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Bernried:Bürgerbegehren für Naturschutz gefährdet womöglich Klosterkauf

Bernried Reitweg Grundstück Waldhortgrundstück

Bleibt das Waldhortgrundstück am Reitweg eine Naturlandschaft, könnte der Gemeinde Bernried das Geld für den Klosterkauf fehlen.

(Foto: oh)

Die Kontroverse um den Verkauf des Bernrieder Hanggrundstücks am Reitweg bringt klammes Kloster in Zeitdruck und viele Bürger auf

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

Die Emotionen beim geplanten Verkauf des Waldhortgrundstücks am Reitweg 16 in Bernried kochen hoch. Rund 30 Bürgeranträge sind innerhalb weniger Tage im Rathaus eingegangen, die Bürgermeister Georg Malterer in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag vorstellte. Die Bürgerliste Bernried/Grüne (BL/DG-Fraktion) strebt ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf des "Filetgrundstücks" an, das sie als Naturlandschaft erhalten wollen. Die meisten Bürger in der Sitzung befürworteten aber in teilweise sehr deutlichen Worten einen Verkauf. Eine Gruppe von Bürgern hatte gar einen in Geschenkpapier verpackten Lottoschein an den Rathauschef geschickt und "sauviel Glück" für einen Sechser im Lotto gewünscht, damit sich der Streit um die Kreditaufnahmefähigkeit der Gemeinde bald erübrige.

Die beiden Grünen-Gemeinderäte und Mitinitiatoren des Begehrens, Michael Haberl und Franz Eder mussten viel Kritik einstecken. Wegen des großen Andrangs von rund 60 Zuhörern hatte der Rathauschef diesen Teil der Sitzung kurzerhand umfunktioniert in eine "kleine Bürgerversammlung" und die Besucher durften mitreden. Auch zwischen den Gemeinderäten war der Ton für Bernrieder Verhältnisse ungewohnt scharf. Die dreistündige Debatte glich streckenweise einem Tribunal. Haberl (Grüne) äußerte sich zu den Angriffen nicht. Achim Regenauer distanzierte sich von der Initiative und gab seinen Austritt aus der Bernrieder Liste Mensch und Natur (BL) bekannt. Wenngleich er weiterhin ökologische Ziele verfolge und auch keine Einwände gegen ein Begehren habe, halte er den Zeitpunkt falsch, begründete er seinen Schritt.

Mit dem Verkauf des Grundstücks will die Gemeinde 13 Wohneinheiten im Projekt für Betreutes Wohnen finanzieren, das sie gemeinsam mit der Ambulanten Krankenpflege Tutzing in der Nähe des Waldhortgrundstücks baut. Platzt der Verkauf, müsste die Kommune das Projekt mit Hilfe eines Kredits finanzieren. Um sich nicht zu überschulden, könnte sie aber dann keinen weiteren Kredit mehr aufnehmen. Der aber sei dringend notwendig für den geplanten Klosterkauf, argumentiert die Gemeinde. Der Grundstücksdeal habe mit dem Klosterkauf nichts zu tun, versuchte Eder zu erklären. Wie er betonte, glauben die Initiatoren, dass der Klosterkauf durchaus möglich wäre, wenn andere Investitionen, wie etwa die Fertigstellung des Sommerkellers, verschoben werden. Doch weder die Ratsmehrheit noch die Zuhörer fanden diesen Vorschlag realistisch. "Glauben heißt nicht wissen. Bitte machen Sie aus dem Glauben ein Wissen", riet die Missionsbenediktinerin Schwester Gabriela Haack den Initiatoren unter dem Applaus der Besucher. Nach Angaben der Oberin des Klosters, Schwester Mechtild Hommel, steht das Kloster massiv unter Zeitdruck, weil es den vom Landratsamt dringend geforderten Brandschutz nicht finanzieren kann. Wenn sich jetzt der Verkauf wegen des Begehrens um Monate verzögere, "ist es vorbei", betonte sie. Das Kloster müsse geschlossen werden und 35 Arbeitsplätze fielen weg. Malterer zufolge will niemand den Entscheid als demokratisches Mittel verhindern. "Aber er wird Gräben öffnen", befürchtete er. Letztendlich einigte man sich darauf, dass noch ein Versuch gestartet wird, um mit den Initiatoren eine gemeinsame Lösung zu finden. Sollte es dennoch zu einem Bürgerbegehren kommen, will der Gemeinderat mit einem Ratsbegehren gegensteuern.

Als Ziele für den Erwerb des Waldhortgrundstücks hatte die Gemeinde vorgegeben, dass nur maximal 25 Prozent des Grundstücks versiegelt werden dürfen, die Bebauung auf zwei Geschosse begrenzt wird und die Topografie sowie der alte Baumbestand erhalten werden. Wie Malterer einräumte, hatte ein Gutachten ergeben, dass es auf dem Areal Zauneidechsen gibt. Sie könnten umgesiedelt und eine neue Biotopkartierung erstellt werden. Die dichteste Bebauung sieht 18 Wohneinheiten in drei Gebäuden vor. Bei der "Minimalvariante", wie es Malterer nannte, wird eine Bebauung mit zwei, jeweils zweigeschossigen Einfamilienhäusern vorgeschlagen. Dadurch würden lediglich 15 Prozent des Areals versiegelt. Der Städteplaner könnte sich deshalb ein drittes Gebäude vorstellen. Ein anderer Investor schlägt eine Bebauung mit sieben Doppelhäusern in Holzbauweise vor. Der Nachteil ist jedoch, dass bei drei Gebäuden die Grenze zum Landschaftsschutzgebiet überschritten wird. Ein weiterer Bewerber überschreitet die vorgegebenen zwei Stockwerke. In dem Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten ist ein drittes Geschoss mit einem zurückgesetzten Penthouse vorgesehen. Ein Vorschlag lässt mehrere Varianten zu. Es könnten Doppelhäuser entstehen oder Etagenwohnungen in drei bis fünf Gebäuden. Über die Vorschläge hat der Gemeinderat nicht-öffentlich nach städtebaulichen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten diskutiert. Man habe die Intensität der Bebauung sehr stark gewichtet und eine Prioritätenliste erstellt, sagte Malterer auf Anfrage.

© SZ vom 14.12.2020
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