Berg Kultur und Kirche

Surreal wirkende Bilder zeigt die Malerin Franziska Schellenberger im Katharina-von-Bora-Haus.

(Foto: oh)

Die Berger Reihe "Kunstwerk des Monats" hat ihr Publikum gefunden

Von Ute Pröttel, Berg

Es ist mucksmäuschenstill im Foyer des Katharina-von-Bora-Hauses, als Uli Pagen aus einem Roma von Haruki Murakami vorliest. Sämtliche Blicke sind auf die beiden Bilder von Franziska Schellenberger gerichtet. Der Psychiater aus Feldafing liest eine Passage aus "Mister Aufziehvogel". Der Protagonist ist soeben in einen Brunnen hinabgestiegen und taucht ein in eine andere Welt: sein Unterbewusstsein. Und genau aus dieser Quelle heraus speisen sich auch Franziska Schellenberger surreal wirkenden Bilder. Sie bricht Perspektiven, mischt Figuratives mit Pop Art.

In ihrer kurzen Einführung zu den Bilder spannt Kuratorin Katja Sebald den Bogen von Siegmund Freud über das sich vollkommen in eine Tätigkeit Versenken, neudeutsch auch Flow bezeichnet, bis hin zum niederländischen Maler Hieronymus Bosch. Dabei interpretiert sie nicht die eben erst entstandenen Bilder von Franziska Schellenberger, sondern gibt Denkanstöße. Ganz im Sinne des Gastgebers und Hausherren, Pfarrer Johannes Habdank: "Kunstschaffende sind für mich wie Seismografen der gegenwärtigen und künftigen, sich weiter entwickelnden gesellschaftlichen Wirklichkeit." Wichtig sind ihm die Öffnung der Kirchengemeinde zum Kultur- und Kunstpublikum hin und der Austausch in Fragen der Weltsicht und der Lebensdeutung. "Dazu bedarf es einer eigenständigen Sichtung der Kunst, sei sie nun kirchlich affin oder nicht, was heute eher die Regel ist. Oftmals zeigen sich bei näherem Hinsehen verdeckte religiöse Valenzen gerade bei Werken, bei denen man es zunächst gar nicht vermutet hätte. Auf die Deutungspotenziale und den offenen Diskurs darüber kommt es an. Es geht mir als Pfarrer um die verstärkte Prägung eines kulturprotestantischen, modernen Gemeindeprofils, das den bildungsbürgerlichen Milieus hier in unserer Gegend entspricht." Dass ihre Bilder in einem kirchlichen Umfeld ausgestellt werden, stört auch Schellenberger überhaupt nicht. Ihre Absicht ist es, Menschen zum Denken zu animieren. Deshalb gibt sie ihren Bilden auch mittlerweile keine Titel mehr.

Jeden zweiten Mittwoch im Monat wird in Berg ein neues Kunstwerk des Monats vorgestellt. Zugegeben es ist ein eingeschworener Kreis, der sich da zusammenfindet. Mal ist er größer, mal kleiner. Das hängt davon ab, wie bekannt der ausstellende Künstler in der Gemeinde ist oder ob gerade ein Fußballspiel im Fernsehen läuft. Doch im fünften Jahr ist es eine Reihe, die ihr Publikum gefunden hat, an Qualität eher noch zulegt und weiter reift.

Im kommenden Monat kommen mit Hannelore Jüterbock und Sebastian Heinsdorff zwei Künstler des Kulturvereins Berg ins Gemeindehaus. Das Programm für die zweite Jahreshälfte steht ebenfalls: Im September und Oktober stellen Ulrike Prusseit, Malerin aus Starnberg, und Mathias Rodach, Bildhauer aus Dießen aus. Im November wird es voll werden, da kommt Hans Panschar ins Katharina-von-Bora-Haus, der im letzten Jahr mit seinen Flaschenskulpturen Aufmerksamkeit erregte. Zum Abschluss des Jahres schließlich fliegt Rabe Habdank, Maler und Bruder von Pfarrer Johannes Habdank, zum kulturellen Austausch aus Berlin ein. Was für eine weise Entscheidung im Übrigen, die Pinnwand aus dem Foyer zu verbannen. Für so viele Kommunikation wie die wechselnden Kunstwerke hat sie nie sorgen können.