bedeckt München 22°

Bezirksausschuss:Seite an Seite gegen Kiesabbau

Kieswerk "Glück" in Gräfelfing, 2018

Ein Grund für den Protest und zugleich unverzichtbar beim Kiesabbau: ein Lkw der Kieswerke Glück.

(Foto: Robert Haas)

Würmtal-Gemeinden und München wollen Naherholungsraum schützen

Planegg/FürstenriedDer Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln reiht sich ein bei den Gegnern eines Kiesabbaus im Bannwald der Heiliggeistspital-Stiftung südwestlich von München (Planegger Holz, Forst Kasten). Gemeinsam mit Gemeinden des Würmtals und Bürgerinitiativen will die Stadtteilvertretung verhindern, dass ein wichtiges Naherholungsgebiet der Münchner Bevölkerung zerstört und das Stadtklima weiter beschädigt wird. An die Stadt und den Landkreis München erging die Aufforderung, "den Kiesabbau aus den Forsten zurückzudrängen". Aus den selben Gründen will nun auch die SPD-Stadtratsfraktion prüfen lassen, ob es möglich ist, von der Vergabe der derzeit ausgeschriebenen Kiesfläche im Forst Kasten "Abstand zu nehmen".

In dem mehrheitlich angenommenen BA-Antrag der Fürstenrieder Sozialdemokraten an die Adresse von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird ausdrücklich an das bayerische Waldgesetz erinnert. Danach sei der Wald "vor allem in Verdichtungsräumen unersetzlich". Ihm komme eine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima, den Wasserhaushalt und die Luftreinigung zu. Ergänzt wurde der Antrag um eine Erklärung des stellvertretenden BA-Vorsitzenden Alexander Aichwalder (Grüne). So ist die Stadt nun explizit aufgefordert, in Zukunft überhaupt keine Flächen zum Kiesabbau mehr zur Verfügung zu stellen. Der Stiftungszweck könne auch mit den Erlösen aus der bestehenden Holzbewirtschaftung oder dem Biergarten erfüllt werden.

Aichwalder war es auch, der dazu aufrief, das Landratsamt München "stärker in die Pflicht" zu nehmen, denn diese Behörde habe wiederholt schädliche Ausnahmen beim Kiesabbau bewilligt. Stattdessen solle das Landratsamt lieber auf die vorgeschriebenen Renaturierungen achten. Diese seien bisher "schlecht gemacht" worden. Gefördert werden müssten umweltfreundliche Ersatzstoffe. Nicht zuletzt um die Fahrten der Lastwagen zu reduzieren, dürfe höchstens noch der regionale Kiesbedarf abgebaut werden, forderte Aichwalder. Zuletzt hatten die Pläne der Firma Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH auch in Gräfelfing Wellen geschlagen. Glück, eines des größten Kieswerke in Bayern, hat dort seinen Sitz. Dennoch votierte der Gemeinderat gegen die neuerlichen Abbaupläne.

Am aktuellen Bauboom in München - der Stadt gehört die Heiliggeistspital-Stiftung - lässt sich andererseits ein weiterhin wachsender Kiesbedarf ablesen, auf den die Firma Glück regelmäßig hinweist: Nach heutigem Stand reiche der Vorrat nur noch sieben Jahre; um den begehrten Rohstoff zu sichern, führe an neuen Abbaugebieten kein Weg vorbei. Dass die Diskussion noch längst nicht abgeschlossen ist, schwant auch Alexander Aichwalder: "Der wirtschaftliche Druck wird wohl anhalten."