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Corona-Krise:Zu Hause wird mehr Bier getrunken

Pater Valentin in der Klosterbrauerei Andechs

Bei der Klosterbrauerei in Andechs stapeln sich die Bierkästen. In Flaschen ist das Getränk derzeit gefragter als in Fässern.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Brauereien in Andechs und Berg füllen mehr Flaschen als vor der Krise ab - der Markt für Fässer ist wegen der geschlossenen Wirtshäuser jedoch zusammengebrochen.

Die Maifeiern sind abgesagt, Firmen streichen ihre Veranstaltungen, in den Wirtshäusern der Region stehen die Zapfhähne still: Unter der Corona-Krise leiden auch die Brauereien im Landkreis - wenngleich in unterschiedlichem Maß. Zwar ist die Nachfrage in den Getränke- und Supermärkten gestiegen, was aber die Verluste durch das fehlende Geschäft mit den Wirten nicht bei allen gleichermaßen ausgleichen kann. Die Klosterbrauerei Andechs trifft es dabei am härtesten: Sie hat für ihre etwa 25 Mitarbeiter in der Bierherstellung Kurzarbeit anmelden müssen.

"Wir produzieren derzeit kein Fassbier mehr", erklärt der Sprecher des Klosters, Martin Glaab. Fassbier wird normalerweise an die Gastronomie und an Veranstalter geliefert - dieser Markt hat sich wegen des Corona-Virus und der damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen derzeit komplett aufgelöst. Den Brauereien bleibt also nur die Abfüllung in Flaschen für den Handel, um Umsätze zu generieren. Auch wenn dies den "signifikant" höheren Anteil an den Erträgen einnehme, die auch Andechs erwirtschafte, die Verluste im Bereich Fassbier könnten dennoch bei weitem nicht aufgefangen werden, so Glaab. Und das, obwohl das Stammhaus der Brauerei, das derzeit geschlossene Bräustüberl auf dem Heiligen Berg - den jedes Jahr, ohne Corona, etwa eine Millionen Menschen besuchen - "nur etwa ein Zehntel" des Bierumsatzes der Klosterbrauerei einnehme.

Etwa 100 000 Hektoliter stößt Andechs normalerweise im Jahr aus. Damit kann sich die Klosterbrauerei zwar nicht mit großen Marken wie Augustiner, Paulaner oder Spaten messen, die siebenstellige Ausstoßzahlen vorweisen können. Als kleine Brauerei gilt das Kloster in Andechs, das grundsätzlich keine Bilanzzahlen kommuniziert, angesichts dieser Menge aber dennoch nicht. Erst im vergangenen Oktober hat die Klosterbrauerei ihre Flächen für zwölf Millionen Euro erweitert - um eine neue Halle, in der die Abfüllanlage und Lagerflächen untergebracht worden sind.

Einen gewissen Vorteil in Corona-Zeiten haben die nun vergrößerten Produktionsflächen schon: "Wir können die Abstandsregeln einhalten und müssen sozusagen nicht auf einen Corona-Schichtbetrieb umstellen." Allerdings müssen Investitionen in dieser Größenordnung auch wieder erwirtschaftet werden. Und das stellt sich offenbar als schwierig heraus. Eine Woche lang im März habe die Brauerei gar kein Bier gebraut, weil die Lager noch voll gewesen seien, sagt Glaab. Mittlerweile sind die 25 Beschäftigten in der Produktion in Kurzarbeit, wenngleich sie das verringerte Einkommen unterschiedlich trifft: "Wir haben keine einheitliche Prozentzahl, sondern ein flexibles, gestuftes Modell - je nach Auftragslage."

Etwas anders als in Andechs ist es im Starnberger Brauhaus. Dort gibt es keinerlei Kurzarbeit, wie Geschäftsführer Florian Schuh erklärt. Etwa 80 Prozent der in Höhenrain hergestellten Biere landen im Handel, 20 Prozent in der Gastronomie. Auch im Starnberger Brauhaus ist die Produktion von Fassbier zum Erliegen gekommen: "Die abgesagten Maifeiern sowie die gecancelten Firmenfeiern mit Gästen in vierstelliger Zahl treffen uns hart", sagt er.

Was das genau an Biermengen ausmacht, erklärt er am Beispiel der Maifeier 2019 im Berger Ortsteil Bachhausen: "Da haben wir an einem Wochenende schon etwa 200 Hektoliter Bier verkauft, das ist ziemlich viel", sagt Schuh, dessen Brauerei bislang etwa 8000 Hektoliter im Jahr ausstößt und derzeit im Schichtbetrieb braut: "Damit sich unsere Mitarbeiter gar nicht erst begegnen." Das Starnberger Brauhaus will zudem enorm expandieren und von diesem Sommer an - Schuh: "Wenn alles wie geplant läuft" - eine neue Brauerei im Feldafinger Gewerbegebiet Wieling mit einer Kapazität von 70 000 Hektoliter bauen. Das Projekt sei, so Schuh, wegen der aktuellen Corona-Krise aber nicht gefährdet. "Wir können unsere Verluste in der Gastronomie im Handel nahezu auffangen, weil wir ohnehin eine steigende Nachfrage haben." Auch im eigenen Online-Shop, wie er sagt: "Die reißen uns das Bier aus den Händen."

Über mangelnde Nachfrage kann sich auch die Wörthseer Craft-Bier-Brauerei nicht beklagen. Etwa 400 Hektoliter Bier hat Ray Seeliger im vergangenen Jahr als Ein-Mann-Betrieb gebraut. Kurzarbeit gibt es bei ihm also nicht. Seine Biere, derzeit ein Helles, ein Weißbier und ein India Pale Ale, verkauft er im Handel oder freitags ab Hof in Etterschlag - "natürlich kontaktlos und unter Einhaltung der Abstandsregeln", wie er sagt. Seeliger glaubt, seine Verluste ausgleichen zu können. Sein Bier sollte heuer verstärkt bei vielen Veranstaltungen vertreten sein, etwa bei Maifeiern. Doch er hofft, Einbußen wettmachen zu können: "Craft-Biere als solche sind zwar nicht mehr so gefragt, aber die Leute greifen verstärkt zu regionalen Produkten."

© SZ vom 24.04.2020

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