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Berg:Wege-Check der "Roten Radler"

Die SPD untersucht die Alltagstauglichkeit von Radwegen und fasst die Ergebnisse in einer Broschüre zusammen

Von Sabine Bader, Berg

Wer mitreden will, sollte sich genau informieren. Das hat sich die Berger SPD zu Herzen genommen, sich in den Sattel geschwungen und einen Radwege-Check gemacht, den sie als Broschüre herausgebracht hat - Verbesserungsvorschläge inbegriffen. Die gute Nachricht: Viele der Vorschläge sind kostengünstig und lassen sich leicht umsetzen. Die schlechte: Es liegt einiges im Argen. Vorgeknöpft haben sich die "Roten Radler ", so nennen sich die strampelnden Genossen selbst, in der Hauptsache zwei Alltagsrouten entlang der Staatsstraßen. Die eine führt von Percha nach Allmannshausen und weiter nach Münsing und die andere von Berg nach Aufkirchen, Aufhausen, Höhenrain und Dorfen in Richtung Wolfratshausen.

Die Roten Radler der Berger SPD klappern checken das Radwegenetz.

Die "Roten Radler" der Berger SPD haben das Radwegenetz - hier am Ortsende von Höhenrain - kritisch unter die Lupe genommen.

(Foto: Bernhard von Rosenbladt/oh)

Wer bei schönem Wetter sein Rad besteigt, um auf dem Radweg von Percha entlang der Staatsstraße zu fahren, wird kurz vor Kempfenhausen zum ersten Mal ausgebremst. Denn an der Einfahrt zum Erholungsgelände Kempfenhausen stauen sich die Autos, die in den längst überfüllten Parkplatz nahe den "Seestuben" einbiegen wollen. "Die Behinderung und Gefährdung des Radverkehrs entsteht vor allem durch die ausfahrenden Autos, die vom Parkplatz auf die belebte und oft verstopfte Staatsstraße einbiegen wollen", hat die SPD festgestellt und glaubt: Eine "nachhaltige Entschärfung" wäre nur möglich, wenn die Ausfahrt vom Parkplatz anders geführt würde, nämlich über den Schiffbauerweg. Doch solange diese "große Lösung" nicht in Sicht sei, schlägt sie vor, den Geh- und Radweg an der Einmündung zum Parkplatz rot zu markieren. So sticht er besser ins Auge. Auch an der Abzweigung Etztalstraße in Berg wird es gefährlich, weil dort eine Überleitung vom gemeinsamen Geh- und Radweg auf den Schutzstreifen auf der Fahrbahn fehlt. Darum fahren viele Radler einfach weiter auf dem relativ breiten Gehweg, weil der ihnen offenbar ein größeres Sicherheitsgefühl vermittelt, vermutet die SPD. Bei denjenigen, die in der Gegenrichtung unterwegs sind, macht sich spätestens am Berger Kreisverkehr Ratlosigkeit breit. Denn es gibt keine markierte Möglichkeit, vom Schutzstreifen auf den Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu gelangen. Eine sichtbare Querungshilfe täte hier Not.

Stunde der Schutzstreifen

Wer mit dem Fahrrad von Berg in Richtung Wolfratshausen unterwegs ist, fühlt sich an vielen Stellen ebenfalls allein gelassen: gleich an der Abzweigung in Richtung Aufkirchen zum Beispiel. Wer dort die Straße überqueren will, ist völlig auf sich selbst gestellt. Denn hier müssen Radler ihr Fahrrad über einen Grünstreifen und über die stark befahrene Seeshaupter Straße schieben. Und was, wenn sie drüben angekommen sind? "Eine echte Fehlplanung" sei dieser Bereich, urteilt die SPD. Hier müsse nicht nur eine Querungshilfe über die Seeshaupter Straße, sondern auch ein Geh- und Radweg bis zum Lohacker gebaut werden. Bis Aufkirchen gibt es dann wenigstens einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Viele Radler bleiben dann in Aufkirchen auf dem Gehweg, weil ihnen die Straße zu gefährlich erscheint. Daher schlagen die Berger Genossen einen Schutzstreifen für Radler auf der Fahrbahn vor. Ähnliches gilt auch für die weitere Strecke in Richtung Aufhausen.

Wer in Fahrtrichtung Höhenrain unterwegs ist, muss die Fahrbahn zwei Mal queren. Das birgt zusätzliche Gefahren. Darüber hinaus sind kaum Einmündungsbereiche sichtbar markiert. In Höhenrain selbst sei der gemeinsame Geh- und Radweg zu schmal, heißt es. Ein durchgängiger Schutzstreifen am rechten Fahrbahnrand würde viele Probleme lösen. Während die Welt für die hiesigen Radwegeplaner an der Landkreisgrenze in Dorfen endet, geht sie für Radler natürlich weiter - bislang allerdings ohne sichere Anschlusswege. bad

Wer in Richtung Allmannshausen weiter radelt, der bleibt einfach auf dem Radweg, auch wenn ihn das nur bedingt glücklich macht. Denn es gibt mehrere Einmündungen, die Gefahrenquellen darstellen, weil sie bislang schlecht oder gar nicht gekennzeichnet sind. Nach Allmannshausen wird es dann aber vollends ungemütlich. Denn dort endet der Radweg unvermittelt - und das leider im Waldstück vor Weipertshausen, das besonders gefährlich, dunkel und kurvenreich ist. Ab Weipertshausen gibt es dann neuerdings einen Radweg bis Münsing. Er wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Jetzt fehlen nur noch die zwei Kilometer im Wald, um beide Radwege zu verbinden. Es hakt an den erforderlichen Grundabtretungen der Waldbesitzer. "Die jahrelange Blockierung dieses wichtigen Vorhabens ist nicht akzeptabel", schimpfen die Genossen und fordern: "Es müssen Wege gefunden werden, um solche Planungsprozesse zu beschleunigen!" Wie bereits sein Vorgänger Rupert Monn sucht jetzt auch Rupert Steigenberger nach einer Möglichkeit, den gordischen Knoten in Sachen Grundabtretung zu durchschlagen. Gemeinsam mit Münsings Bürgermeister Michael Grasl will er mit den Grundbesitzern verhandeln. Steigenberger ist ein erklärter Freund von Win-Win-Situationen.

© SZ vom 01.10.2020

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