Brand in Uttinger Christuskirche:Preisgekröntes Jugendwerk

Brand in Uttinger Christuskirche: Wolf-Eckart Lüps in jungen Jahren vor dem von ihm geplanten Anbau an der Christuskirche.

Wolf-Eckart Lüps in jungen Jahren vor dem von ihm geplanten Anbau an der Christuskirche.

(Foto: Atelier Lüps)

Wolf-Eckart Lüps plante 1980 den Umbau des Gebäudes

Von Armin Greune, Utting

Der verheerende Brand der Christuskirche in der Nacht zum Mittwoch hat bis an die französische Atlantikküste Wellen geschlagen. Dort hat Wolf-Eckart Lüps im Urlaub auf der Île d'Yeu von der Zerstörung des Gotteshauses erfahren, in dem er schon den Kindergottesdienst besucht hat, das aber auch im übertragenen Sinn eines seiner Kinder ist: Der Uttinger Architekt war für den Umbau und die Generalsanierung der evangelischen Kirche im Jahr 1988 verantwortlich. Er ist im Alter von elf Jahren 1955 nach Utting gezogen und darin 1959 konfirmiert worden. "Die Christuskirche ist mir aber auch deswegen besonders ans Herz gewachsen, weil es die einzige Kirche ist, die ich geplant habe", sagt Lüps im Telefongespräch.

Den Auftrag für den Anbau eines Gemeindezentrums und die umfassende Sanierung des 1927 errichteten Gotteshauses erhielten er und Norbert Hintermeyer im Jahr 1980 in einem Einladungswettbewerb der Evangelischen Landeskirche. Beide Architekten führten seinerzeit von 1975 an ein gemeinsames Planungsbüro im Dießener Seerichterhaus. Im ersten Bauabschnitt galt es, zur Kirche an der Uttinger Laibnerstraße ein dreiflügeliges Jugend- und Gemeindehaus anzubauen. Gemeindesaal und Kirchenschiff waren direkt mit einer Schiebetür verbunden, 1983 konnten die neuen Räume eingeweiht werden.

Die Sanierung und Erweiterung der einzigen Holzknüppelkirche Bayerns folgte im zweiten Schritt. Die räumliche Aufteilung, Altarwand und Sakristei blieben dabei erhalten, "aber wir haben den Kirchenraum erhöht, um ein bisserl mehr Volumen für die Musik zu bekommen", erinnert sich Lüps. Das 1927 weitgehend in Eigenleistung entstandene Original in Holzständerbauweise mit Fassade aus halbierten, rohen Fichtenstangen sei zum Teil etwas laienhaft ausgeführt gewesen. Die Eingabeplanung aber stammte aus der Feder von J. M. Gradl, Großvater der Schondorfer Architekten Barbara und Florian Gradl.

Die Kirche wurde entkernt, die Nut-und-Feder-Konstruktion der Innenwände ersetzte man durch eine kunstvolle, schiffbauähnliche Verschalung aus Fichtenholz, die von versilberten Stäben eingefasst war. Anstelle der mit Schlacke gefüllten Wände wurde Steinwolle zur Isolation verwendet, ein neuer Fußboden mit Muster aus Solnhofener Platten geschaffen. Die Neugestaltung umfasste das gesamte Interieur und fand erst nicht bei allen Zustimmung: Der nüchtern-moderne Charakter des Raumes wurde gar als "Bistrokirche" verunglimpft. Die Architekturwelt war anderer Auffassung: 1993 bekam Lüps dafür den Bayerischen Holzbaupreis.

Es war bereits das zweite Mal, dass er mit der nur alle vier Jahre vergebenen Auszeichnungen bedacht wurde. 1980 hatten er und Hintermeyer sie für den Neubau des Bootsschuppen des Diessner Segel-Clubs erhalten. Dessen Vereinsgelände war 1976 ein Raub der Flammen geworden. Die Ursache des Brandes, bei dem auch etwa 60 Boote im Winterlager vernichtet wurden, ist bis heute nicht geklärt.

© SZ vom 27.08.2021
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