Berg:Kunst im Treppenhaus

Berg: Marschallstall: Künstler aus dem Einbauschrank

Künstler aif der Stiege: Monika Roll (von links), Steffi Kieffer, Cristina Blank, Gesine Dorschner, Felix Maizet und Stefanie Pietsch.

(Foto: Nila Thiel)

Die "Künstler aus dem Einbauschrank" bespielen den Marstall mal anders

Von Ute Pröttel, Berg

Wie viele Kunstwerke passen in ein Treppenhaus? Rund 150 verschiedene Arbeiten stellen die sieben Mitglieder des Kollektivs "Künstler aus dem Einbauschrank" im Treppenhaus des historischen Marstalls in Berg aus. Immerhin es geht über zwei Stockwerke. Im ersten Stock stehen auch zwei ehemalige Gesindezimmer zur Verfügung. Kunsttechnisch ist viel vertreten: Es gibt Finartprints und Hand-Siebdrucke in limitierter Auflage, zarte Bilder in Fumagetechnik, die mit Rauch hergestellt werden und textile Wandbehänge. Dazwischen witzige Installationen, die mal ein gesamtes Bad einnehmen, mal als Lawinen-Huhn mit Schnapsfässchen um den Hals daherkommen. Auch Ludwig II ist anwesend. Und einige seiner Pferde.

Editha, Hugo, Fallada und sein Lieblingspferd Cosa rara, das er nach dessen Tod präparieren ließ und das heute noch im Nymphenburger Marstallmuseum zu sehen ist. König Ludwig II. ist sozusagen der Hausherr. Als junger König ließ er in unmittelbarer Nähe zu Schloss Berg einen feudalen Stall errichten, der heute unter Denkmalschutz steht und als Veranstaltungsort von Kunstausstellungen, Konzerten oder fröhlichen Festen dient. Auf die Idee, das historische Treppenhaus mit seinen charmanten alten Holzstiegen als Ausstellungsort zu bespielen kam die Berger Kuratorin Katja Sebald. Zusammen mit der Werbeagentur Yearing Communications, die seid rund einem Jahr ihr Büro im Marstall betreibt, lud sie Künstler und Musiker für ein Wochenende ein und organisierte ein gattungsübergreifendes Kunsthappening. "PopUp Kunst" nennt sie diese Events, die von Ausstellungen über Lesungen bis hin zu Musik-Gigs und Kunstauktionen eine spannende Verbindung von verschiedenen Genres sind. Sebald selber übernimmt dabei die Rolle der Galeristin.

Die aus Herrsching stammenden Künstler aus dem Einbauschrank, Cristina Blank, Gesine Dorschner, Steffi Kieffer, Felix Maizet, Enno Müller-Spaethe, Stefanie Pietsch und Monika Roll schaffen viele ihrer Kunstwerke zielgerichtet auf den Ausstellungsrahmen. Ihre Spezialität sind eigentlich Abbruchhäuser, die sie, kurz bevor die Abrissbirne schwingt, bespielen. Auch einige der im Treppenhaus des Kini ausgestellten Werke sind erst kurz vor der Ausstellung entstanden. Insbesondere Monika Roll hat sich intensiv mit dem Märchenkönig auseinandergesetzt, ihn als Linoldruck auf Holz abgebildet, sein Konterfei schwarzweiß auf Papier gebracht oder ein Modell des Marstall in Setzkastenform gefertigt. Auch die übrigen Stücke sind alle jüngeren Datums. Die meisten erst in den letzten zwei, drei Jahren entstanden und praktisch alle käuflich zu erwerben. Von zehn Euro für die kleinen Pferdeskulpturen von Felix Maizet, die den doppeldeutigen Namen "Pferdeäpfel" tragen, weil ihre Körper aus echten Äpfel bestehen und deren Lebensdauer damit definitiv an ein Verfallsdatum gebunden ist, bis 2700 Euro für ein Bild aus Acryl auf Leinwand reicht die Bandbreite.

Am Samstagabend dann ist die Kunst an den Wänden einem Härtetest ausgesetzt: Rund 200 Gäste drängen sich auf den Stiegen und werden vom bayerischen Liedermacher Dazze Kammerl mit seiner indischen Shrutibox, der noch jungen, silberergrauten Band "Silverfish" und dem Elektrosound von Enno Müller-Spaethe durchs Haus begleitet. Ihre abwechselnden Auftritte sorgen für Bewegung im Treppenhaus, da rutscht schon einmal das ein oder andere Kunstwerk vom Haken. Künstler und Galeristin nehmen es gelassen. Die zweite PopUp Kunst ist ein voller Erfolg und das historische Treppenhaus als Galerie damit eingeführt. Zum großzügigen Ausstellungsraum im Erdgeschoss mit seinen Säulen und Gewölben stellt es einen interessanten Kontrast da und eröffnet dem Betrachter interessante Blickwinkel auf die unterschiedlichen Kunstwerke. Auch Einzelausstellungen fänden hier einen spannenden Rahmen. Die Berger Kunstszene wartet jedenfalls, wann dasnächste Event aufpoppt.

© SZ vom 20.02.2017
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