Es gibt Bezeichnungen, die schrecken erst mal ab. Der Titel „Live24-cet-Entranc – Energy Transition in Citizens Hands“ zum Beispiel. Hinter der schier unaussprechlichen Abkürzung und dem langen englischen Titel verbirgt sich ein von der EU-gefördertes innovatives Projekt zur gemeinsamen Energienutzung. Die Energiegenossenschaft Fünfseenland hat sich um das EU-Vorhaben beworben und den Zuschlag erhalten, das Pilotprojekt mit lokalen Partnern umzusetzen.
Als regionale Wunschgemeinde für das Modell hat sich die Genossenschaft die Gemeinde Berg ausgesucht, weil diese sich durch ihre vier Windräder nach Ansicht der Verantwortlichen zum Aufbau des Projekts gut eignet. In der jüngsten Sitzung haben die Berger Gemeinderäte dem Ansinnen zugestimmt, künftig als Vorzeigekommune für das Vorhaben zu fungieren, zumal die Gemeinde laut Genossenschaft dadurch auch keine finanziellen und administrativen Risiken zu tragen hat. Der Strom für die Berger Bürger, die sich beteiligen, könnte letztlich wohl auch günstiger angeboten werden, glaubt die Energiegenossenschaft.
Das Vorhaben, das nun in Deutschland erstmals zum Einsatz kommen soll, sieht vor, den Strom nicht mehr über große Entfernungen zu transportieren, sondern ihn an Ort und Stelle zu speichern oder gleich zu verbrauchen. „Damit möchte man die Spitzen im Netz abfedern und lokal erzeugte erneuerbare Energien nutzen“, erläutert die gemeindliche Energieberaterin Sebastiana Henkelmann am Telefon.
Und weil Berg Standortgemeinde für das Projekt ist, hat der Gemeinderat bereits im Vorfeld eingewilligt, dass die Energiegenossenschaft die Dachfläche des Berger Betriebshofs in Aufhausen pachten kann. Darauf lässt sie im kommenden Frühjahr eine Photovoltaikanlage errichten, die die Gemeinde wiederum von der Genossenschaft pachtet. So ist beiden geholfen: Berg kann erneuerbaren Strom aus Sonnenlicht einspeisen und die Energiegenossenschaft hat eine eigene Anlage in der Standortgemeinde.
Benötigt wird für das Vorhaben auch eine lokale Großspeicheranlage, in die der Strom von den Erzeugern eingespeist und an die Abnehmer verteilt wird. Größere Betriebe und Unternehmen, die mitmachen möchten, könnten als sogenannte Ankerkunden fungieren, da sie eine erhebliche Menge an Strom benötigen und verbrauchen. Offen ist das Projekt aber auch für private Stromkunden. „Es ist ein organisches System – es wächst“, sagte Maximilian Kuhn von der Energiegenossenschaft Fünfseenland in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Berg. Und im Gespräch mit der SZ meint er: „Es geht uns letztlich um die Bürger und den Mittelstand. Wir wollen die Basis der Gesellschaft entlasten.“

