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Amazon-Serie:Diese Weßlingerin spielt die Tina bei "Bibi & Tina"

Die 17-jährige Harriet Herbig-Matten verkörpert die beste Freundin der kleinen Hexe. Für ihre Rolle musste die Jungschauspielerin erst mal Reiten lernen.

Dieses Mal also kein roter Teppich. Auch keine Premierenfeier. Schade, aber halb so schlimm für Harriet Herbig-Matten. Es wäre ja nicht das erste Mal gewesen, dass die 17-Jährige auf einem roten Teppich steht - und aller Voraussicht nach wird es auch nicht das letzte Mal sein. Die Weßlingerin tritt in große Huf-, pardon, Fußstapfen und wird an diesem Wochenende zur Verkörperung unzähliger Pferdemädchenträume: Sie spielt Tina, die beste Freundin von Bibi Blocksberg, jener magisch begabten Pferdenärrin, die sich nicht nur zum Einschlafen in die Hirn- und Hörspielwindungen ganzer Generationen eingehext hat. Harriet Herbig-Matten, mit braungewelltem Haar und einem fröhlichen großzahnigen Grinsen, wird wohl noch lange mit der Rolle dieser "Tina" in Verbindung gebracht werden. Daran ändert auch nichts, dass die geplante Promoreise durch Deutschland gerade wegen des Coronavirus abgesagt werden musste. "Kinder sind die treusten Fans", sagt die Jungschauspielerin, die früher selber oft "Bibi und Tina"-Hörbücher gehört hat.

Dem Publikum dürfte die abgesagte Premierenfeier einerlei sein, denn das schaut die neuen Folgen natürlich eh nicht mehr im Kino, sondern längst daheim. Aus der einstigen Kinderhörspielreihe "Bibi und Tina" macht Amazon eine internationale Serie, die in 200 Ländern gezeigt werden soll. Passend zu den Ausgangsbeschränkungen dieser Tage stellt der Streaming-Anbieter die erste Staffel an diesem Wochenende vom 3. bis zum 5. April kostenlos zur Verfügung.

Zuvor hatte Regisseur Detlev Buck den Stoff schon in die Kinos gebracht, für die Amazon-Serie mussten nun aber wieder jüngere Schauspielerinnen ran. So kam Herbig-Matten zu ihrer Rolle als Tina. Darin kann man sie tanzen, singen und auf ihrem Filmpferd Amadeus, das in Wirklichkeit Henri heißt, über den Martinshof, der in Wirklichkeit irgendwo in Brandenburg liegt, traben sehen. Die dreieinhalb Monate Drehzeit letzten Sommer waren eine aufregende Zeit für die Weßlingerin, wenngleich sie doch Regisseur Detlev Buck bereits als Schauspielkollegen kannte von der "Pubertier"-Verfilmung. Schon in diesem Film spielte Herbig-Matten die namensgebende Hauptrolle - eine echte Überraschung für die Jugendliche aus dem Fünfseenland, die noch nie zuvor Schauspielunterricht genommen hatte. "Die erste Schauspielrolle gleich in einem großen Kinofilm mit Leuten wie Heike Makatsch und Jan Josef Liefers - das war ein ganz schön cooler Start", sagt sie heute.

Tina-Darstellerin Harriet mit Hund Laszlo.

(Foto: Arlet Ulfers)

Als sie die Zusage für die Rolle der Tina kam, habe sie sich sehr gefreut, sie fand es "megakrass" - musste sich daraufhin aber erst mal einen Reitstall in der Nähe von Weßling suchen. "Ich bin noch nie davor geritten", erzählt die 17-Jährige, "Meine Mutter hat eine Pferdeallergie." Schließlich nahm sie Unterricht auf einem Hof bei Fischen, in der Nähe des Kloster Andechs. Wenn Herbig-Matten heute ihre ersten Reitversuche auf dem Handybildschirm betrachtet, muss sie lachen, so "unkontrolliert" sehen diese für sie aus.

Dabei ist sie sonst durchaus sportlich: Sie fährt Ski und Snowboard, spielt Tennis auf Turnierniveau, wenn keine Dreharbeiten dazwischen kommen. Sie hat zehn Jahre lang Ballett geübt, heute tanzt sie Hip Hop in Hechendorf, das sei "ein bisschen lockerer". Am liebsten würde sie auch Fußball spielen, aber "hier gibt es bloß Jungsmannschaften", erzählt sie kichernd. Inzwischen mache ihr das Reiten richtig Spaß. Auch wenn ausgerechnet am ersten Drehtag ihr Filmpferd mit ihr durchgegangen sei und wilde Galoppsprünge machte. Für die gewünschten Galoppszenen gab es dann später Doubles bei den Dreharbeiten.

Mitschuld am frühen Erfolg der Nachwuchsschauspielerin trägt wohl auch ihr großer Bruder. Der neun Jahre ältere Linus Herbig-Matten ist Filmemacher und begann schon früh, seine kleine Schwester als Hauptrolle in Kurzfilmen und Werbeclips zu besetzen. Vom Bettlermädchen bis zur Krimizeugin spielte Harriet in den Filmen ihres Bruders mit, eine lehrreiche Zeit für beide. Seine kleine Schwester sei sehr emphatisch und könne die Emotionen in unterschiedlichen Rollen deshalb so gut rüberbringen. "Wenn man in ihre großen Augen schaut, dann kann man da viel Traurigkeit und zugleich Fröhlichkeit lesen", sagt er. Über den Bruder kam auch der Kontakt zur Casterin zustande, die Harriet spontan zum "Pubertier"-Casting von Regisseur Leander Haußmann mitnahm. "Ich war damals erst zwölf und bekam eine Absage, weil es hieß, ich sei zu jung", erzählt Harriet Herbig-Matten. "Ein halbes Jahr später wollten sie mich dann doch." Als Pubertier eben, in der Hauptrolle. Herbig-Matten, die übrigens nicht mit Michael "Bully" Herbig verwandt ist, stieg gleich groß ein.

Harriet Herbig-Matten

"Bibi und Tina" läuft jetzt als Serie mit der Weßlingerin Harriet Herbig-Matten als Tina an.

(Foto: Andreas Schlieter/Amazon.com)

Seit anderthalb Wochen ist sie nun aber daheim in Weßling im Haus der Eltern und lernt. Von den Lehrern ihrer Münchner Schule bekommt sie online Aufgaben geschickt, vor allem in Mathematik und Biologie sei das ziemlich anstrengend. Aber für Herbig-Matten ist es nichts Neues, sie musste schon öfters Stoff nachholen, den sie wegen der Dreharbeiten verpasst hatte. "Ich bin keine Einser-Schülerin, aber das war schon wichtig, dass ich da am Ball bleibe", sagt die Elftklässlerin, die auf jeden Fall ihr Abi machen will. Danach? Träumt sie von Berlin und großen Rollen.

Gar nicht so unwahrscheinlich, dass diese Träume wahr werden. Detlev Buck hatte sie jüngst auch für seine Verfilmung des Klassikers "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" besetzt. Die laufenden Dreharbeiten mussten nun jedoch wegen der Corona-Krise abgebrochen werden, bevor Herbig-Matten zum Einsatz kam. Ihr Freundeskreis in Weßling freue sich für sie über ihren Erfolg. "Aber ich versuche das ein bisschen zu trennen und erzähle gar nicht so viel von den Filmen, die ich mache. Hier in Weßling ist mein Zuhause, und in Berlin bin ich halt öfter für die Schauspielerei." Inzwischen redet die Elftklässlerin recht routiniert von den Großen des Filmgeschäfts: "Leander Haußmann ist als Regisseur schon sehr speziell, aber viele haben zu mir gesagt: Wenn du mit dem gedreht hast, dann kann dich nichts mehr schocken". Irgendwann wolle sie auch mal ernstere Rollen spielen, sagt sie. Ein Pferdemädchen will sie sicher nicht für immer bleiben.

© SZ vom 03.04.2020

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