Kunst in Bernried:Das ganze Dorf eine Galerie

Bernried verwandelt sich bei der Sommerausstellung zum Klosterjubiläum endgültig in einen Vorzeigeort. Bilder einheimischer Künstler sind auf große Banner projiziert worden und schmücken nun Hausfassaden.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Bernried: Kunstspaziergang

Monika Grashäusers Landschaftsbild ist zwischen den Bahnhofsfenstern eingepasst worden.

(Foto: Nila Thiel)

Der Künstler Gerd Eisenblätter ist bekannt für seine ruhigen, stimmigen Farbflächen, die von klaren Linien begrenzt werden. Sein Gemälde "Allee zwischen den Feldern" wurde auf ein großes Banner projiziert und hängt an der Außenwand im Eingangsbereich des Sommerkellers Bernried. Es fügt sich harmonisch in die Gartenbepflanzung ein, die in Stufen vor der nackten Betonfassade angeordnet ist. Keine Frage, dieses Werk ist exakt an der richtigen Stelle platziert, ebenso wie die Metall-Skulptur "Aus den Fugen" von Oskar Imhof oder das abstrakte Gemälde "Her mit dem Sommer" von Susanne Meyer. An einer alten Scheune gegenüber nimmt Daniela Satzinger "Das bisschen Haushalt" auf die Schippe. Die fröhlichen Farben des Bildes wiederholen sich in Christine Philipps Kunstwerk "Gefärbtes Getreide" daneben.

Da bei den ersten Planungen zur traditionellen Bernrieder Kunstausstellung im Winter noch nicht abzusehen war, ob sie im Sommerkeller stattfinden kann, kam die Idee auf, das Ganze nach draußen zu verlegen. Das ganze Dorf wird damit zur Galerie: 45 Wandtransparente hängen nun an Hausfassaden, 13 Skulpturen säumen den Weg vom Bahnhofsgebäude durch den historischen Ortskern bis zum Buchheim-Museum. In monatelanger Kleinarbeit haben die Initiatorinnen Ingrid Klemm-Beyer und Julia Compagnon ein Konzept für den Kunstspaziergang ausgearbeitet. Sie gingen durchs Dorf und fotografierten Hausfassaden, die ihrer Meinung nach für ein Kunstbanner in Frage kommen könnten. Im Februar gingen sie zur konkreten Planung über.

Julia Compagnon, die einen Betrieb für Design und Illustration führt, hat Vorschläge zur möglichen Platzierung der Kunstwerke nach Form, Farbe oder Ausschnitten erarbeitet und am Computer eine Simulation erstellt. Anschließend wurden erste Banner an öffentlichen Gebäuden aufgehängt, damit die Bürger eine Vorstellung bekamen, wie die Wandtransparente an ihren Häusern aussehen könnten. Erst dann führten die Initiatorinnen Verhandlungen mit den Hauseigentümern. Laut Klemm-Bayer ist die Idee bei den Bernriedern durchweg auf positive Resonanz gestoßen. Ein Ehepaar wollte das Banner an seiner Hausfassade sogar gleich kaufen. "Wir waren uns immer ganz schnell einig", sagt Klemm-Beyer, die auch ihre eigenen Werke ausstellt.

Bernried: Kunstspaziergang

Die Initiatorinnen Julia Compagnon (li.) und Ingrid Klemm-Beyer.

(Foto: Nila Thiel)

Eines ihrer Landschaftsbilder wurde für das Plakat verwendet, und das Werk "Angler am Morgen" ist an der Fassade des ehemaligen Chauffeurhäuschens der Bernrieder Mäzenin Wilhelmine Busch-Woods zu sehen. Julia Compagnon hat ihr Werk "samesamebutdifferent" auf ein riesiges Banner projiziert, das jetzt den Silo-Turm des Hofgutes in fröhlichen Farben taucht. Andere hässliche Fassaden werden ebenfalls von Wandbannern verdeckt. Die Mehrfamilienhäuser der Wohnbau GmbH am Grundweiher werden mit dem farbenprächtigen Bild "Indian Summer" von Fancher Brinkmann und mit den Holz-Skulpturen "Füreinander" und Mutterliebe" von Oskar Imhof sogar so aufgewertet, dass sich mancher Besucher die Frage stellt, ob die geplante Sanierung tatsächlich notwendig ist. Die Fassade des Gasthofs Drei Rosen ziert das Blumenbild "Vergänglichkeit" von Birgit Gössinger, und am Torbogengebäude des Klosters Bernried erweckt das "Fenster 5" von Annemarie Hahne im Trompe-l'oeil-Stil die Illusion eine Eingangstüre.

Bernried: Kunstspaziergang

Die Stahlkugel "Aus den Fugen" von Oskar Imhoff.

(Foto: Nila Thiel)

In dem Künstlerdorf waren schon Mitte des 19. Jahrhunderts bekannte Maler, wie Moritz von Schwind oder Wilhelm Leibl auf der Suche nach Motiven. Später folgten Lovis Corinth und die Brüder Josef und Ludwig Willroider nach. Die Werke der alten Meister sollten nun zunächst an Gebäuden aufgehängt werden, in denen sie auch gearbeitet hatten. Das war nicht immer möglich, man musste improvisieren. Die Willroider-Villa etwa steht unter Denkmalschutz. Da habe man keine Chance, ein Banner auch nur für kurze Zeit aufzuhängen, sagt Klemm-Beyer. Willroiders Landschaftsbild "Bernried am Starnberger See" ist deshalb auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu sehen.

Bernried: Kunstspaziergang

Am Rathaus steht Oskar Imhoffs Holzskulptur "Maria, Josef und Jesus".

(Foto: Nila Thiel)

Der Kunstspaziergang soll auch Menschen ansprechen, die normalerweise keine Ausstellungen besuchen. Dies zeigen die "Zaungäste" von Karin Bach, die sich den Weg entlang unter Büschen und Bäumen verstecken. Kinder machen sich begeistert auf die Suche nach den kleinen Fantasiegestalten oder turnen auf den Steinskulpturen "Krieger" von Leonhard Schlögel herum. Im Klosterhof und an der Rückseite des Leichenhauses laden stille Kunstwerke zum Nachdenken und Innehalten ein. Die Wandtransparente wurden den Künstlern zum Selbstkostenpreis überlassen, sie stehen ebenso wie die Originale zum Verkauf. In allen Geschäften und Einrichtungen liegen Flyer mit Informationen zu den Künstlern sowie den Standorten ihrer Werke aus.

Die Ausstellung zur 901-Jahr-Feier des Klosters wird an diesem Sonntag um 11 Uhr am Bahnhof Bernried eröffnet. Sie dauert bis Ende September.

© SZ vom 31.07.2021
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