"Ich mach das jetzt!" Der Satz schwebt von der Bühne aus in den Raum. Begleitet wird die Szene von einem pulsierenden Hintergrundgeräusch, das an einen Herzschlagrhythmus erinnert.
Sieben Jugendliche stehen am Mittwoch in Gauting gemeinsam auf der Bühne und proben. Einer trägt Gummistiefel, der andere eine Schwimmbrille, einmal bewegen sich ein Pilz und ein Baum durchs Bild, roter Nebel zieht über die Bühne. Es ist der vierte Jahrgang des Theaterjugendclubs Gauting. Die inklusive Gruppe wird in wenigen Tagen, am Samstag, vor Publikum spielen. Insgesamt geht es wuselig zu. Ideen, Fragen und Requisiten werden untereinander ausgetauscht.
Schauspieler Sebastian Hofmüller und Bühnen- und Kostümbildnerin Yvonne Kalles leiten das Theaterprojekt mit Laienschauspielerinnen und -schauspielern - "Kinder wie du und ich", wie Hofmüller es formuliert. Auch Beni Hüttner ist an diesem Tag mit dabei, er ist zuständig für Licht und Technik.
Hofmüller gibt vor der Probe mit den Jugendlichen ein paar Einblicke in das Projekt. Es gehe in dem erarbeiteten Stück um drei Charaktere, die sich auf eine Reise begeben. Dabei sei unklar, was Traum ist - und was Realität. Viel konkreter wird er nicht in seiner Beschreibung, was Besucherinnen und Besucher des Kulturhauses Bosco bei der Aufführung erwarten wird. "Wir sehen ein Stück von Leni Berger, gespielt vom Theaterjugendclub Gauting, in das wir versuchen, möglichst viel Wahnsinn, Freiheit, Spiellust und Verrücktheit der Jugendlichen reinzulegen", sagt Hofmüller.

Im vergangenen Jahr hatte der Theaterjugendclub sein damaliges Projekt online gezeigt. Für das aktuelle Schauspiel wurde hingegen fast immer live geprobt, meistens mit Maske, wie der Projektleiter das Vorgehen schildert. "Heldenzeit" sei der innere Arbeitstitel des Stücks. "Es ist Zeit für Kinderhelden", so Hofmüller, weil sie seiner Meinung nach viel einstecken mussten in den vergangenen zwei Jahren.
"Von uns allen, für uns alle gemacht"
Verfasst hat das Stück Leni Berger. Sie ist schon mehrere Jahre bei der Theatergruppe dabei und lebt in Gauting. Während einer Zugfahrt hatte die 18-Jährige nichts zu tun, erinnert sie sich, und "dann ist es einfach so losgesprudelt". Unterstützung bekam sie beim Schreiben auch von Projektleiterin Yvonne Kalles, die den Prozess als "ein kreatives gemeinsam Arbeiten" beschreibt. Generell habe man versucht, die Ideen der Jugendlichen aufzunehmen und sie umzusetzen, sagt Hofmüller. Leni Berger selbst beschreibt ihr Stück am Rande der Probe als etwas, das "zwar ich schreibe, aber gleichzeitig von uns allen, für uns alle gemacht ist". Schon als Kind habe sie sich an Drehbüchern versucht, sagt sie, aber es seien nie mehr als ein paar Seiten geworden. Nun ist sie "sehr stolz darauf", dass ihr Stück auf einer Bühne aufgeführt wird. Das ganze Projekt sei wie ein "sehr, sehr schöner Fiebertraum".
Im Theaterjugendclub dürften die Jugendlichen fluchen, spielen und Dinge sagen, die man vielleicht am Esstisch nicht aussprechen würde, sagt Projektleiter Hofmüller. Die jungen Leute kriechen bei dem Probentermin durch roten Nebel, wandern begleitet von beschwingter Musik über die Bühne und erschaffen Szenen, die einem beim Zuschauen die Mundwinkel nach oben ziehen.
Und nach monatelangen Vorbereitungen, erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie und viel kreativer Arbeit heißt es nun am Samstagabend im Bosco in Gauting: Vorhang auf, denn die machen das jetzt!
Der vierte Theaterjugendclub Gauting führt sein Stück am Samstag, 2. April, von 19 Uhr an im Bosco in Gauting auf. Karten sind für zwölf Euro zu haben, beziehungsweise bis 25 Jahre für acht Euro.

