Bildung:Volkshochschulen auf Fusionskurs

Die VHS Starnberger See und Herrsching erwägen eine engere Kooperation, um für Zukunftsaufgaben besser gewappnet zu sein. Sie erwarten sich davon Einsparungen und hoffen, frei werdende Ressourcen nutzen zu können

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Volkshochschulen Starnberger See und Herrsching erwägen einen Zusammenschluss, um besser für künftige Herausforderungen gewappnet zu sein. Grundlage für die Überlegungen zu einer weitgehenden Kooperation ist ein Strukturförderprogramm des Bayerischen Volkshochschulverbands und der Umstand, dass beide Institutionen schon seit Jahren sehr gut zusammenarbeiten. Die Delegierten der beiden VHS-Vereine segneten vergangene Woche in ihrer Mitgliederversammlungen jeweils einhellig einen Prüfauftrag ab, ob ein Zusammenschluss Sinn ergibt. Einigkeit besteht bei den Verantwortlichen beider Volkshochschulen darüber, dass die Synergien spürbar sein müssen, für Teilnehmende keine Nachteile entstehen und beide Geschäftsstellen in Starnberg und Herrsching sowie alle Mitarbeiterstellen erhalten bleiben.

Volkshochschulen als gemeinnützige Einrichtungen mit öffentlichem Auftrag zur Erwachsenen- und Weiterbildung haben ein oft beeindruckendes Angebot. In ihrem Selbstverständnis sind sie kommunale Weiterbildungszentren, die Kurse, Einzelveranstaltungen, Kompaktseminare, Studienreisen und -fahrten oder sogar "Bildung auf Bestellung" in Form von Firmen- oder Inhouse-Kursen anbieten. Beteiligte Träger der VHS Starnberger See sind die Gemeinden Berg, Feldafing, Pöcking, Tutzing und die Stadt Starnberg; an der VHS Herrsching sind die Gemeinden Andechs und Seefeld beteiligt. Beide Vereine sind auf Zuschüsse oder zusätzliche Leistungen der Kommunen angewiesen.

Allerdings stehen die VHS-Verantwortlichen zunehmend unter Druck, wie Tim Weidner, Vorsitzender der VHS Starnberger See, verdeutlichte. Er erachtet eine Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Ammersee als sinnvoll, um angesichts einer nur dünnen Personaldecke und des Kostendrucks die vorhandenen Ressourcen besser einsetzen zu können. Der Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller steht Fusionsprozessen zwar "grundsätzlich skeptisch" gegenüber, doch die Prüfung der Voraussetzungen eines Zusammenschlusses befürwortet auch er.

Vorteile eines Verbunds wären Kosteneinsparungen etwa bei Ausgaben für einen Datenschutzbeauftragten. Zudem müssen Volkshochschulen bestimmte Leistungen erbringen, um Fördermittel zu generieren. VHS-Strukturberater Kornelius Schlehlein, der das Förderprogramm mit aus der Taufe gehoben hat, betonte: Zunächst sei zwar mehr Aufwand zu bewältigen, dann aber könnten frei werdende Ressourcen besser genutzt werden. Weidner unterstrich, dass in den bislang geführten Gesprächen keine unüberwindbaren Hürden zutage getreten seien.

Bis zur Entscheidung darüber, ob die beiden VHS-Vereine künftig enger zusammen arbeiten, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zumal die VHS Starnberger See befürchten muss, ihren Stammsitz an der Alten Oberschule (Villa Bayerlein) zu verlieren: Das Haus im Eigentum der Stadt Starnberg soll Bestandteil eines Konzeptwettbewerbs zum Areal um den "Bayerischen Hof" sein. Im Stadtrat zeichnete sich bereits eine Kontroverse um diesen Punkt ab. Weidner möchte im Haus bleiben.

Der ehemalige VHS-Vorsitzende Gerhard Dix, dem für seine langjährigen Verdienste der Titel "Ehrenvorsitzender" verliehen wurde, wünschte sich im Hinblick auf den Fusionsprozess "mehr Aufbruchstimmung" unter den Delegierten.

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