bedeckt München 21°

Bayerische Bierkönigin:Reif für die Schaumkrone

Stephanie Tiling

Bier ist ihre Leidenschaft, deshalb will Stephanie Tiling Bierkönigin werden.

(Foto: Privat)

Die 48-jährige Stephanie Tiling ist in Krailling aufgewachsen und will sich mit ihrer Erfahrung im Wettbewerb gegen die erheblich jüngeren Konkurrentinnen durchsetzen.

Vielleicht ist ja die Kraillinger Brauerei daran schuld. Oder das einstige Wohnzimmer vieler Würmtaler, die längst abgerissene Kultkneipe "Schabernack". Oder doch die Wiesn? Wie auch immer: An all diesen Orten ist Stephanie Tiling schon in sehr jungen Jahren mit Bier in Berührung gekommen. "Eine Leidenschaft", nennt sie es heute. Und diese Leidenschaft würde die Kraillingerin nun gern auch in einem Amt nach außen repräsentieren. Sie will Bayerische Bierkönigin werden und hat es neben sechs anderen Mitbewerberinnen ins Finale geschafft. Am 16. Mai wird sich entscheiden, ob sie ein Jahr lang die nationale wie internationale Botschafterin des "Kulturguts Bier" wird, wie sie der Bayern liebstes Getränk nennt.

Tatsächlich ist Stephanie Tiling eine ganz besondere Kandidatin. Denn die meisten Frauen - und gesucht werden nun einmal ausschließlich Frauen für dieses Amt - sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Auch heuer ist das wieder so, wenn man einen Blick auf die Seite des Bayerischen Brauerbundes wirft, der den Wettbewerb auslobt. Mit einer Ausnahme, und die heißt Stephanie Tiling. Sie dürfte mit ihren 48 Jahren, die man ihr aber nicht ansieht, wohl die bisher älteste Bewerberin um die Schaumkrone sein, was sie aber persönlich nicht schreckt, wie sie sagt.

Erstens, weil es keine Altersbegrenzung dafür gebe, zweitens aber auch, weil sie auf ihre Erfahrung, Redegewandtheit, Präsenz und Auftreten setzt - lauter Fähigkeiten, die für das Amt einer Bierkönigin entscheidend seien, sagt auch der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, Lothar Ebbertz. Aus 57 Bewerbungen waren am 13. März 24 Kandidatinnen ausgewählt worden, die sich im Münchner Varieté-Theater präsentieren durften: Nicht unbedingt Bier-Knowhow war da laut Ebbertz gefragt, sondern viel mehr "Charisma, Wortgewandtheit, Schlagfertigkeit und Spontaneität". Jedenfalls überzeugte Stephanie Tiling schon dort und hofft nun, auch am 16. Mai überzeugen zu können, wenn die Bayerische Bierkönigin im Löwenbräukeller gekrönt werden soll. Entscheidend sind dafür die Anzahl der erreichten Stimmen beim Online-Voting, die Anzahl der erreichten Stimmen bei den Gästen im Saal und das Urteil der Jury - je zu einem Drittel.

"Ich bin schon eifrig am Büffeln", sagt Stephanie Tiling. Denn gefragt wird diesmal auch alles sein, was mit Bier zu tun hat: Die sieben Finalistinnen müssen unter anderem jeweils ein Bier verkosten und es beschreiben, über dessen Herstellung und Besonderheiten Bescheid wissen - natürlich das richtige Glas für dieses Bier finden, die beste Essensbegleitung dafür kennen und das Ganze auch entsprechend präsentieren. Aufgeregt sei sie aber noch nicht.

Nachvollziehbar, denn die Kraillingerin ist in Sachen Marketing ein Profi. Sie ist Trainerin und Coach für Marketing- und Vertriebsfachleute sowie Führungskräfte bei einer Unternehmensberatung in München. Dort wurde sie geboren und lebt auch mittlerweile wieder dort. Aufgewachsen ist sie aber mit Eltern und einer älteren Schwester in Krailling. Nach der Grundschule besuchte sie das Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting und studierte Betriebswirtschaft in Regensburg und in USA.

In Kentucky, genauer gesagt, einem "Dry County": "Das heißt, da gibt es keinerlei Alkohol", erzählt sie: "Wenn einer in der Whisky-Destillerie dort Whisky testen will, darf er den nicht runterschlucken, sondern muss ausspucken." Aber interessant sei das Ganze gewesen: "Man kann auch ohne Alkohol feiern und Leute kennenlernen." Dennoch: Bier verbinde Menschen, das hat sie selbst erfahren. In Melbourne, Australien, wo sie sechs Monate arbeitete. Immer wenn sie das Heimweh plagte, ging sie ins dortige Munich Brauhaus. Mit einem "freundlichen Prost" lerne man schnell Menschen kennen, dort wie hier, sagt sie.

Überhaupt spielen Heimatgefühl, Geselligkeit, Gemütlichkeit, Weltoffenheit, Traditionsbewusstsein eine große Rolle für sie: "Das alles ist für mich Bayern", sagt sie. So sehr sogar, dass ein Freund sie um Rat fragte, der ein Lied über das hiesige Lebensgefühl für seine Band schreiben wollte: "Er war von meinen Vorschlägen so begeistert, dass er gleich meinte, ich müsse Bayerns Repräsentantin werden." Ihr gefiel das, und einen Tagen später hörte sie im Radio den Aufruf für die Bewerbung um das Amt der Bierkönigin. Sie recherchierte, stellte fest, dass es hier nicht nur ums "Lächeln" geht: "Das wollte ich nicht, ich wollte Verantwortung übernehmen und eine Botschaft nach außen tragen." Ein besseres Amt als das der Bierkönigin kann sie sich daher nicht vorstellen. Und sollte es nicht klappen? "Dann bleibt die Leidenschaft für Bier und Bayern trotzdem." Sie habe ja nichts zu verlieren - eine Einstellung, die Reife und Lebenserfahrung offenbart, oder wie sie selbst sagt: "Das ist eben der Vorteil, wenn man ein gewisses Alter hat."

Das Online-Voting für sie und ihre sechs Mitbewerberinnen läuft noch bis 9. Mai auf der Internetseite des Brauerbunds.

  • Themen in diesem Artikel: