Jahrelang hat der Bernrieder Arbeitskreis Energie (AK) an einer Bestandsaufnahme der Emissionen in Bernried gearbeitet und eine Ausstiegsstrategie zur Erreichung einer Null-CO2-Emission für gemeindliche Gebäude erstellt. Ein entsprechender Antrag von Andreas Lüdtke (ÜFW) ist im Januar einstimmig befürwortet worden. Die Fraktion der Bernrieder Liste/ Grüne hat später einen Antrag zur Konkretisierung der Ausstiegsstrategie nachgereicht, der in der jüngsten Gemeinderatssitzung nach eingehender Diskussion einstimmig befürwortet worden ist. Das Fazit der Debatte: Ohne die Bürger lassen sich die Klimaziele nicht verwirklichen.
Bei den erneuerbaren Energien ist Bernried Schlusslicht im Landkreis
Bis zum Jahr 2035 will die Gemeinde Bernried klimaneutral sein. Nach den Berechnungen des AK Energie wurde jedoch in der Gemeinde bislang nur wenig umgesetzt. Mit einem Anteil an erneuerbaren Energien von nur 7,9 Prozent sei Bernried "Schlusslicht im Landkreis" und der "Aufholbedarf sehr groß", heißt es in dem Antrag. Im Gremium war man sich ebenfalls darin einig, dass der Klimaschutz nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden kann. Auf der Klausurtagung kam das Gremium zu dem Ergebnis, dass die Umsetzung der Ziele schwierig sei, weil der Handlungsspielraum der Gemeinde begrenzt ist. "Auf viele Punkte hat die Gemeinde keinen Einfluss", erklärte Bürgermeister Georg Malterer. Deshalb müsse die Dorfgemeinschaft mit ins Boot geholt werden.
Laut Michael Haberl (Grüne), der den Antrag gestellt hatte, besteht die wichtigste Aufgabe darin die Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen. Ansonsten sei die Gefahr groß, dass der Antrag in der Schublade verschwinde. Die Bernrieder sollen nun auf Informationsveranstaltungen dazu motiviert werden selbst etwas zu tun, etwa ihre Heizung optimieren, ihre Häuser dämmen, das Auto mal stehen lassen und auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen oder ihren "ökologischen Fußabdruck" reduzieren. Die Gemeinde indes will Klimaschutzmaßnahmen vorerst auf die kommunalen Gebäude beschränken, beispielsweise durch energetische Sanierung. Sie kann den Klimaschutz aber auch in den Bebauungsplänen festschreiben, die Versiegelungsflächen reduzieren oder den Hochwasserschutz ausbauen.
Ein Klimaschutzmanager arbeitet seit 2019 in Teilzeit, der Vertrag läuft dieses Jahr aus
Laut Antragsbegründung setzt Klimaschutz eine übergreifende Planung und Steuerung voraus. Daher hatte der Gemeinderat bereits 2019 beschlossen einen Klimaschutzmanager auf Teilzeitbasis einzustellen, der ein entsprechendes Maßnahmenpaket erarbeiten sollte. Zunächst wollte man sich mit der Nachbargemeinde Tutzing zusammentun, doch die Pläne hatten sich zerschlagen. Alleine kann die Gemeinde jedoch die Stelle nicht finanzieren, wenn die Förderung nach drei Jahren ausläuft. Die hohen Personalkosten für einen eigenen Klimaschutzmanager stehen nach Ansicht von Markus del Fabbro (BLB) in keinem Verhältnis zur Leistung. Er erinnerte daran, dass die Gemeinde dem Energieeffizienz-Netzwerk-Oberland beigetreten ist. Mit diesem Partner könne sie sich kompetente Beratung holen und Klimaschutzprojekte durchführen. Der Arbeitskreis Energie hat ebenfalls schon viel Vorarbeit geleistet und knapp 60 Vorschläge für mögliche Klimaschutzmaßnahmen in Bernried erarbeitet. Als Kompromisslösung soll das Klimaschutzmanagement nun in Zusammenarbeit mit dem AK entwickelt werden.