Bilanz Sparkasse im Rückwärtsgang

Josef Bittscheidt, der Vorstandssprecher der Kreissparkasse, ist zufrieden mit der Bilanz für das vergangene Jahr. Weitere Filialen sollen nicht geschlossen werden, sagte er.

(Foto: Claus Schunk)

Trotz sinkender Erträge im Kerngeschäft steigt der Gewinn auf 86 Millionen Euro.

Von Bernhard Lohr

Die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg hat mit Hilfe von Einsparungen und harten Einschnitten ihr Geschäft stabilisiert. Die vor gut einem Jahr eingeführten sogenannten Verwahrentgelte für hohe Einlagen erzielten ihre Wirkung. Etwa zwei Millionen Euro gingen über den Negativzins in Höhe von 0,4 Prozent an die Bank. Und es flossen die ungeliebten Einlagen, die vor allem von Kommunen und Unternehmen 2016 in größerem Umfang bei der Sparkasse geparkt hatten, wieder ab. Vorstandssprecher Josef Bittscheidt zeigte sich am Donnerstag bei der Präsentation der Bilanz für 2017 mit dem Ergebnis nach Steuern von 86 Millionen Euro "sehr zufrieden".

Dabei war die versammelte Vorstandsriege im Konferenzraum im sechsten Stock der Bankzentrale am Sendlinger Tor in München freilich weit davon entfernt, ins Schwärmen zu geraten. Das Bankgeschäft ist angesichts einer Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank knifflig geworden, auch in einem florierenden Wirtschaftsumfeld im Raum München. Sparkassen, die aufs Privatkundengeschäft setzen und ein großes Filialnetz unterhalten, setzt die Digitalisierung ihres Geschäfts unter Druck.

Bereits vor zwei Jahren legte die Kreissparkasse deshalb ein Sparprogramm vor, das neben einem Ausbau von Kundencentern auch Schließungen von mehreren Filialen vorsah; so etwa in Höhenkirchen. Ein Personalabbau wurde angekündigt. Mittlerweile ist all das umgesetzt. Mit 1116 Vollzeitstellen liegt man um 7,2 Prozent unter dem Wert von 2016 und sogar unter der angepeilten Marge von 2020. Die Verwaltungskosten sanken 2017 um 10,5 Millionen Euro. Mittlerweile plagen die Bank wieder andere Sorgen. Sie sucht Auszubildende. Realschüler, Schüler von Wirtschaftsschulen und Abiturienten können sich melden. Die Aussichten, nach der Ausbildung übernommen zu werden, seien gut, sagte Bittscheidt.

Und freilich spricht alles dafür, dass die nach der Münchner Stadtsparkasse gemessen am Volumen des Kundengeschäfts zweitgrößte Sparkasse Bayerns in eine sichere Zukunft geht. Etwa 600 000 Menschen leben im Einzugsbereich dieser lokal verwurzelten Bank. Dass ein Großteil von diesen Kunden wohlhabend ist, ist zum Beispiel an dem um 18 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro gestiegenen Volumen an verwalteten Wertpapieren in den Kundendepots abzulesen.

Rückläufig war im vergangenen Jahr dagegen das Kreditgeschäft, was angesichts der Investitionen auf dem Immobilienmarkt und in örtlichen Unternehmen verwundern könnte. Etwa 744 Millionen Euro liehen sich Privatkunden 2017 bei der Kreissparkasse, nach 917 Millionen Euro im Jahr davor. Bei den Unternehmenskrediten sank die Summe von 700 auf 589 Millionen Euro. Allein die Kommunalkredite stiegen von 83 auf 118 Millionen Euro.

Vorstandssprecher Bittscheidt macht für die Entwicklung ein mittlerweile verknapptes Angebot auf dem regionalen Immobilienmarkt verantwortlich. Verstärkt fließe Vermögen in die Investitionen. Die Quote der aus den Einlagen direkt verliehenen Summen liegt bei 87 Prozent, ein in der Branche laut Bittscheidt hoher Wert.

Doch der Ertrag aus diesem Kerngeschäft lässt zu wünschen übrig. Die Zinsspanne sank laut dem Geschäftsbericht für das Jahr 2016 erstmals um 9,4 Millionen Euro, 2017 erneut um elf Millionen Euro. Man habe den "Rückwärtsgang eingelegt", sagte Bittscheidt. Auch in diesem Jahr wird ein Minus von bis zu acht Millionen Euro erwartet.

Dennoch erwirtschaftete die Bank 8,6 Prozent mehr als 2016. Sie zahlte 35 Millionen Euro Steuern und 15 Millionen Euro Gewerbesteuern an die Kommunen, hieße es bei der Präsentation der Bilanz. Ein Großteil der verbliebenen 86 Millionen Euro floss in eine sogenannte "Vorsorgereserve". Weitere Filialschließungen sind laut Bittscheidt nicht geplant, auch wenn das Online-Banking über das Internet für Sparkassenkunden stark an Bedeutung gewinnt. 40 000 Überweisungsaufträge, die Kunden früher ausfüllten und am Schalter abgaben, gehen monatlich online an die Bank.