Kultur Ein Kunstschatz für das Buchheim Museum

Das Bernrieder Museum erhält 1030 Werke von Brücke-Künstlern aus der Sammlung von Hermann Gerlinger. Ein Teil davon wird von Oktober an gezeigt.

Von Armin Greune, Bernried

Für das Buchheim Museum ist es wahrlich ein historischer "Brückenschlag": Mit der Übernahme der Sammlung von Hermann Gerlinger ist der Bestand an Werken von Brücke-Künstlern schlagartig auf das Doppelte angewachsen - zumindest für die nächsten zehn Jahre. Er umfasst nun etwa 2000 Exponate. Dieses für alle Beteiligten höchst erfreuliche Ereignis stand am Mittwoch im Mittelpunkt eines Mediengesprächs, bei dem das Jahresprogramm des Museums vorgestellt wurde. Er sei "überglücklich über die wunderbare Leihgabe", sagte Museumsdirektor Daniel Schreiber: "Es ist unser tiefer Wunsch, damit über die zehn Jahre hinauszugehen." Mehr als 50 Jahre lang hat Gerlinger 1030 Werke der Brücke-Maler zusammengetragen. Von 2001 bis 2016 stand die Sammlung der Stiftung Moritzburg in Halle (Saale) als Dauerleihgabe zur Verfügung. Doch als dort ein Selbstporträt von Karl Schmitt-Rottluff verloren ging, nutzte Gerlinger eine Ausstiegsklausel im Dauerleihvertrag.

Direktor Daniel J. Schreber kann sich über einige Zustiftungen und eine ebenso spektakuläre wie großzügige Dauerleihgabe freuen.

(Foto: Arlet Ulfers)

"Es steht niemandem zu, eine Sammlung wie diese für mich selbst zu reservieren", sagte der Sammler nun in Bernried. Unter den Angeboten vieler Museen sei ihm die Sammlung Buchheim "mit weitem Abstand am geeignetsten" für seine Kunstwerke erschienen. Gerlinger ist sich sicher, dass der Zusammenschluss "eine ganz neue und erhellende Sicht auf Die Brücke ermöglicht". Während Lothar Günter Buchheim vor allem frühe Hauptwerke der Brücke-Künstler erwarb, habe der Ingenieur Gerlinger "sehr systematisch gesammelt", meinte Schreiber: Die zusätzlichen Exponate verliehen dem Buchheim Museum "zusätzliche Glanzpunkte und systematische Tiefe". Einige Bildbeispiele mit Werken von Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein illustrierten, wie perfekt die beiden Sammlungen sich ergänzen. "Im Grunde ist es ein neues Museum," das viele Forschungsaufgaben mit sich bringe, "eine große Aufgabe, der ich mit viel Freude entgegensehe", sagte der Museumsdirektor. In Bernried biete der Expressionistensaal "sehr viel Spielraum für eine qualitative Verdichtung". Vom 28. Oktober an will Schreiber in einer ersten kombinierten Ausstellung "die Bilder miteinander sprechen lassen".

Der 85-jährige Würzburger Unternehmer und Sammler Hermann Gerlinger sieht seine Kunstschätze im Buchheim Museum am besten aufgehoben und präsentiert.

(Foto: Arlet Ulfers)

Aber bis dahin hat das Buchheim Museum noch einiges mehr zu bieten. Die Frühjahrsausstellung vom 2. April bis 9. Juli ist Hans Purrmann gewidmet, der zwar von Matisse beeinflusst war, aber mit seiner auf einer optimistischen Weltsicht beruhenden Malerei einen ganz eigenen Weg fand. Mit "Nolde und das Groteske" will Schreiber an den großen Erfolg der Hundertwasser Ausstellung anknüpfen: Mehr als 100 Kunstwerke, darunter 40 Gemälde aus Leihgaben, werden vom 23. Juli bis 15. Oktober in Bernried zu sehen sein. Eine Stiftung mit 40 Werken des US-Künstlers Holmead ist die Basis für eine Werkschau des Malers (16. Juli bis 3. Oktober): Er gilt als Meister des kruden Expressionismus, der mit seinem "Shorthand Painting" figurative oder abstrakte Motive in wenigen Minuten zielsicher aufs Bild spachtelte.

Eine gänzlich andere Zustiftung wird vom 29. April an im Buchheim Museum gezeigt: Herbert Scherreiks "Schloss Zwerkapfelkern" ist eine gigantische Puppenstube, an der der Münchner Künstler bis zu seinem Tod 2016 sechzig Jahre lang gearbeitet hat. Erstmals will sich das Museum auch an der Bernrieder Kunstausstellung im August beteiligen: "Wir wollen noch enger mit der Gemeinde zusammenwachsen", sagte Schreiber, die Partner planen dazu noch ein Projekt mit EU-Fördermitteln. Und schließlich wird vom 16. Juli an Jawlenskys zweites Bild mit dem Namen "Kopf in Blau" aus dem Jahr 1918 ausgestellt, das mit dem berühmten Kopf aus dem Jahr 1912 im Bestand des Museums korrespondiert. Es sei die einzige Neuerwerbung in Bernried: "Wir haben ja nur geringe Mittel, um den Kaufdurst zu stillen", meinte Schreiber. Doch wer braucht schon Ankäufe, wenn er so großzügige Geschenke und Leihgaben bekommt.