Nach Leichenfund im WaldKripo spürt Tatverdächtigen in Ungarn auf

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Etwa 80 Polizistinnen und Polizisten durchkämmen nach dem Leichenfund den Wald in der Nähe des Kapellenweges in Berg.
Etwa 80 Polizistinnen und Polizisten durchkämmen nach dem Leichenfund den Wald in der Nähe des Kapellenweges in Berg. Franz Xaver Fuchs

Die Ermittler gehen davon aus, dass Luca V. von ihrem 26-Jährigen Lebensgefährten umgebracht worden ist, mit dem sie zusammen in Budapest gelebt hat. Mitte Januar war die Frau verscharrt in einem Wald bei Berg am Starnberger See gefunden worden.

Von Astrid Becker, Berg

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Es muss ein grauenvoller Moment für die drei Spaziergänger gewesen sein, die am 16. Januar in einem kleinen Waldstück in Berg am Starnberger See eine bereits deutlich verweste Frauenleiche entdeckten. Der noch junge Labradormischling "Beauty" war seiner Besitzerin ausgebüxt und hatte auch auf sämtliche Rufe nicht reagiert. Die Hündin hatte die Tote etwa 35 Meter abseits des Kapellenwegs unweit eines Parkplatzes aufgestöbert. Gut zwei Monate nach diesem schrecklichen Fund hat die Polizei nun den Lebensgefährten des 25-jährigen Opfers in Ungarn festgenommen. Den Ermittlern zufolge handelt es sich dabei um einen 26-Jährigen. Dem Mann wird vorgeworfen, seine Freundin umgebracht und in dem Berger Waldstück halb vergraben zu haben, wie das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord am Donnerstag mitteilt. Es bestehe aufgrund zahlreicher Indizien "dringender Tatverdacht", wie es heißt.

Das Opfer Luca V.: Die zweifache Mutter wurde getötet und im Unterholz verscharrt.
Das Opfer Luca V.: Die zweifache Mutter wurde getötet und im Unterholz verscharrt. Polizeipräsidium Oberbayern-Nord /Polizeipräsidium Oberbayern-Nord

Der Festnahme waren aufwendige Recherchen auch im Internet vorausgegangen. Denn das Opfer, Luca V., deren Identität durch DNA-Abgleich geklärt werden konnte, hatte als Prostituierte gearbeitet und ihre Dienste europaweit auf mehreren Escort-Portalen angeboten - laut Polizei unter den Pseudonymen "Maya" und "Alina". Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatte sich die etwa 1,60 Meter große und sehr zierliche Frau vergangenes Jahr vom 22. November an zusammen mit ihrem Freund in München aufgehalten und soll dort auch ihrer Profession nachgegangen sein. Sie soll sich dafür in einem Münchner Hotel eingemietet haben. Möglicherweise ist sie dort auch zu Tode gekommen. Denn eines steht für die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck, die unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft München II die Ermittlungen übernommen hat, mittlerweile wohl zweifelsfrei fest: Der Fundort der Leiche in Berg ist nicht der Tatort. Dieser müsse erst noch ermittelt werden, wie es heißt.

Womöglich hatte der Täter die Leiche im Starnberger See versenken wollen

Was den mutmaßlichen Täter nun dazu bewogen hat, die Leiche nach Berg zu bringen, ist derzeit wohl ebenso unklar. Wollte er die Tote im Starnberger See versenken und war vor Ort mit diesem Vorhaben gescheitert? Geriet er dann womöglich unter Zeitdruck? Der Leiter der zuständigen Kripo, Manfred Frei, wollte sich auf eine entsprechende Anfrage der SZ nicht äußern. Auch andere Auskünfte, etwa zur Todesursache der Frau, lehnte er aus "ermittlungstaktischen Gründen" ab. Er bestätigte aber, dass es sich bei dem nun unter Tatverdacht stehenden Mann um einen Nigerianer handele, der in Ungarn aufgewachsen sei, dort bis zuletzt seinen Lebensmittelpunkt gehabt und mit der Toten eine Beziehung geführt habe. Welches Motiv er gehabt haben könnte, seine Freundin zu töten, werde nun ebenso weiter ermittelt wie andere Umstände, die zu der Tat geführt haben könnten, so Frei.

Die Leiche war Mitte Januar von der jungen Hündin "Beauty" entdeckt worden.
Die Leiche war Mitte Januar von der jungen Hündin "Beauty" entdeckt worden. privat/oh

Dazu müsste der 26-Jährige wohl aber erst einmal nach Deutschland ausgeliefert werden. Er war nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord am Dienstag in Budapest lokalisiert und von den ungarischen Behörden festgenommen worden. Das Amtsgericht München hatte zuvor auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II einen internationalen Haftbefehl erlassen. Beamte der Ermittlungsgruppe "Kapellenweg" waren dafür eigens nach Ungarn gereist, festgenommen wurde der Mann, so ist es Usus, aber von der nationalen Mordkommission in Budapest. Die Zusammenarbeit auf dem Wege der Rechtshilfe beschrieb Kripochef Frei als "ausgezeichnet": "Wir wurden von den ungarischen Kollegen hervorragend unterstützt." Der Tatverdächtige wurde von den dortigen Polizeibehörden einem Ermittlungsrichter vorgeführt und befindet sich derzeit in Auslieferungshaft. "Wenn er der Auslieferung zustimmt, könnte er in etwa zehn Tagen in Deutschland sein", so Frei. "Wenn nicht, dauert das Auslieferungsverfahren etwa 30 Tage."

Die Polizei hofft dennoch, in der Zwischenzeit weitere Details und offene Fragen in diesem Tötungsdelikt zu klären. Dafür bitten die Ermittler auch um die Hilfe der Bevölkerung. Besonders von Interesse dürften dabei Hinweise der Kunden der Frau, also ihrer Freier sein. Wer mit Luca V. oder ihrem Lebensgefährten Kontakt hatte und Hinweise zu ihrem Aufenthalt vom 22. November an in München und Umgebung geben kann, soll sich unter der Telefonnummer 08141/61 23 30 bei den Ermittlern melden. Im Einzelfall werde eine vertrauliche Behandlung der Informationen geprüft, das betont das Präsidium explizit. Zur besseren Identifizierbarkeit weist die Polizei darauf hin, dass Luca V. mehrfach tätowiert war, unter anderem trug sie den Schriftzug "Rebelle" auf dem Bauch. Gefragt seien zudem verdächtige Wahrnehmungen vom 25. November an im Bereich des Berger Kapellenwegs oder des Fußballplatzes und Skaterparks. Die Polizei will zudem gern wissen, ob jemand einen schwarzen Audi A 5 Coupe mit dem amtlichen Kennzeichen M-VZ 2594 in München oder in der Umgebung von Berg gesehen hat. Das Paar soll mit diesem Mietfahrzeug unterwegs gewesen sein. Eine Verbindung nach Berg jedoch konnten die Ermittler bisher weder beim Opfer noch beim Tatverdächtigen feststellen.

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