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Geothermie:Hoffen und Bangen

Plan Geothermie Projekt Bernried

So sollte die Anlage einmal aussehen, wenn sie fertig ist.Simulation: BE-Geothermal

Beim Geothermie-Projekt geht zwar nichts voran, aber die zuständige Firma hofft jetzt auf erfolgreiche Probe-Bohrungen der Gemeinde Wielenbach bei Weilheim

Nach zweijährigem Stillstand zweifeln selbst Optimisten an einer Umsetzung des Geothermie-Projekts in Bernried. Dennoch will sich die Gemeinde weiterhin alle Türen offen halten. Gegen die Stimme von Christine Philipp (BL) befürwortete der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, dass die Baugenehmigung für das Kraftwerk und das Brunnenhäuschen um weitere zwei Jahre verlängert wird.

Nach den Planungen der Firma BE-Geothermal sollte bereits in der Winterperiode 2016/17 Fernwärme nach Bernried und Tutzing geliefert werden. Als jedoch eine Bohrung in dem nur 15 Kilometer entfernten Geretsried vor zwei Jahren nicht erfolgreich war, sind die Planungen gestoppt worden. Wegen des hohen Risikos waren die Versicherungen nicht mehr bereit, die Investitionen im Falle eines Scheiterns abzudecken. Nach Angaben von BE-Geothermal-Chef Lutz Stahl verlangen die Investoren eine Risikoabsicherung für die erste Bohrung, die etwa 15 Millionen Euro kostet.

Wie er einräumte, sind die Verhandlungen mit der Versicherung jedoch bis heute ohne Erfolg geblieben. Nun setzt BE-Geothermal die Hoffnungen auf die Probebohrungen in Wielenbach zwischen Tutzing und Weilheim. Die Gemeinde Wielenbach plant in der Lichtenau ein eigenes Geothermieprojekt, die Bohrstelle liegt ebenfalls 15 Kilometer von Bernried entfernt. Falls die Bohrungen dort erfolgreich sein sollten, werde sich dies positiv für Bernried auswirken, glaubt Stahl. Zumal auch die Bohrungen in Holzkirchen erfolgreich gewesen seien. Nach Geretsried ist das geologische Modell laut Stahl neu berechnet worden. "Das fiel so positiv aus, dass die Investoren überzeugt werden konnten weiterzumachen." Vor dem Hintergrund, dass auch das EEG-Gesetz noch entsprechend geändert und die Geothermie weiterhin gefördert werden soll, glaubt Lutz nun, dass "die Parameter auf Grün stehen".

Bürgermeister Josef Steigenberger indes teilt diesen Optimismus nicht. "Ich bin noch nicht überzeugt, dass es bald weitergeht", sagte er. Mit Blick auf das geplante Fernwärmeprojekt hatte die Gemeinde sogar die Sanierung von Straßen teilweise auf Eis gelegt oder zumindest hinausgezögert. Darauf nimmt man jetzt keine Rücksicht mehr. Im Gemeinderat gab es eine hitzige Debatte, nicht etwa, weil man an dem Projekt zweifelte, sondern wegen einer Erklärung von Christine Philipp (BL).

Die Bernrieder Liste stand dem Geothermie-Projekt stets kritisch gegenüber. Ein Kraftwerk mitten im Landschaftsschutzgebiet, das keine Rücksicht nehme auf Mensch, Natur- und Tierwelt, lehnt die BL ab. Man trage große Verantwortung für den Erhalt der Dorfgemeinschaft und der herrlichen Natur, schreibt Philipp. Wer ganzheitlich und zukunftsbewusst denke, könne nicht für ein Kraftwerk im Landschaftsschutzgebiet stimmen. Leider gebe es Menschen, auch im Bernrieder Gemeinderat, die das nicht begreifen wollten.

Wolfgang Mutter (FDP) zeigte sich verärgert darüber, dass dem Gemeinderat "Unwissen und Unverständnis" unterstellt werde, Walter Westermeier (SPD) nannte die Argumentation der BL "eine Frechheit". Man habe auch eine Verantwortung, für regenerative Energien zu sorgen. Und Bürgermeister Steigenberger wies darauf hin, dass die Gemeinde auch Aussiedlerhöfe befürworte, die ebenfalls im Landschaftsschutzgebiet liegen. Sie hätten zudem eine deutlich größere Versiegelungsfläche als ein Geothermie-Kraftwerk. "Auch wenn es ein Eingriff ist, der weh tut, ist es ein sinnvoller Verbrauch", sagte er.

Seit 2014 geht bei der Geothermie nichts weiter. Immer wieder hoffte man in Bernried noch, dass der Investor das nötige Geld auftreiben kann - bisher vergeblich. Allerdings stieß das Projekt nicht überall auf Zustimmung. Eine Bürgerinitiative befürchtete durch die Bohrungen erhebliche Schäden an den Häusern. Ein weiterer Kritikpunkt war der Landschaftsschutz.