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Bernried:Betreutes Wohnen ist begehrt

Die Nachfrage ist viel größer als das Angebot

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

In einem Jahr soll das Betreute Wohnen in Bernried fertig sein, und schon jetzt ist die Nachfrage viel größer als das Angebot. Wie Bürgermeister Georg Malterer im Gemeinderat berichtete, haben sich für die 13 Wohnungen in kommunaler Hand 46 Interessenten aus der Gemeinde gemeldet. Zusätzlich gingen 20 Bewerbungen aus der Umgebung ein.

Der Neubau ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Bernried und der Theresa-Petsch-Stiftung in Tutzing. Die Stiftung hatte Geld, aber kein Grundstück. Ein 3600 Quadratmeter großes Areal am Grundweiher hat darum die Gemeinde in Erbpacht zur Verfügung gestellt. Die Stiftung wiederum finanziert den Bau von 25 Wohneinheiten sowie 18 Tagespflegeplätzen und einer Sozialstation. Die Tagespflege soll von der Ambulanten Krankenpflege Tutzing betrieben werden, die Sozialstation vom Sozialen Netzwerk Bernried. Im März war der symbolische erste Spatenstich für das etwa 8,2 Millionen Euro teure Projekt. Die Gemeinde hat nun 13 Wohnungen von der Stiftung abgekauft, um sie in Eigenregie an Bernrieder vergeben zu können. Zur Finanzierung musste die Kommune ein Grundstück in der Nähe verkaufen.

Bei einem Treffen einer Arbeitsgruppe in der vergangenen Woche sind laut Bürgermeister Malterer erste Auswahlkriterien für die Vergabe von Wohnungen erarbeitet worden. Wer einen Wohnsitz in Bernried hat oder Angehörige, die in der Gemeinde wohnen, bekommt demnach eine höhere Punkteanzahl als Senioren aus einer Nachbargemeinde. Auch die sozialen Kontakte in der Gemeinde, das Alter oder der Pflegegrad sind Auswahlkriterien. So werden beispielsweise Menschen mit Handicap, die aktuell über keine barrierefreie Wohnung verfügen, mit einer höheren Punktezahl bewertet.

Sozialreferent Achim Regenauer (BL/Grüne) hatte zuvor kritisiert, dass das Alter zu stark gewertet werde. "Wir müssen die Schwelle herabsetzen in Richtung Pflegebedürftigkeit", sagte er. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Wohnungen an rüstige Senioren vergeben werden und anschließend womöglich 20 Jahre lang belegt seien. Wie die frühere Gemeinderätin und stellvertretende Netzwerk-Vorsitzende Ingrid Klemm-Beyer erklärte, komme es oft auf den Pflegegrad an, welche Wohnform geeignet sei. Ins Betreute Wohnen ziehen meist Menschen ein, die selbständig sind. Falls sie Pflege benötigen, können sie diese Leistung selbst beauftragen. Laut Klemm-Beyer könnten in Bernried und Tutzing unterschiedliche Auswahlkriterien gelten, da die Gemeinden ihre Wohnungen unabhängig vergeben. Dennoch stehe man in enger Abstimmung. "Wir werden weiter diskutieren und uns nach Abstimmungsgesprächen mit Tutzing erneut treffen", erklärte Bürgermeister Malterer. Im September sei eine Informationsveranstaltung für die Bernrieder geplant; anschließend könnten sie sich offiziell bewerben. Über die Vergabe entscheide dann der Gemeinderat.

Malterer kündigte außerdem an, dass er wegen des großen Interesses an den Seniorenwohnungen mit den Eigentümern des Schmiedegeländes verhandeln werde. Auf dem Areal am Ortseingang von Bernried sollen ebenfalls zwölf Seniorenwohnungen entstehen. Außerdem sind dort 21 Familienwohnungen und Geschäfte geplant. Auch an der Bahnhofstraße soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Sie werden von der Wohnbau GmbH errichtet. Im Bebauungsplan sind dort elf Wohneinheiten plus eine Gewerbeeinheit festgelegt. Die Wohnbau GmbH wünscht sich nun eine Veränderung der Dachform sowie eine Aufstockung auf 15 Wohnungen. Der Gemeinderat muss noch darüber entscheiden, ob der Bebauungsplan entsprechend geändert werden soll.

© SZ vom 07.08.2020

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