach einer Auszeichnung "Schönsten Dorf Deutschlands" und dem Museum gibt. Bei einem Feierabendbier haben sie Ideen entwickelt, wie sie das Museum am Ortseingang und das alte Dorf mit der 900 Jahre alten Klosteranlage besser zusammenbringen könnten. Unterstützt von Studenten der TU München unter der Leitung von Professorin Regine Keller entstand das Leader-Projekt "Wunderwelt Bernried", das damals jedoch an den hohen veranschlagten Kosten von 3,2 Millionen Euro zu scheitern drohte.

Nun stehen insgesamt 200 000 Euro aus EU-Fördermitteln, Zuschüssen der Gemeinde sowie der Buchheim-Stiftung zur Verfügung. Für die Realisierung von Einzelentwürfen oder gar eines Gesamtprojekts bleiben nur noch 132 000 Euro. Diese finanziellen Mittel werden nicht reichen. Schreiber ist jedoch optimistisch, dass er Sponsoren gewinnen kann. Die 16 Entwürfe sind vom dem 17. April an im Buchheim-Museum zu sehen.

© SZ vom 22.03.2021
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